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Karriere-Tipps Alle schuften bei uns bis zum Umfallen. Muss ich mitmachen?

Arbeit für ein Wochenende: Wie sagt man Nein, wenn alle anderen Ja sagen? Zur Großansicht
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Arbeit für ein Wochenende: Wie sagt man Nein, wenn alle anderen Ja sagen?

Wo bin ich hier gelandet? In einer Firma voller Workaholics kann man sich dem Arbeitswahn schwer entziehen. Svenja Hofert hilft und sagt, wie man Verbündete findet. Und wann man besser geht.

Corinna, 36 Jahre alt, arbeitet als Beraterin in einer Agentur und steckt noch in der Probezeit. Seit Wochen kommt sie nicht vor 22 Uhr aus dem Büro. Letzte Woche verabredete sich das Team mitsamt Teamleiter sogar zur Wochenendarbeit, um ein Kundenprojekt zu schaffen. Corinna kann nicht mehr denken vor lauter Stress und fragt: Was tun?

Svenja Hofert antwortet:

Bei diesem Fall klingt mir ein furchtbarer Schlager von Maite Kelly und Roland Kaiser im Ohr: "Warum hast du nicht nein gesagt?" Spätestens als das Team sich zur Wochenendarbeit verabredete, wäre ein Nein fällig gewesen. Wer dem Gruppenzwang nicht widersteht und rechtzeitig Grenzen setzt, wird von der Dynamik mitgerissen - wenn es dumm zugeht: bis in den Burn-out.

Corinna gehört der Generation Y an, die mit dem Neinsagen kein Problem hat, wie es immer heißt. Ich sehe das anders. Die Ypsiloner sind ja auch nur Menschen. Wenn alle in der Abteilung bis 22 Uhr bleiben oder sich am Wochenende im Büro zur Arbeit treffen, ist das schlechte Gewissen beim Frühergehen normal. Wer neu in einem Unternehmen ist, will sich ja erst mal akklimatisieren.

Mein Rat an Corinna, wenn sie nicht gleich Nein sagen möchte: Sehen Sie sich genau im Betrieb um. Ist wirklich der ganze Laden ein hochdynamischer Vielarbeiter-Verein? Oder gibt es sogar den einen oder anderen Kollegen, der pünktlich nach Hause geht? Kann man sich von diesen Kollegen etwas abschauen?

Besser in einem anderen Team

Oder gibt es weit und breit niemanden, der aus der Art schlägt? Wäre dies so, sagt dies eine Menge über die Arbeitskultur.

Auch der Blick auf die Führung lohnt. Es kann im gleichen Unternehmen Führungskräfte geben, die Überengagement und Mehrarbeit durch ihr Verhalten fördern - und andere nicht. Vielleicht kommt ein Teamwechsel in Frage?

Aber was, wenn die Firma nur aus lauter Workaholics besteht? Chefs, die ihre Teams bis zum Umfallen arbeiten lassen, sind schlechte Führungskräfte. Sie sind Einheizer und keine Menschenentwickler. Gespräche über die Situation mit solchen Einheizern bringen oft wenig, mitunter ist man danach als Underperformer abgestempelt, der den Anforderungen nicht gerecht wird.

Ist keine Änderung in Sicht, heißt es rechtzeitig die Konsequenzen ziehen und nach einem neuen Job suchen. Mitunter ist dann die eigene Kündigung die beste Lösung, selbst wenn sie drei Monate Sperre beim Arbeitslosengeld bedeutet. Die Probezeit gilt für beide Seiten.

Wie viel Tempo ist gut für mich?

Gerät Corinna öfter in so turbulente Umfelder, sollte sie die eigene Karriereplanung hinterfragen. Was als entspannter Berufsalltag empfunden wird, ist von Mensch zu Mensch verschieden - und wechselt je nach Lebensphase. Wie viel Karriere-PS habe ich derzeit als Mitarbeiter? Die Antwort auf die Frage hat mit dem akzeptablen Zeiteinsatz für die Arbeit zu tun und mit dem Arbeitstempo.

Bei den eigenen PS kann man sich gehörig verschätzen. Ich erinnere mich an Kunden aus turbulenten Branchen wie den Medien, die beispielsweise zu einer Krankenkasse wechselten oder in einen Konzern. Nicht wenige stellten dann fest, dass sie doch eine gewisse Schlagzahl brauchen. Sie blühen auf, wenn sie etwas Trubel um sich herum haben - was andere stresst.

Probieren Sie ruhig verschiedene Arbeitsumfelder aus und erkennen Sie, wo Sie sich wohlfühlen. Das müssen nicht die gleichen Jobs sein, die Freunden und Bekannten gefallen.

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insgesamt 99 Beiträge
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1.
abby_thur 14.07.2015
"Mitunter ist dann die eigene Kündigung die beste Lösung, selbst wenn sie drei Monate Sperre beim Arbeitslosengeld bedeutet." Das ist wohl der schlechteste Rat den ich seit langem gehört habe. Was isst man denn da so 3 Monate lang, was nichts kostet? Wie bezahlt sich die Bude?
2. Schon mal in einem Unternehmen gewesen?
warum_denkt_keiner_nach? 14.07.2015
Man fragt sich schon, ob die Beraterin schon mal in einem Unternehmen gewesen ist. Der Druck zum "Arbeiten rund um die Uhr" kommt doch fast immer vom Chef. Und wenn man in so ein Unternehmen kommt, so übersteht man die Probezeit nicht, wenn man nicht mitmacht. Mit der Suche nach Verbündeten oder Teamwechsel ist es also Essig. Bleibt nur gehen und, das hat die Autorin vergessen, eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Arbeitszeitgesetz.
3. rumprobieren
neswlf88 14.07.2015
Einfach mal rumprobieren, welches Arbeitsumfeld einem am besten zusagt... schön wärs. Nicht jeder kann sich den Luxus leisten, durch jahrelanges Rumprobieren nach seiner wahren Berufung und dem "perfekten Job" zu suchen. Es soll auch Leute geben, die daheim Kinder zu ernähren und monatliche Raten abzubezahlen haben. Ständiges Kündigen & Neuanfangen ist da ein realitätsferner Ratschlag.
4. Selber schuld
Khaled 14.07.2015
Wer allen Ernstes bis 22 Uhr arbeitet, und das auch noch wochenlang, und sogar noch am Wochenende, ist vermutlich in einem Irrenhaus bzw. bei einem Sklavenhalter gelandet und hat bei der Planung der "Karriere" jedenfalls irgend etwas gründlich falsch gemacht.
5. Natürlich muss man nicht mitmachen. ....
joG 14.07.2015
....sollte aber wissen, dass ein anderer mit 14 Stunden Arbeit eventuell mehr geleistet haben wird als der, der 7 1/2 Stunden etwas tut.
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