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Allein unter Fußballfrauen Wer ist der Kerl auf dem Bild?

Weltmeisterin Michael Fuchs: Sie steht im Tor und er dahinter Fotos
dapd

Auf dem WM-Teamfoto der Nationalelf sind 24 Frauen zu sehen. Und ein einziger Mann: Michael Fuchs, Torwarttrainer. Der ausgebildete Gymnasiallehrer arbeitet im Hintergrund und übt mit Nadine Angerer, der Nummer eins. Er ist bereits "Weltmeisterin", wie seine Freunde spötteln.

Im Abschlusstraining ist das Tagwerk von Michael Fuchs schnell beendet. Ein wenig Laufen, ein paar Dehnübungen, einige Schüsse aus verschiedenen Entfernungen aufs Tor - das war's dann auch schon für den Torwarttrainer der deutschen Fußballerinnen vor dem zweiten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft gegen Nigeria.

Richtig gefordert ist der 41 Jahre alte Nürnberger aber in den Tagen vor einem Spiel. Dann muss er früher aufstehen als seine Chefin Silvia Neid. Die Torhüterinnen und Fuchs versammeln sich eine halbe Stunde eher auf dem Platz, um mit den Trainingseinheiten zu beginnen.

Natürlich beschränkt sich die Arbeit von Michael Fuchs nicht nur auf den Rasen, er sichtet im Hotelzimmer Videobänder, überlegt sich neue Übungsformen und spricht viel mit der deutschen Nummer eins, Nadine Angerer, die gegen Nigeria schon ihr 100. Länderspiel bestritt.

"Nadine ist eine Ausnahmetorhüterin"

Das Zusammenspiel mit Nadine Angerer findet Fuchs angenehm. "Nadine ist eine Ausnahmetorhüterin", sagt er. An ihren vielen Qualitäten schätzt er am meisten, dass sie keine Angst habe und eine enorme Ruhe verkörpere. "Sie hat eine überragende Persönlichkeit, die auch auf ihre Abwehrspielerinnen ausstrahlt."

Das offizielle Teamfoto der deutschen Nationalelf zeigt 24 Frauen: die 21 Spielerinnen, dazu Bundestrainerin Silvia Neid, ihre Co-Trainerin Ulrike Ballweg, Managerin Doris Fitschen. Und links unten in einer schwarzen Trainingsjacke Michael Fuchs, der sich sonst meist dezent im Hintergrund hält.

Fotostrecke

22  Bilder
Frauenfußball: Deutschlands Kickerinnen und ihr Plan B
Fuchs ist eigentlich Gymnasiallehrer von Beruf, Sport und Englisch. Doch seine pädagogischen Fähigkeiten hat er bisher nicht in der Schule, sondern hauptsächlich beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) einbringen können. Zumindest schaffte er es im vergangenen Jahr, sein Referendariat zu beenden. Im Moment ist er hauptberuflich beim DFB angestellt.

Vor der WM 2007 rief Andreas Köpke bei Fuchs an und fragte, ob er sich vorstellen könnte, die Frauen-Nationalelf zu trainieren. "Ich musste nicht lange überlegen und habe gleich zugesagt." Den Europameister von 1996 kannte er noch aus der gemeinsamen Zeit beim 1. FC Nürnberg. Fuchs' erste Saison als Torwarttrainer beim Club war Köpkes letzte. Das war 2000/2001.

Schwieriges Lehrjahr unter Andreas Köpke

"Das erste halbe Jahr war eine harte Zeit", erinnert sich Fuchs. Köpke sei ein Welttorhüter gewesen, "ich ein Anfänger. Das hat er mich zunächst auch spüren lassen". Doch auch Köpke, heute Torwarttrainer in der Männer-Nationalmannschaft, lernte schnell die besonderen Fähigkeiten von Fuchs kennen. Er ist ein Torwarttrainer, der gemeinsam mit den Torhütern Übungen entwickelt und sie auf den jeweiligen Typ abstimmt.

"Auch Nadine Angerer macht sich viele Gedanken und bringt neue Ideen ins Torwarttraining ein", so Fuchs. Sie sei kein alltäglicher Typ, nicht gerade gut organisiert. "Doch auf dem Platz, im Training, ist sie zu hundert Prozent konzentriert."

Es gibt nicht viele Torhüter auf der Welt, die während eines Spiels so wenige Bälle aufs Tor bekommen. Nadine Angerer hat bisweilen 15 Minuten oder länger überhaupt nichts zu tun. "Das ist eine enorme nervliche Belastung", sagt Michael Fuchs. "Als Feldspielerin kannst du deine Anspannung einfach rausrennen. Als Torhüterin geht das nicht." Es gebe zwar Konzentrationsübungen, aber groß nachstellen könne man das im Training nicht. "Auch wenn sie im Spiel nur vier Bälle zu halten hat, ist sie hinterher körperlich total erschöpft."

Die Übungseinheiten bei der Frauen-Nationalmannschaft unterscheiden sich nicht von denen bei den Männern, sagt Michael Fuchs. Gewöhnungsbedürftig: Als Nadine Angerer das WM- Turnier 2007 ohne Gegentor beendete und die deutsche Mannschaft souverän den Titel holte, musste er sich den Spott seiner Freunde gefallen lassen - sie nannten ihn Weltmeisterin.

