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Erste Hilfe Karriere Der 60-Stunden-Wahnsinn

Hallo Sie! Arbeiten Sie wirklich, oder surfen Sie nur? Lesen Sie diesen Text in der Mittagspause oder zwischen 18 und 20 Uhr, wenn es gilt, Anwesenheit zu demonstrieren? Aha, erwischt! Sie sind ein Fossil der Präsenzkultur - und damit in schlechter Gesellschaft, findet Karriereberaterin Svenja Hofert.

Die meisten Arbeitsverträge sind Arbeitsverträge 1.0. Da gibt es Kernarbeitszeiten, Gleitzeiten, Anwesenheitspflichten und Flatrates für den Arbeitseinsatz. Flatrates bedeuten, dass durch Ihr mehr oder weniger großzügiges Gehalt jede Überstunde abgegolten ist, 60 Stunden kommen da schnell zusammen.

Solche Arbeitsverträge 1.0 haben einen großen Anteil an unserem schlechten Gewissen, wenn wir mal nichts tun. Sie signalisieren Misstrauen und degradieren den Mitarbeiter zu einem Wesen, das kontrolliert werden muss. Das Über-Ich ist überall: "Pfui, Müßiggang", ruft es, wenn Arbeitnehmer mal surfen oder einen Plausch halten. "Das darfst du nicht, du musst doch arbeiten!"

Arbeiten: je mehr, desto besser. Nach der Formel handeln auch Selbständige. Ein befreundeter Personalberater, den ich mal fragte, wie viel Stunden er denn in sein Business investiere, antwortete: "Och, de facto wohl nicht mehr als 25 in der Woche, aber das sollen die Kunden nicht wissen." Viele Stunden zu schieben, hebt das eigene Ansehen, ob als Selbständiger, Manager oder Fachkraft. Was dabei am Ende rumkommt, hinterfragt keiner.

Erste Hilfe Karriere
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Arbeitsverträge 1.0 stilisieren die Einheit "Stunde" zum unbestechlichen Messwert für Arbeit. Dabei kann ich in einer Stunde viel tun oder wenig - und auch nichts. Arbeitsverträge 1.0 prägen unsere Vorstellung von guter Arbeit, die durch möglichst viel Anwesenheit geprägt ist. Sie sind sichtbares Zeichen einer Gesellschaft, die auf die Präsenzkultur setzt. Wir schauen nicht mehr auf das Ergebnis, sondern auf die Anwesenheit. Es gibt dabei gute und schlechte Anwesenheit. Gute Anwesenheit ist die in den Abendstunden und an den Wochenenden, schlechte morgens früh (außer in einer Behörde).

Ich war jemand, der oft früher fertig war als andere, bei Klausuren und auch mit meiner Arbeit. Aber spätestens nachdem ich einmal erlebt hatte, wie eine Kollegin, die ihr Kind um halb fünf abholen und deshalb früher gehen musste, gemobbt wurde, blieb ich so lange wie die Very Important Persons und spielte Arbeiten. Ich sehe das heute als einen wesentlichen Grund für eine frühe Beförderung.

Lieber kurz im Flow als lange im Tran arbeiten

Das ist jetzt fast zwanzig Jahre her, aber es hat sich wenig geändert. Man kriegt das 60-Stunden-müssen-sein-sonst-bist-du-ein-Loser auch nicht so leicht raus. Die tief verinnerlichte Präsenzkultur hat auch meine ersten Jahre in der Selbständigkeit geprägt: kein Urlaub, Plackerei am Wochenende, auch wenn ich keine Lust hatte. Dabei wäre der Output mit 10 Stunden weniger kein bisschen geringer gewesen.

Seit den Forschungen von Mihaly Csikszentmihailyi und seinem Buch "Flow" wissen wir, dass wir optimale Leistungen im Flow-Zustand erbringen. In diesem optimalen Zustand zwischen Unter- und Überforderung vergessen wir die Zeit und leisten das Maximum. Wir arbeiten, ohne aufs Geld zu schauen, und alles geht leicht von der Hand.

So können wir an zwei Flow-Stunden am Tag viel mehr schaffen als an zwölf Stunden, in denen wir Präsenz demonstrieren, aber in Wahrheit im Internet surfen oder drei Stunden an einem Satz basteln. Stunden schinden lohnt sich für Menschen, die auf Stundenbasis bezahlt werden. Insofern ist die Präsenzkultur ein Leistungskiller.

Glücklicherweise gibt es jetzt manchmal 2.0-Arbeitsverträge. Darin steht, dass man eine Leistung erbringen muss. In welcher Zeit und wo: Das ist unwichtig. Auch den Urlaub kann man selbst bestimmen. Ich hatte ein mulmiges Gefühl, als ich meiner Mitarbeiterin im Januar sagte, sie könne ab jetzt kommen, wann sie wolle und sie es selbst für nötig halte.

