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Bewerbung XXL Die größte Stellenanzeige Deutschlands

Jobsuche auf Plakatwänden: "Ich bin nicht der Typ Popcorn-Verkäufer" Fotos
Andreas Fischer

Ralph Knapp aus Wuppertal hat sein Stellengesuch auf Großplakate drucken lassen - weil er als Arbeitsloser mit über 50 Jahren sonst nicht wahrgenommen wird. Am Bahnhof wirbt er nun mit seiner Erfahrung und körperlicher Fitness. Das Interview.

KarriereSPIEGEL: Herr Knapp, Sie haben am Bahnhof in Wuppertal auf zwei Plakatwänden eine Stellenbewerbung veröffentlicht...

(Stimme aus dem Hintergrund): Das Fernsehen ist da!

Knapp: Gerade ist es schlecht. Können Sie vielleicht später noch mal anrufen?

KarriereSPIEGEL: Bei Ihnen ist gerade einiges los.

Knapp: Ja. Dieser Wirbel war nicht abzusehen. Eigentlich wollte ich nur einen Job. Jetzt hat die Zeitung berichtet, das Radio, und gerade ist das Frühstücksfernsehen gekommen.

(später)

KarriereSPIEGEL: Wie kam es zu Ihrem plötzlichen Ruhm?

Knapp: Ich habe im Kino in Wuppertal gearbeitet. Da mein Vertrag auslief, habe ich im Sommer angefangen, mich zu bewerben. Nach 50 Absagen war mir klar, ich muss mit meiner Stellensuche nach draußen. Ich habe mir für zehn Tage zwei Plakatwände gemietet, das kostet 400 Euro. Die Schrift ist schwarz und rot, das Feuerrot war leider aus. Den Text habe ich mir zu Hause selbst überlegt, ein Bekannter hat mir dazu eine Homepage gebastelt.

KarriereSPIEGEL: Nach welchen Kriterien haben Sie die Plätze für die Plakate ausgesucht?

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33  Bilder
Bewerbungen: Wo geht's denn hier zum Job?
Knapp: Ich habe mir vorher mehrere Orte genau angeschaut. Zunächst wollte ich eine Straßenkreuzung nehmen, aber da haben die Menschen nur wenige Sekunden Zeit. Aber der Bahnhof ist ideal: viele Menschen, die auf Züge warten. Und wenn man vor so einem großen Plakat steht, denkt man schon mal: Wow!

KarriereSPIEGEL: Wie schwer ist es in Ihrem Alter, einen Job zu finden?

Knapp: Sehr schwer. Ich kann ja Plakate kleben oder Purzelbäume schlagen, wie ich will, wenn eine Firma mich mit 55 Jahren nicht einstellen möchte, dann kann ich wenig tun. Dabei hat das Alter Vorteile: Ich habe viel Lebens- und Berufserfahrung.

KarriereSPIEGEL: Auf den Plakaten protzen Sie ganz schön. Sie schreiben, dass Sie mit 55 Jahren entspannt 10.000 Meter laufen und einen Halbmarathon planen.

Knapp: Ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann. Wer sich mit Sport auskennt, der weiß: Dafür braucht man Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und muss mit Rückschlägen umgehen können. Alles Dinge, die auch im Beruf von Vorteil sind.

KarriereSPIEGEL: Sie waren die vergangenen Jahre im Kino angestellt. Was haben Sie dort gemacht?

Knapp: Ich war zunächst Filmvorführer und für die Wartung der Projektoren zuständig. Dann habe ich immer mehr Aufgaben übernommen, Einarbeiten der Mitarbeiter, Dienstpläne, Marketing, Programmgestaltung. Durch die Digitalisierung haben sich die Aufgaben verändert, es gibt keine Filmrollen mehr, die neuen Projektoren sind wartungsarm, und die großen Ketten zentralisieren die Organisation ihrer Kinos. Ich habe dort 31 Jahre gearbeitet, aber ich bin nicht der Typ "Popcorn-Verkäufer".

KarriereSPIEGEL: Wenn Sie die Wahl hätten, was würden Sie jetzt am liebsten beruflich machen?

Knapp: Ich habe mich zum Steuerfachangestellten umschulen lassen und würde gern in der Buchhaltung arbeiten. Vielleicht hat ja auch jemand eine andere Idee, die zu meinem Profil passt. Ich bin offen für Vorschläge.

KarriereSPIEGEL: Wie waren die Reaktionen bisher?

