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Arbeiten in der Skihalle Heiß aufs Eis

Skihalle in Bispingen: Jobben in der Schneefabrik Fotos
SPIEGEL ONLINE

Von Sommertemperaturen auf Minusgrade heruntergekühlt zu werden, das muss man aushalten können. Im Snow Dome von Bispingen ist das ganze Jahr Winter. Im ewigen Eis gibt Kai Hoffmann Ski- und Snowboard-Kurse. Seine Spezialität: Kraxeln am Eisturm mit Steigeisen und Eispickel.

Kai Hoffmann, 23, lässt immer alle hängen. Und das auch noch für Geld. Es bereitet ihm Freude, nicht etwa ein schlechtes Gewissen. Wenn andere im Sommer die Ventilatoren im Büro zurechtrücken, streift sich Hoffmann die Winterhandschuhe über: Er gibt Kurse im Eisklettern in der Skihalle von Bispingen, im Snow Dome an der A7 durch die Lüneburger Heide.

"Das ist echt anstrengend", sagt Jörg Gaedicke, der sich unter Hoffmanns Anleitung gerade am Turm versucht hat. "Beim normalen Klettern merkst du, ob du Halt hast. Aber hier ist das schwierig." Ohne Spezialgeräte geht am Turm gar nichts. Für Halt sorgen Steigeisen zum Umschnallen und Eispickel in der Hand, die an Captain Hook erinnern.

Ein bisschen gefährlich sieht es aus, aber in aller Regel kommen die Kletterfreunde unbeschadet aus dem Kurs. "Wichtig ist, dass man beim Eisklettern immer einen breiten Stand hat", erklärt Hoffmann. Denn sonst können die Steigeisen an den Füßen auch mal zur Gefahr werden: "Wenn man sehr unglücklich tritt, haut man sich das Ding selbst in die Wade, das muss dann auch genäht werden."

Erst im Juni wurde der Eisturm aus einzelnen Eisblöcken zum acht Meter hohen Turm gestapelt. Je nach Anordnung der Quader bietet jede der vier Seiten unterschiedliche Schwierigkeitsstufen. Für besonderes Ambiente sollen eingebaute Kaltlichtdioden sorgen, die den Eisbrocken mit farbigem Licht schmücken.

Für Sommerurlaube ist er "nicht geeignet"

Als Schneesportlehrer gibt Hoffmann auch Ski- und Snowboard-Kurse. Seit April ist er fest angestellt und arbeitete zuvor schon zwei Jahre lang als Aushilfe im Snow Dome. Auf die Bispinger Stelle wurde er zufällig aufmerksam, als er sich auf der Homepage des Snow Domes verklickte: "Ich wollte nur was wegen meines letzten Lehrgangs gucken, dann stand da was von Bewerbungen." Aber im Prinzip war ihm der Job vorbestimmt: Seit seiner Kindheit ist Hoffmann im Skiverein.

Ein günstiges Hobby ist das nicht und auch der Weg zum Skilehrer kostspielig. Kai Hoffmann hat Trainerscheine als Ski- und Snowboard-Lehrer und besucht gerade Lehrgänge, mit denen er sich zum staatlichen Skilehrer fortbildet. Mehrere 10.000 Euro hat ihn das bereits gekostet. "Ich rechne das aber nicht genau auf", sagt Hoffmann. Als staatlicher Skilehrer kann er später selbst eine Skischule eröffnen oder andere Wintersportverrückte zum Trainer ausbilden - erst einmal steigt dadurch aber auch sein Gehalt in der Skihalle.

In diesem Job bekommt er von den Sonnenstrahlen in den Sommermonaten kaum etwas mit. Aber das stört Hoffman nicht. Selbst in seiner Freizeit treibt er sich am liebsten im Schnee rum. "Ich bin für Sommerurlaube nicht geeignet. Ich weiß nicht, was ich da machen soll", sagt er, "die sind stinklangweilig." Nur eines gibt es doch, das sein Interesse am Sommer wecken kann - und auch mit Sport zu tun hat: Surfen. Vor der Skihalle steht ein kleines Wellenbecken, hin und wieder betreut er dort die Surfer.

"Das ist wie finnische Sauna - nur umgekehrt"

Wenn die Angestellten im Sommer von der Skihalle zu den Outdoor-Aktivitäten wechseln, erleben sie enorme Temperaturunterschiede. Drinnen sind es minus vier Grad, draußen manchmal 32. "Das ist wie finnische Sauna - nur umgekehrt", sagt Jörg Beyer, 51. Er kümmert sich um die Hallentechnik im Snow Dome. Der Maschinenraum, von dem aus er den Sessellift im Blick hat, ist nur durch eine Glastür von der Skihalle getrennt und entsprechend kühl.

Als Beyer im August 2006 seinen Job in der Skihalle antrat, waren die Temperaturunterschiede für ihn noch ein Problem. Heute nicht mehr. "Ich glaube, die meisten von uns werden dadurch nicht mehr so schnell krank", sagt er. Schnee-Fanatiker ist er nicht geworden. Für Beyer darf es im Urlaub gern an den Strand gehen. "Du hast das ganze Jahr lang Schnee - das reicht", erzählt er, "ich war dieses Jahr an der Müritz."