Doch es geht, denn Mitarbeiter, die entsprechend ihrer Persönlichkeit arbeiten und einen großen Teil ihrer Arbeit im Flow erledigen, sind effektiver, wenn Sie dann arbeiten, wenn sie arbeiten wollen. Das setzt natürlich voraus, dass Arbeit auch Spaß macht. Insofern haben vor allem jene Unternehmen Probleme mit diesem Denken, die wenig Spaß zu bieten haben.

Ein Kunde erzählte mir neulich, dass die beiden neuen Geschäftsführer seines Unternehmens kommen und gehen, wann sie wollen, manchmal mittags. Zuerst irritierte das die Mitarbeiter, doch dann schnupperten sie die neue Freiheit. Die Effektivität soll sehr gestiegen sein.

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1.
Europas 13.06.2012
"Flatrates", also pauschales Abgelten aller Überstunden mit dem Grundgehalt, hat das BAG für gewöhnliche Arbeitsverträge als rechtswidrig erkannt. Akzeptabel ist diese Klausel nur, falls die Natur des Arbeitsverhältnis kein normales Angestelltenverhältnis darstellt, also bei nicht zeitbezogener Leistungserbringung oder auch bei finanzieller Beteiligung im Unternehmen; regelmäßig also nur bei oberem Management und Teilhabern.
2. Betrachtung einer Elitären
mauimeyer 13.06.2012
Diese Betrachtung mag in Ordnung gehen - aber nur bei Arbeiten, die Kreativität verlangen. Wer einfach immer nur gleiche Vorgänge abarbeitet - bei dem ist nichts mit Flow! Wenn alle nur das tun(arbeite) würden , was ihnen Spaß macht, dann blieben die meisten Dinge unerledigt, auf die es jeden tag und jede Stunde ankommt. Die Aufzählung ist fast unendlich: Krankenhaus, Altersheim, Steuerbehörde, Zimmerei, Betongießer, Polizist, Landarbeiter, Pilot u.s.w. ..... Habe ich Recht? Kauri
3. Flatrates
kuhno van oyten 13.06.2012
Zitat von Europas"Flatrates", also pauschales Abgelten aller Überstunden mit dem Grundgehalt, hat das BAG für gewöhnliche Arbeitsverträge als rechtswidrig erkannt. Akzeptabel ist diese Klausel nur, falls die Natur des Arbeitsverhältnis kein normales Angestelltenverhältnis darstellt, also bei nicht zeitbezogener Leistungserbringung oder auch bei finanzieller Beteiligung im Unternehmen; regelmäßig also nur bei oberem Management und Teilhabern.
Ich glaube nicht, dass das richtig ist. Soviel ich weiss, sind alle Arten von außertariflichen Mitarbeitern betroffen. Wer's genauer weiss, kann mich gerne eines Besseren belehren.
4. Mal so, mal so
Positives Denken 13.06.2012
Zitat von mauimeyerDiese Betrachtung mag in Ordnung gehen - aber nur bei Arbeiten, die Kreativität verlangen. Wer einfach immer nur gleiche Vorgänge abarbeitet - bei dem ist nichts mit Flow! Wenn alle nur das tun(arbeite) würden , was ihnen Spaß macht, dann blieben die meisten Dinge unerledigt, auf die es jeden tag und jede Stunde ankommt. Die Aufzählung ist fast unendlich: Krankenhaus, Altersheim, Steuerbehörde, Zimmerei, Betongießer, Polizist, Landarbeiter, Pilot u.s.w. ..... Habe ich Recht? Kauri
Sehe ich - als Kreativer - ähnlich. Gut, die letzten 3 Tage hatte ich eine schöne Zeit: morgens einen Termin besucht, dann nach Hause gefahren, Mittagspause gemacht, anschließend direkt von dort gearbeitet... und um 14 Uhr Feierabend gemacht. Bei voller Bezahlung! Traumhaft! Aber das sieht natürlich nicht immer so aus. Am kommenden Wochenende arbeite ich übrigens durch... und zwar an beiden Tagen je 8 Stunden. Da legen dann die "weniger Kreativen" die Füsse hoch. Und ich neide es ihnen eindeutig nicht!
5. mal so, mal so
happydwarf 13.06.2012
Zitat von sysopDPAHallo Sie! Arbeiten Sie wirklich oder surfen Sie nur? Lesen Sie diesen Text in der Mittagspause oder zwischen 18 und 20 Uhr, wenn es gilt, Anwesenheit zu demonstrieren? Aha, erwischt! Sie sind ein Fossil der Präsenzkultur - und damit in schlechter Gesellschaft, findet Karriereberaterin Svenja Hofert. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,838492,00.html
In einem mir bekannten Unternehmen fing die Betriebsleiterin ebenfalls an, zu kommen und zu gehen, wann sie wollte, oft schon am frühen Nachmittag. Die Mitarbeiter schnupperten die neue Freiheit und die Effektivität ging in den Keller.
