• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Erreichbarkeit im Urlaub Sendepause für den Boss

Kein Empfang: Ist der Urlaub erst genehmigt, sitzt der Chef am kürzeren Hebel Zur Großansicht
DPA

Kein Empfang: Ist der Urlaub erst genehmigt, sitzt der Chef am kürzeren Hebel

Muss man im Urlaub für die Firma ständig erreichbar sein? Nein - nicht einmal dann, wenn es im Vertrag steht. Ohnehin sind die freien Tage im Jobleben rechtlich gut geschützt. Es sei denn, Arbeitnehmer machen leichtfertig Zugeständnisse.

"Dieser Teilnehmer ist vorübergehend nicht erreichbar..." Arbeitnehmer müssen in den Ferien nicht ständig ein Ohr für Anrufe ihres Chefs haben. "Viele Angestellte bieten das in der Praxis freiwillig an", sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Der Arbeitgeber kann es aber nicht verlangen - auch nicht von besonders wichtigen Mitarbeitern. Nach dem Bundesurlaubsgesetz müssen Angestellte an ihren freien Tagen von der Arbeit ganz entbunden sein.

Das ist sogar dann so, wenn im Arbeitsvertrag geregelt ist, dass der Arbeitnehmer in den Ferien erreichbar sein muss. Denn solche Klauseln sind unzulässig, erklärt Oberthür. Etwas anderes gilt nur dann, wenn Mitarbeiter mehr Urlaubstage als das gesetzliche Minimum haben. Nach dem Bundesurlaubsgesetz stehen jedem Mitarbeiter mindestens 20 Urlaubstage zu. An allen zusätzlichen, vom Arbeitgeber freiwillig gewährten Tagen kann es Sonderregeln geben. Dann darf der Chef auch eine ständige Erreichbarkeit verlangen.

Ändert sich in der Firma plötzlich die Auftragslage, kann der Chef seine Angestellten auch nicht zwingen, seine freien Tage zu verschieben. Das gilt zumindest dann, wenn er den Urlaub vorher schon verbindlich festgelegt und einen Urlaubsantrag genehmigt hat. "Danach sind Änderungen nur noch im gegenseitigen Einvernehmen möglich", erklärt Oberthür.

Verschiebt der Arbeitnehmer freiwillig seinen Urlaub, kann er den Arbeitgeber bitten, bereits entstandene Kosten - etwa Anzahlungen im Hotel - zu übernehmen. Einen Anspruch darauf haben Mitarbeiter aber nicht. Sie sollten deshalb die Verschiebung der Ferien davon abhängig machen, ob der Vorgesetzte die Kosten übernimmt, rät Oberthür. Viele Arbeitgeber zahlen aus Kulanz nicht nur die Stornierungskosten - sie bieten häufig als Entschädigung noch einen zusätzlichen Urlaubstag an.

Kristin Kruthaup, dpa/mamk

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Erreichbarkeit kein
holdensturm 01.06.2013
Das mag sein, jedoch ist die Erwartungshaltung in einer Firma, die jemanden schon im Arbeitsvertrag dazu verpflichtet, im Urlaub erreichbar zu sein, eindeutig. Und wenn ich das richtig verstehe, sogar in gewisser Weise erlaubt, wenn man mehr als 20 Urlaubstage im Jahr hat. Von daher scheint der Gesetzgeber hier mehr Schein als Sein installiert zu haben und den Arbeitnehmerschutz nicht ganz so ernst zu nehmen, was sich auch in allerhand anderen aktuellen Maßnahmen zur "Entrechtung" der Arbeitnehmer in Deutschland zeigt. Jedenfalls ist es nicht empfehlenswert, sich der Erwartungshaltung des Arbeitgebers zu entziehen, denn sonst ist man seine Position (natürlich aus anderen Gründen - und es lassen sich IMMER welche finden) los und kann sich nach etwas neuem umgucken. Traurig, aber wahr! Deutschland macht auf Druck der "Globalisierung" gewaltige Rückschritte...
2.
Stäffelesrutscher 01.06.2013
Die Fachanwältin für Arbeitsrecht und die Autorin hätten ruhig erwähnen dürfen, dass Urlaubstage jenseits der 4 gesetzlichen Wochen (24 Werktage; bei 5-Tage-Woche umgerechnet 20 Tage) nicht unbedingt freiwillige Geschenke des Chefs sind. Es gibt nämlich auch so etwas wie Tarifverträge, in denen mehr Urlaub drinsteht, es gibt Sonderurlaub für Schwerbehinderte, ... Und wenn es in der Firma einen Betriebsrat gibt, dann hat der ein Wörtchen mitzureden bei der Urlaubsplanung. Dann genehmigt nicht der Chef, sondern beide, das heißt: Ist der Kollege nicht damit einverstanden, dass der Chef seinen Wunschtermin nicht akzeptiert, wird nach einer Lösung gesucht. Die Hürden für das Heimholen des Mitarbeiters aus dem Urlaub sind deutlich höher als hier beschrieben. "Müller, wir haben einen Auftrag reinbekommen", reicht nicht. Das muss schon was in der Größenordnung "Müller, die ganze Abteilung ist an Salmonellen erkrankt, Sie sind der einzige, der das Projekt retten kann" sein.
3. Soweit die Theorie...
privado 01.06.2013
Zitat von sysopDPAMuss man im Urlaub für die Firma ständig erreichbar sein? Nein - nicht einmal dann, wenn es im Vertrag steht. Ohnehin sind die freien Tage im Jobleben rechtlich gut geschützt. Es sei denn, Arbeitnehmer machen leichtfertig Zugeständnisse. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arbeitsrecht-immer-erreichbar-im-urlaub-a-903155.html
Aber in der realen Arbeitswelt sieht es doch anders aus: Mein Chef sagte mir immer bevor ich meinen wohlverdienten Urlaub antrat: "Ich gehe davon aus, dass Du einmal am Tag Deine mailbox abhörst und ggfls. zurückrufst". Natürlich kann man sich dem irgendwie verweigern, aber dann ist es halt vorbei mit der Karriere und der Kollege wird befördert. So ist nunmal die Realität, da helfen alle Gesetze gar nix.
4.
mustafa20 01.06.2013
Zitat von sysopDPAMuss man im Urlaub für die Firma ständig erreichbar sein? Nein - nicht einmal dann, wenn es im Vertrag steht. Ohnehin sind die freien Tage im Jobleben rechtlich gut geschützt. Es sei denn, Arbeitnehmer machen leichtfertig Zugeständnisse. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arbeitsrecht-immer-erreichbar-im-urlaub-a-903155.html
Wen würde man wohl selbst in seiner Firma anstellen?
5.
Wololooo 01.06.2013
Mir stellt sich die Frage, was passiert, wenn man dienstliche Emails im Urlaub liest oder die Mailbox abhört und sich dabei verletzt? Die Krankenkasse verweist auf einen Arbeitsunfall und die Genossenschaft auf den genommenen Urlaub. Haftet der Arbeitgeber dann für den Unfall?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Spaß im Büro - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Reisebüro-Mitarbeiter auf Reisen: Wo die Profis Urlaub machen
Verwandte Themen


Fotostrecke
Endlich Urlaub: Abschalten!

Social Networks