Matthias A. Schmid, dapd/jol

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Männliche Fußballtrainer und auch Schiedsrichter wären sinnvoll.
Grosskotz 03.07.2011
Ein Mann als Trainer für die Frauenmannschaft wäre in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Erstens: wegen der größeren fachlichen Kompetenz: Bei Frau Silvia Neid habe ich nach dem bisherigen Gekicke meine Zweifel. Dei taktische Ausrichtung war mehr als mangelhaft. Es wurde plan- und ziellos nach vorne geschossen, eine Verzahnung mit dem Mittelfeld fand überhaupt nicht statt. (Leidtragende: Birgit Prinz als Sturmspitze, was sie vorher noch nie gespielt hat). Zweitens: Größere Akzeptanz eines (männlichen) Trainers und bessere Durch- und Umsetzbarkeit dessen, was der Tainer vorgibt. DAs muß ein bißchen oder sogar sehr viel mit dem Rollenverhalten von Frau und Mann zusammenhängen (Gefall- und Anerkennungsbedürfnis). Es ist ja in fast allen Sportarten der Fall, daß Frauen für Frauen die Ausnahme sind und Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen fast immer einen männlichen Trainer haben. Nur ein Beispiel: bei unseren äußerst erfolgreichen Wintersportlerinnen (Ski, Biathlon, Eisschnelllauf, Bob...) ist mir noch nie eine Frau als Trainer untergekommen. Warum beim deutschen Frauenfußball alles Frauensache sein muß, kann ich nicht nachvollziehen. Andere Frauen-Nationalmannschaften unterliegen nicht diesem Geschlechter-Rigorismus und haben männliche Trainer. Und für die Akzeptanz des Fraunfußballs wäre es sehr zuträglich, die Sache zu geschlechtlich zu entspezifizieren, z.B. auch durch männliche Schiedsrichter. Nebenbei: in der Bundesliga der Männer sollen zwei Frauen pfeiffen ohne daß es irgendwelche Probleme gäbe.
2. Soso
beija-flor 03.07.2011
Zitat von GrosskotzEin Mann als Trainer für die Frauenmannschaft wäre in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Erstens: wegen der größeren fachlichen Kompetenz: Bei Frau Silvia Neid habe ich nach dem bisherigen Gekicke meine Zweifel. Dei taktische Ausrichtung war mehr als mangelhaft. Es wurde plan- und ziellos nach vorne geschossen, eine Verzahnung mit dem Mittelfeld fand überhaupt nicht statt. (Leidtragende: Birgit Prinz als Sturmspitze, was sie vorher noch nie gespielt hat). Zweitens: Größere Akzeptanz eines (männlichen) Trainers und bessere Durch- und Umsetzbarkeit dessen, was der Tainer vorgibt. DAs muß ein bißchen oder sogar sehr viel mit dem Rollenverhalten von Frau und Mann zusammenhängen (Gefall- und Anerkennungsbedürfnis). Es ist ja in fast allen Sportarten der Fall, daß Frauen für Frauen die Ausnahme sind und Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen fast immer einen männlichen Trainer haben. Nur ein Beispiel: bei unseren äußerst erfolgreichen Wintersportlerinnen (Ski, Biathlon, Eisschnelllauf, Bob...) ist mir noch nie eine Frau als Trainer untergekommen. Warum beim deutschen Frauenfußball alles Frauensache sein muß, kann ich nicht nachvollziehen. Andere Frauen-Nationalmannschaften unterliegen nicht diesem Geschlechter-Rigorismus und haben männliche Trainer. Und für die Akzeptanz des Fraunfußballs wäre es sehr zuträglich, die Sache zu geschlechtlich zu entspezifizieren, z.B. auch durch männliche Schiedsrichter. Nebenbei: in der Bundesliga der Männer sollen zwei Frauen pfeiffen ohne daß es irgendwelche Probleme gäbe.
Was ist das denn bitte für eine Argumentation? Sie wollen den Geschlechter-Rigorismus aufbrechen und empfehlen deshalb einen männlichen Trainer, der angeblich zwingend eine größere fachliche Kompetenz hat. Dass Neid möglicherweise eine falsche (oder gar keine Taktik) gewählt hat, hängt aus welchem Grund mit ihrem Geschlecht zusammen? Der DFB hatte übrigens auch bereits einen männlichen Nationaltrainer, unter dem allerdings nie der WM-Titel geholt wurde.
3. 2 Weltmeistertitel in Folge
caligerman 03.07.2011
