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Arbeitsrecht Lauschangriff auf den Chef führt zur Kündigung

Handy als Wanze im Personalgespräch: Achtung, Band läuft! Zur Großansicht
DPA

Handy als Wanze im Personalgespräch: Achtung, Band läuft!

Wer ein Personalgespräch heimlich mitschneidet, kann fristlos entlassen werden. Das entschied das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz. Eine Sekretärin hatte versucht, sich mit einer Tonaufnahme gegen Mobbing zu wehren. Die Richter schlagen einen anderen Weg vor.

Wenn Aldi, Amazon und Kik ihre Mitarbeiter überwachen, schreien Betriebsräte wie Gewerkschaften auf - und geklagt wird in der Regel auch gegen die Unternehmen. Aber andersherum ist Kontrolle genauso verboten, wie jetzt das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz entschieden hat: Nehmen Arbeitnehmer ein Personalgespräch mit dem Chef heimlich auf Band auf, müssen sie mit einer fristlosen Kündigung rechnen (Aktenzeichen: 5 Sa 687/11).

Im vorliegenden Fall hatte eine Sekretärin ein Personalgespräch mit ihrem Vorgesetzten heimlich per Handy aufgezeichnet. Hinterher informierte sie den Arbeitgeber über die Aufnahme und drohte damit, sie zu veröffentlichen. Daraufhin kündigte der Arbeitgeber der Mitarbeiterin außerordentlich und fristlos.

Und das zu Recht, wie die Richter urteilten. Arbeitnehmern sei es grundsätzlich verboten, zu einem Personalgespräch heimlich ein aufnahmebereites Gerät mitzubringen. Das Vertrauensverhältnis sei damit unwiederbringlich zerstört, eine weitere Zusammenarbeit unmöglich.

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Schon vor der Unterredung war das Verhältnis zwischen der Assistentin und ihren Kollegen erheblich gestört. Unter anderem beklagte sie sich wiederholt über sexuelle Belästigung und Mobbing. So hätten Kollegen unter ihrem Namen und mit ihrem Foto eine Pornoseite im Internet veröffentlicht.

Die Assistentin hatte nach der fristlosen Kündigung im Jahr 2011 gegen ihren Arbeitgeber geklagt, war allerdings abgewiesen worden (Aktenzeichen: 1 Ca 744/11). Daraufhin hatte sie vor dem Landesarbeitsgericht Berufung eingelegt.

Mit dem neuen Urteil schlug das Gericht als Alternative vor, dass sich Angestellte zu Personalgesprächen von einem Betriebsratsmitglied oder einem Anwalt begleiten lassen. Das dürfe der Arbeitgeber nicht verweigern.

dpa/hae

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insgesamt 52 Beiträge
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1.
kaffeina 25.03.2013
Bravo. Ganz im Ernst, Privatsphäre ist ein kostbares gut geworden, seitdem mittlerweile jedes Handy eine Kamera und ein Diktiergerät in einem sind, da sollte man sich auch auf Arbeit nicht alles gefallen lassen.
2. Keine Chance
eigene_meinung 25.03.2013
Welche Chance hat ein Arbeitnehmer denn sonst, sich gegen Mobbing durch die Vorgesetzten zu wehren? Bei Anwesenheit eines Betriebsrates oder eines Rechtsanwalts wird sich ein Chef sicher zurückhalten und keine Aussagen oder körperlichen Angriffe gegen den Untergebenen machen.
3. Weltfremd
genugistgenug 25.03.2013
---Zitat--- Mit dem neuen Urteil schlug das Gericht als Alternative vor, dass sich Angestellte zu Personalgesprächen von einem Betriebsratsmitglied oder einem Anwalt begleiten lassen. Das dürfe der Arbeitgeber nicht verweigern. Arbeitsrecht: Arbeitnehmer dürfen keine Gespräche mitschneiden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arbeitsrecht-arbeitnehmer-duerfen-keine-gespraeche-mitschneiden-a-890780.html) ---Zitatende--- Wie weltfremd oder nur eine Scheinmöglichkeit um die Gretchenfrage 'Wie soll man so was sonst beweisen?' zu umgehen Betriebsrat - welches Unternehmen hat noch einen Betriebsrat? Anwalt - klasse und wer zahlt? Ganz davon abgesehen dass solche Kommentare nur unter vier Augen fallen.
4. Weltfremdes Urteil
bolzenbrecher 25.03.2013
Wie üblich wurde im Sinne der Arbeitgeber entschieden. Man hat bei Mobbing nur die Möglichkeit, dem Job zu wechseln. Damit ist das deutsche Kündigungsschutzrecht nicht einmal das Papier wert, auf dem es gedruckt ist. Wieder einmal (nach dem dem berühmten "Whistleblower-Urteil") haben deutsche Arbeitsrichter nur bewiesen, was sie von einem ausgeglichenen Verhältnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber halten. Genauso gut könnte man von einem Erschossenen verlangen, den Beweis seiner Ermordung zu verlangen. Der Gesetzgeber wird nicht handeln. Daher sollten sich qualifizierte Arbeitnehmer auf die Suche nach einem Land machen, dass Arbeitnehmer, wie Menschen behandelt. Es stehen innerhalb Europas massenhaft Länder zur Auswahl, die bessere Bedingungen bieten.
5.
Plasmabruzzler 25.03.2013
Auch wenn das für die angeblich benachteiligte Frau bitter ist: richtig so (in der Sache). Drehen wir den Spieß einmal um: wenn man jedes Gespräch mitzeichnen würde oder andere (audio/visuelle) Aufzeichnungen ständig gegen jemanden nutzen könnte, müsste man sehr wohl jedes Wort abwägen, das man von sich gibt. Eine kleine unbedachte Bemerkung über eine Kollegin / über einen Kollegen könnte dann schon als Verleumdung/Rufmord (oder wie Juristen es nennen mögen) vor Gericht landen. Wollen wir so was wirklich? Und mit der heutigen Technik ist es ja kein großes Problem mehr.
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