Egal ob Liftwarten, Piste-Präparieren oder die Anlagen säubern - die Hallentechniker im Snow Dome haben viele Einsatzbereiche. Beyer kommt das nur zugute. Er hat vier Berufe gelernt, darunter Schlosser und Speditionskaufmann, und sich bewusst für den Job in Bispingen entschieden, als er damals die Annonce entdeckte: "Das war ja was Interessantes. Wer fährt sonst eine Sesselbahn in einer Skihalle?"

Am Lift drängeln sich im Winter bis zu 2000 Leute pro Tag, im Sommer bleibt der Großteil der Sitze leer. An manchen Tagen kommen nicht mal 200 Besucher in die Skihalle. Gegen die Flaute in diesen Zeiten organisiert der Snow Dome seit vier Jahren ein Sommerfest. "Ich genieße es, dass ich hier nicht mit frustrierten Leuten arbeiten muss, sondern die Besucher zu 99 Prozent gute Laune haben", sagt Erik Meyer, der in der Skihalle eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann macht und das neuntägige "Summer Feast" mit geplant hat.

Für Stimmung sorgen soll unter anderem eine vor der Halle aufgeschüttete Schneerampe, die vor allem von den Snowboardern genutzt wird. Beim "Oli-Contest" springen sie über eine Plastikstange, wer die größte Höhe meistert, gewinnt eine Reise - natürlich in ein Skigebiet.

Ein Wiedersehen mit Kursteilnehmern ist selten

Erik Meyer, 26, steht auf ausgefallene Aktionen und hat seine Ausbildung zum Bürokaufmann abgebrochen, um in den Funsport-Bereich einzusteigen. "Ich konnte mich nicht mit dem klischeemäßigen Büroleben identifizieren", sagt er, "das Schöne an meinem Job hier ist die Vielfalt - es muss Abwechslung dabei sein."

Die will Meyer auch den Besuchern bieten. Neben normalen Ski- und Snowboard-Kursen macht er auch manchmal "Kindergeburtstag für Erwachsene", wie Meyer es selbst nennt: kleine Olympiaden; Spiele, die er als Animateur betreut, inklusive Siegerehrung. "Es ist wichtig, dass das mit Spaß rüberkommt", sagt er.

Fortschritte beobachten, Techniken verfeinern, Freundschaften entwickeln - auf all das müssen die Sportlehrer im Snow Dome verzichten. Denn die Kursteilnehmer sind hauptsächlich Urlauber und nur vorübergehend in der Region. "Das sind zum Großteil Leute, die es einfach mal ausprobieren wollen", sagt Hoffmann. Egal ob er Kurse im Eisklettern, Ski- oder Snowboard-Fahren gibt - selten sieht er jemanden wieder.

"Das ist schon schade", so Hoffmann, "aber Gott sei Dank hab ich als Landestrainer noch eine Jugendgruppe." Tröstlich ist für ihn auch die Tatsache, einen ungewöhnlichen Beruf zu haben. "Wo kann man im Sommer schon an einem Turm esklettern?", sagt er über seinen Arbeitsplatz. In Europa ist der Indoor-Eisturm einmalig.

Wer es trotz kräftezehrender Hack- und Hochziehaktionen an dem Turm bis ganz nach oben geschafft hat, muss Hoffmann sein volles Vertrauen schenken: Runterklettern ist nicht, auf Kommando springt der Kletterer nach hinten weg. Dann lässt Hoffmann sie hängen - und am Sicherungsseil geht es langsam nach unten.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Saskia Aleythe (Jahrgang 1986) ist Studentin in Hamburg und arbeitet als freie Journalistin. In Bispingen hat sie zum ersten Mal Wintersport betrieben und sich trotz Höhenangst auf stolze vier Meter am Eisturm gekämpft.

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insgesamt 3 Beiträge
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    Seite 1    
1. Seltsam
fuerst_der_finsternis 12.08.2011
"Am Lift drängeln sich im Winter bis zu 2000 Leute pro Tag, im Sommer bleibt der Großteil der Sitze leer. An manchen Tagen kommen nicht mal 200 Besucher in die Skihalle" Ich dachte eigentlich immer diese Skihallen sind dafür gedacht auch zu schneearmen Zeiten mal einen Hügel runterrutschen zu können. Aber wenn das so ist frage ich mich schon ob sich der immense Aufwand auf bis zu 40 Grad Temperaturdifferenz runterzukühlen für die paar Besucher rechnet....
2. völlig krank
seiwol 12.08.2011
Zitat von sysopVon Sommertemperaturen auf Minusgrade heruntergekühlt werden, das muss man aushalten können. Im Snow Dome von Bispingen ist das ganze Jahr Winter. Im ewigen Eis gibt Kai Hoffmann Ski- und Snowboardkurse. Seine Spezialität: Kraxeln am Eisturm mit Steigeisen, Spikes und Eispickel. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,779683,00.html
Aus sportlicher Sicht ist das ganze mehr als langweilig, ansonsten ist es ein völlig kranker Mist, da muss man immer öfter mühselige Debatten über das Energiesparen und den co2 Ausstoß und so weiter ertragen, gleichzeitig wird Energie für einen derartigen Schei.. verpulvert, krank einfach nur krank.
3. Weg damit...
BadTicket 12.08.2011
Das ist nicht Sport, das ist krank. Unökologischer kann man fast nicht mehr sein, da fehlt jede Verantwortung der Natur gegenüber. Ich selbst liebe Berge, Schnee, Gletscher, Hochtouren, Eis etc., aber bitte alles zu seiner Zeit!
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