Zitat von GrosskotzEin Mann als Trainer für die Frauenmannschaft wäre in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Erstens: wegen der größeren fachlichen Kompetenz: Bei Frau Silvia Neid habe ich nach dem bisherigen Gekicke meine Zweifel. Dei taktische Ausrichtung war mehr als mangelhaft. Es wurde plan- und ziellos nach vorne geschossen, eine Verzahnung mit dem Mittelfeld fand überhaupt nicht statt. (Leidtragende: Birgit Prinz als Sturmspitze, was sie vorher noch nie gespielt hat). Zweitens: Größere Akzeptanz eines (männlichen) Trainers und bessere Durch- und Umsetzbarkeit dessen, was der Tainer vorgibt. DAs muß ein bißchen oder sogar sehr viel mit dem Rollenverhalten von Frau und Mann zusammenhängen (Gefall- und Anerkennungsbedürfnis). Es ist ja in fast allen Sportarten der Fall, daß Frauen für Frauen die Ausnahme sind und Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen fast immer einen männlichen Trainer haben. Nur ein Beispiel: bei unseren äußerst erfolgreichen Wintersportlerinnen (Ski, Biathlon, Eisschnelllauf, Bob...) ist mir noch nie eine Frau als Trainer untergekommen. Warum beim deutschen Frauenfußball alles Frauensache sein muß, kann ich nicht nachvollziehen. Andere Frauen-Nationalmannschaften unterliegen nicht diesem Geschlechter-Rigorismus und haben männliche Trainer. Und für die Akzeptanz des Fraunfußballs wäre es sehr zuträglich, die Sache zu geschlechtlich zu entspezifizieren, z.B. auch durch männliche Schiedsrichter. Nebenbei: in der Bundesliga der Männer sollen zwei Frauen pfeiffen ohne daß es irgendwelche Probleme gäbe.
Was soll der Quark? Deutschland hat zwei Weltmeistertitel hintereinander mit weiblichen Trainerinnen bekommen!!
4. Kinderfußball von Kinder-Schiedsrichtern gepfiffen
langenscheidt 03.07.2011
Zitat von GrosskotzEin Mann als Trainer für die Frauenmannschaft wäre in mehrfacher Hinsicht sinnvoll. Erstens: wegen der größeren fachlichen Kompetenz: Bei Frau Silvia Neid habe ich nach dem bisherigen Gekicke meine Zweifel. Dei taktische Ausrichtung war mehr als mangelhaft. Es wurde plan- und ziellos nach vorne geschossen, eine Verzahnung mit dem Mittelfeld fand überhaupt nicht statt. (Leidtragende: Birgit Prinz als Sturmspitze, was sie vorher noch nie gespielt hat). Zweitens: Größere Akzeptanz eines (männlichen) Trainers und bessere Durch- und Umsetzbarkeit dessen, was der Tainer vorgibt. DAs muß ein bißchen oder sogar sehr viel mit dem Rollenverhalten von Frau und Mann zusammenhängen (Gefall- und Anerkennungsbedürfnis). Es ist ja in fast allen Sportarten der Fall, daß Frauen für Frauen die Ausnahme sind und Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen fast immer einen männlichen Trainer haben. Nur ein Beispiel: bei unseren äußerst erfolgreichen Wintersportlerinnen (Ski, Biathlon, Eisschnelllauf, Bob...) ist mir noch nie eine Frau als Trainer untergekommen. Warum beim deutschen Frauenfußball alles Frauensache sein muß, kann ich nicht nachvollziehen. Andere Frauen-Nationalmannschaften unterliegen nicht diesem Geschlechter-Rigorismus und haben männliche Trainer. Und für die Akzeptanz des Fraunfußballs wäre es sehr zuträglich, die Sache zu geschlechtlich zu entspezifizieren, z.B. auch durch männliche Schiedsrichter. Nebenbei: in der Bundesliga der Männer sollen zwei Frauen pfeiffen ohne daß es irgendwelche Probleme gäbe.
Völlig einer Meinung. Die Vorgeschichte zur Frauen-Bundestrainerin liegt allerdings anders. Jahrzehnte machte das ein Mann. Als er ausstieg wurde die Neubesetzung mit Tina Theune-Meyer als Emanzipation des Frauen-Fußballs propagiert. Frauenfußball könne nun auf eigenen Beinen ohne Männer stehen. Damals hat es niemand bemerkt, daß diese Prozedur eigentlich eine Entwürdigung des Frauen-Fußballs war.
5. Alles klar?
MaxiScharfenberg 03.07.2011
Zitat von sysopAuf dem WM-Teamfoto der Nationalelf sind 24 Frauen zu sehen. Und ein einziger Mann: Michael Fuchs, Torwarttrainer. Der ausgebildete Gymnasiallehrer arbeitet im Hintergrund und übt mit Nadine Angerer, der Nummer eins. Er ist bereits "Weltmeisterin", wie seine Freunde spötteln. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,771661,00.html
In einem Land, in dem sich Frauen wie Männer bewegen, anziehen und benehmen, Männer sich wie Kinder weinend in den Armen liegen oder in der Eisdiele nach" Eisbällchen" fragen, Mädchen von 15 Jahren so aussehen, wie die hübschen jüngeren Prostituierten, ist es völlig unangemessen, sich um das Geschlecht der fussballspielenden Männer und Frauen und deren Trainer Gedanken zu machen, denn zu allen Überfluss muss es nicht sein, dass diejenigen, die wie Frauen aussehen, im gynäkologischen Sinn auch tatsächlich Frauen sind. Alles klar? Maxi Scharfenberg (KPM)
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