Knapp: Ich habe viele E-Mails von älteren Menschen bekommen, die schon lange eine Arbeit suchen. Das sind zum Teil tragische Geschichten, die von einer langen Berufskarriere erzählen und bei Hartz IV enden. Es sind auch schon einige ernstgemeinte Jobangebote dabei und eine negative E-Mail. Dort steht, ich würde die Jüngeren diskriminieren.

KarriereSPIEGEL: Na ja, Sie sagen, im Gegensatz zu jüngeren Arbeitnehmern seien Ihre Fehltage nicht so hoch, weil die Montagskrankheit wegfällt.

Knapp: Das ist vielleicht etwas provokant formuliert. Ich möchte mir auch nicht anmaßen, über jüngere Arbeitnehmer zu urteilen. Sagen wir es mal so: Ich habe viele Jahrzehnte Berufserfahrung und kein Problem damit, um 5 Uhr morgens aufzustehen.

Das Gespräch führte Jonas Leppin

Zur Person
  • Ralph Knapp, 55, lebt in Wuppertal. Er hat eine Ausbildung als Maschineneinrichter und Steuerfachangestellter. Fast 31 Jahre hat er im Kino gearbeitet und sich dort in 20 Weiterbildungsmaßnahmen Kompetenzen für Filmvorführungen, Mitarbeiterführung und Marketing erworben. Seit dem 1. Oktober 2013 sucht er eine neue Arbeitsstelle.

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insgesamt 137 Beiträge
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1.
mmueller60 30.10.2013
Also, ein Germanist wird aus ihm nicht. (Und er kennt wohl auch keinen.) Aber viel Glück natürlich trotzdem!
2. Mei
amber25 30.10.2013
Zitat von sysopAndreas FischerRalph Knapp aus Wuppertal hat sein Stellengesuch auf Großplakate drucken lassen - weil er als Arbeitsloser über 50 Jahren sonst nicht wahrgenommen wird. Am Bahnhof wirbt er nun mit seiner Erfahrung und körperlicher Fitness. Das Interview. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arbeitsloser-sucht-mit-plakaten-einen-job-a-930786.html
...mei ist das traurig. Wieso stellt denn niemand ältere Menschen ein? Ich verstehe diese Altersdiskrimnierung überhaupt nicht!
3. Arbeitgeber wollen aber Leute, die jung und dumm sind.
smithyk 30.10.2013
Früher galt es als schick, so werden zu wollen wie Einstein: Alt und weise. Heute ist es das Gegenteil. Im Zeitalter des Jugendwahns gilt es als schick jung und damit unerfahren und entsprechend dumm zu sein. Ich habe es selbst erlebt: Junge Leute machen entweder aus Unerfahrenheit, oder weil sie sich eine Karriere erhoffen so ziehmlich alles mit. Sei es unbezahlt arbeiten (nach dem Ausloggen wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren, sich für die Mitagspause abmelden, aber trotzdem weiterarbeiten usw. ). Junge Leute lassen sich für wenig Geld total zum Affen und Volltrottel machen. Es reicht, wenn man einer Gruppe junger Leute verspricht, dass sie die Chance hätten, einmal Teamleiter zu werden. Dann fangen sie an, sich gegenseitig an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit zu treiben - und das für einen prekären Lohn. Es ist genau diese Unerfahrenheit und Naivität, die Arbeitgeber ausnützen wollen. Erfahrene Leute, die auch ein gewisses Selbstbewußtsein haben und sich nicht bedingungslos zum Affen machen lassen sind da weniger gefragt.
4.
Oskar ist der Beste 30.10.2013
Zitat von sysopAndreas FischerRalph Knapp aus Wuppertal hat sein Stellengesuch auf Großplakate drucken lassen - weil er als Arbeitsloser über 50 Jahren sonst nicht wahrgenommen wird. Am Bahnhof wirbt er nun mit seiner Erfahrung und körperlicher Fitness. Das Interview. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arbeitsloser-sucht-mit-plakaten-einen-job-a-930786.html
es ist also immer noch so krank in Deutschland mit dem lächerlichen Jugendwahn, was in anderen Ländern eine Diskriminierung darstellt, wird in Deutschland als vernünftiges Personalmanagement verkauft. Und zu allem Überdruß wird das Renteneintrittsalter auch noch auf 67 fixiert, wo doch schon jemand über 50 keinen Job findet.
5. Ich wünsche allen älteren
ReneMeinhardt 30.10.2013
Arbeitssuchenden viel Glück. Und den sogenannten Wirtschaftswissenschaftlern, die die Rente ab 70 fordern, dass sie es uns erst vorzeigen, wie es richtig geht - und zwar im produzierenden Gewerbe, nicht im Labergewerbe.
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