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Zur Autorin
Karriereberaterin Svenja Hofert betreibt ein Blog und hat mehr als 25 Bücher geschrieben, darunter das "Slow-Grow-Prinzip. Lieber langsam wachsen als schnell untergehen" und "Am besten wirst du Arzt... Wie Eltern ihren Kindern wirklich helfen".
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Für flexible Arbeitszeiten gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Modellen. Manche werden in vielen Unternehmen, andere nur ausnahmsweise praktiziert. Insgesamt arbeiten gut 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland mit einem solchen Stundenplan. Ein kleines Glossar der modernen Welt der Arbeitszeiten.
Reduzierte Tagesarbeitszeit
Der Klassiker, der kaum Freiräume ermöglicht. Ein Angestellter arbeitet zum Beispiel nur vormittags oder nachmittags. Die Zeitfenster ändern sich nicht.
Reduzierte Wochenarbeitszeit
Eine fast ebenso gängige Variante: Drei- oder Viertagewoche, die übrigen Tage sind frei, und Teilzeitmitarbeiter bestimmen in Absprache mit ihrem Team den freien Tag oft selbst.
Reduzierte Monatsarbeitszeit
Wenig verbreitet: Man verteilt ein Zeitbudget beliebig auf den Kalendermonat. Drei Wochen am Stück arbeiten, eine Woche frei - das geht.
Gleitzeit
Auch "gleitende Arbeitszeit" genannt, bedeutet, dass Beginn, Ende und Dauer der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt sind, sondern zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern verabredet werden. Man unterscheidet "einfache" und "qualifizierte" Gleitzeit. Bei der "einfachen" Gleitzeit wird eine feste "Kernarbeitszeit" und ein "Gleitzeitrahmen" festgelegt, z.B. 7-20 Uhr Gleitzeitrahmen / 10-17 Uhr Kernarbeitszeit. Bei der "qualifizierten" Gleitzeit wird die "Kernarbeitszeit" noch einmal reduziert oder ganz abgeschafft. Vereinbart wird meist eine bestimmte Stundenzahl in der Woche, im Monat oder im Jahr. Die weitere Planung der Arbeitszeit übernimmt der Arbeitnehmer in eigener Verantwortung.
Arbeitszeitkonten
Viele Unternehmen haben mittlerweile Konten eingeführt, auf welchen die Arbeitszeit laut Vertrag, Tarif oder Vereinbarung mit der tatsächlich geleisteten Arbeit verrechnet wird. Besonders bei Modellen wie Gleitzeit oder bei Schichtarbeit werden sie eingesetzt; zudem gibt es meist Vereinbarungen, wie viel "Guthaben" oder "Schulden" auf einem solchen Konto angesammelt werden dürfen.
Sabbatical
Im Sabbatjahr ließen die Bauern Israels, so erzählt das Alte Testament, die Felder ruhen und alle Schulden wurden erlassen. In der Arbeitswelt können Beschäftigte in regelmäßigen Zeiträumen ein bezahltes Sabbatjahr nehmen, wenn sie zum Beispiel Arbeitszeit angespart oder eine Zeitlang Vollzeit für das halbe Gehalt gearbeitet haben.
Jahresarbeitszeit
Streng genommen eine Variante der Gleizeit: Arbeitgeber und Angestellte verteilen in Absprache das Arbeitszeitvolumen eines Betriebs nicht gleichmäßig, sondern flexibel über ein Jahr. Dieses Modell bietet sich dann an, wenn es vorhersehbare saisonale Schwankungen im Arbeitsaufkommen gibt.
Job-Sharing
Ein recht seltenes Modell: Ein, zwei oder auch drei Kollegen teilen sich eine Vollzeitstelle. Wer wann im Büro sitzt, machen sie unter sich aus. Jeder Jobpartner ist im Prinzip für sich selbst verantwortlich. Eine weitere Variante ist das "Job-Pairing", bei dem mehrere Kollegen ein Team bilden, das die Verantwortung, meist für ein weit gestecktes Arbeitsziel oder Projekt, gemeinsam trägt.
Vertrauensarbeitszeit
Dieses Arbeitszeitmodell hat kaum noch mit dem genauen Zeitraum zu tun, der für Arbeit aufgewandt werden muss. Es orientiert sich eher an einem bestimmten Arbeitsziel, einem Produkt zum Beispiel, das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein soll. Bei der Vertrauensarbeitszeit liegt es weitgehend in der Verantwortung des Arbeitnehmers, seine Zeit und seine Arbeit zu organisieren. Überstunden gibt es bei diesem Modell nicht, dafür auch kein Zuspätkommen. Eine vertraglich festgelegte Arbeitszeit aber sehr wohl, sie wird jedoch meist nicht kontrolliert.


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