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Alternativen zur Gehaltserhöhung Ein Dienstwagen tut's auch

Konrad Adenauers Staatskarosse als Dienstwagen: Wer mit diesem Auto zur Arbeit gefahren wird, verzichtet sicher gerne auf mehr Geld Zur Großansicht
DPA

Konrad Adenauers Staatskarosse als Dienstwagen: Wer mit diesem Auto zur Arbeit gefahren wird, verzichtet sicher gerne auf mehr Geld

Die Firma macht mehr Umsatz, doch das eigene Gehalt stagniert? Sofort einen Termin beim Chef ausmachen! Selbst wenn der Arbeitgeber nicht mehr zahlen will, kann man ihm oft etwas anderes entlocken: Prämien, Geschenke, Urlaubstage - es gibt viele Möglichkeiten.

Die deutsche Wirtschaft brummt. Der Firma geht es besser als noch im vergangenen Jahr gedacht. Höchste Zeit also, den Chef um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Damit die Verhandlung um diese Form der Wertschätzung erfolgreich ist, sollte man sich gut vorbereiten, die eigenen Prioritäten genau kennen. Und zur Sicherheit wissen, was man statt einer Gehaltserhöhung akzeptieren würde. Es gibt schließlich auch andere Möglichkeiten, sich von der Firma belohnen zu lassen.

Wenn der Chef nicht mit sich reden lässt, und selbst das Mindestplus, das man sich gesetzt hat, nicht zahlen möchte, sollten Arbeitnehmer Entgegenkommen zeigen, sagt Gehaltscoach Martin Wehrle. Grundsätzlich ratsam sei in diesen Verhandlungen, so Wehrle, stets die Vorteile für die Firma in den Mittelpunkt zu stellen, nicht die eigenen. Und nennt der Boss etwa bestimmte Projekte, die ihm wichtig sind, kann der Arbeitnehmer vorschlagen, sich dort besonders einzubringen.

Prämie, Bonus, Weihnachtsgeld

Das könnte Anlass sein, für diesen Einsatz um eine Prämie zu bitten - statt mehr Gehalt. "Die Prämie ist eine einmal jährlich zu zahlende Summe", erläutert Wehrle. Sie ist verknüpft mit bestimmen Leistungszielen. Wehrle rät, dieses Ziel konkret zu benennen, auch Zwischenziele festzulegen. So sollte man nicht nur übereinkommen, dass sich etwa die Zahl der Kundenbeschwerden verringern solle, "das ist nicht greifbar". Besser man schlägt dem Chef vor, die Anzahl der Beschwerden um drei Prozent zu senken. Gelingt einem das, bekommt man die vorher ausgehandelte Prämie komplett. Verringern sich die Beschwerden aber nur um zwei Prozent, gibt es eben nur einen Teil der Prämie.

Eine weitere indirekte Gehaltserhöhung ist die Bonuszahlung. Der Unterschied: "Die Prämie hängt von der Individualleistung ab. Der Bonus von der Leistung der Firma", erklärt Wehrle. Nachteil: Der einzelne Arbeitnehmer hat nur wenig Einfluss darauf, dass dieses Ziel wirklich erreicht wird.

Noch eine andere Möglichkeit, zusätzlich von der Firma entlohnt zu werden, ist die Gratifikation: eine einmalige Zahlung, gebunden an einen besonderen Anlass. "Das muss nicht immer das Weihnachtsgeld sein", sagt Wehrle. Eine Extrazahlung kann ein Arbeitnehmer etwa für den erfolgreichen Abschluss einer Fortbildung oder eines wichtigen Projekts aushandeln. Auch denkbar ist ein Provisionsmodell: Wenn ein Arbeitnehmer einen bestimmten Umsatz erzielt, kann er entsprechend daran beteiligt werden. Clever ist es, auch dies mit Stufenzielen zu verbinden.

Einen Yogakurs, bitte

Manche Unternehmen gewähren ihren Arbeitnehmern auch bestimmte Zuschüsse für den Alltag, etwa indem sie für Kindergartenplätze aufkommen. Wichtig sei dabei, diesen Zuschuss auf dem Gehaltszettel deutlich zu machen und so vom eigentlichen Lohn zu trennen, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband in Berlin. Zudem sollte der Arbeitgeber das Geld direkt an den Kindergarten überweisen; nur dann müssen dafür keine Steuern und Sozialabgaben entrichtet werden.

Mitunter fördert die Firma auch vieles, was zur "Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustandes" beiträgt, wie die offizielle Formulierung lautet. Wer also einen Yoga- oder einen Raucher-Entwöhnungskurs belegen möchte, sollte vorher ruhig mit seinem Chef über die Finanzierung reden. Grundsätzlich könne der Arbeitgeber jährlich 500 Euro dazuzahlen, ohne dass Steuern oder Sozialversicherung anfallen, sagt Steuerberater Deutsch. Ebenfalls gang und gäbe als Ersatz für die Gehaltserhöhung sind Deutsch zufolge auch Essensschecks, ausgestellt vom Unternehmen - "sofern man keine Kantine hat".

Vorteile mit Nachteil

Eine typische Kompromisslösung für Unternehmen ist auch, einen Dienstwagen zu stellen statt mehr Lohn zu überweisen. Der Nachteil: "Ein Dienstwagen ist kein Steuersparmodell", warnt Deutsch. Schließlich haben die Arbeitnehmer dank des Dienstwagens einen sogenannten geldwerten Vorteil, der besteuert wird. Auch Tankgutscheine lohnen sich nicht immer. Denn es gilt: Egal ob der Arbeitnehmer mehr Geld auf die Hand oder etwa eine Uhr geschenkt bekommt, er muss darauf Steuern zahlen. Immerhin, bis zu 44 Euro im Monat an Sachzuweisungen sind steuerfrei.

Und auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint: Selbst eine Fortbildung kann eine Alternative zu einer Gehaltserhöhung sein. Denn mit einer Weiterbildung erhöht man seinen Marktwert - in der eigenen Firma wie auch auf dem freien Markt. Der Kurs sollte aber gut gewählt sein: Wenn man etwa auf einer mittleren Fachkräfteposition arbeitet, bittet man am besten um einen Lehrgang für Führungskräfte. "Damit stellt man die Weichen für die Karriere", sagt Gehaltscoach Wehrle.

Scheitern all diese Versuche, seinem Arbeitgeber eine Geste der Wertschätzung zu entlocken, bleibt einem noch ein weiterer Ansatz, auf seine Kosten zu kommen: Entweder die Firma lässt sich auf eine flexible Arbeitszeitregelung ein, so dass man beispielsweise einen Tag pro Woche von zu Hause aus arbeiten kann. Oder sie gewährt zusätzliche bezahlte Urlaubstage. Wahrscheinlich die entspannendste indirekte Gehaltserhöhung, die es gibt.

hae/dpa-tmn

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