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Wochenstunden Jeder Zehnte ist unzufrieden mit seiner Arbeitszeit

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Corbis

Arbeitszeit: Darf's ein bisserl mehr sein?

Viele Deutsche würden gerne länger arbeiten. Betroffen sind vor allem Teilzeitkräfte, die aufstocken möchten, aber nicht dürfen.

Deutsche Arbeitnehmer wollen mehr Wochenstunden arbeiten - so kann man Zahlen zusammenfassen, die das Statistische Bundesamt gerade veröffentlicht hat. Denn erfüllt man alle Arbeitszeitwünsche, die in diese Auswertung von Daten aus dem Jahr 2014 eingeflossen sind, dann arbeiten alle im Durchschnitt 0,6 Stunden mehr pro Woche - rein rechnerisch.

Die gewöhnlich geleistete Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen beträgt demnach 35,7 Stunden im Durchschnitt. Damit sind nicht die vertraglich vereinbarten Stunden gemeint: Macht ein Arbeitnehmer regelmäßig Überstunden, um sein Pensum zu schaffen, geht das in diese Zahl mit ein. Außerdem sind Haupt- und Nebentätigkeiten berücksichtigt.

90 Prozent der 39,7 Millionen Erwerbstätigen möchten die Wochenarbeitszeit nicht ändern, aber 2,9 Millionen Erwerbstätige (7,3 Prozent) sehen sich als unterbeschäftigt an und würden gerne aufstocken, während 0,9 Millionen (2,3 Prozent) lieber weniger arbeiten wollen.

Bei diesen Veränderungswünschen würde sich immer auch das Gehalt entsprechend mitändern. Wer aufstockt, bekäme mehr Geld. Damit wird die grundsätzliche Debatte, ob Arbeitnehmer fürs gleiche Geld weniger arbeiten sollten, von dieser Statistik nicht berührt: Fragt man Arbeitnehmer, ob sie weniger arbeiten wollen ohne auf Geld zu verzichten, dürfte die Zustimmung sehr groß sein. Die Forderung wird von diversen Experten erhoben, die unter anderem argumentieren, die Wirtschaft würde von so einem Trend profitieren, weil ihre Mitarbeiter in der kürzeren Zeit produktiver und kreativer wären.

Frauen in Teilzeit wollen mehr arbeiten

Erwerbstätige in Teilzeit kommen auf eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 19,5 Stunden. Vor allem unter Teilzeitlern ist der Wunsch nach einer Erhöhung groß: Sie wollen ihre Wochenarbeitszeit um durchschnittlich 14,7 Stunden erhöhen. In dieser Gruppe ist der Frauenanteil besonders hoch. Dabei dürfte es sich häufig um berufstätige Mütter handeln, die nach der Geburt ihrer Kinder in Teilzeit in den Beruf eingestiegen sind, dann aber nicht ohne weiteres ihre Arbeitszeit erhöhen können. Die Gruppe der überbeschäftigten Arbeitnehmer würde im Schnitt gerne 11,1 Stunden pro Woche weniger arbeiten.

Erst vorige Woche meldete der Deutsche Gewerkschaftsbund eigene Umfrageergebnisse, wonach mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer Überstunden macht. Besteht da ein Widerspruch zu diesen Zahlen? Nicht unbedingt: Wie weit die angegebenen Arbeitszeiten über denen liegen, die die Arbeitnehmer mit ihren Chefs vereinbart haben, geht daraus nicht hervor. Über Stress und Arbeitsverdichtung in den Anwesenheitsstunden sagt die Statistik nichts. Und die durchschnittliche Stundenzahl von 35,7, die auf den ersten Blick niedrig erscheint, enthält eben auch die Arbeitszeiten der vielen Teilzeitangestellten in Deutschland.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag aus unserer Arbeitsrechtsdatenbank: Wie viele Überstunden sind erlaubt?

mamk

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insgesamt 15 Beiträge
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1. Ich würde gerne weniger arbeiten
Sibylle1969 15.02.2016
Ich arbeite Vollzeit mit einem 40-Stunden-Vertrag, real sind es meist zwischen 42 und 44 Stunden. Länger wirds normalerweise nur, wenn Geschäftsreisen anfallen. Das ist derzeit besser als in fast allen früheren Jobs. Trotzdem würde ich gerne weniger arbeiten. Mein Wunsch wäre es, ca. 32 Stunden pro Woche an 4 Tagen zu arbeiten. Alternativ könnte man mich mit mehr Urlaub locken. Ich reise für mein Leben gern und würde auch gerne mal 6 Wochen oder 2-3 Monate am Stück verreisen. Ich habe 33 Tage Jahresurlaub, mir gehts also schon mal gar nicht so schlecht. Aber ich habe so viele Reisewünsche, dass ich damit nicht bis zur Rente warten will.
2.
niska 15.02.2016
Nur 2,3% wollen weniger Arbeiten? 90% zufrieden? Dass die freie Wirtschaft, in der die doppelte 40-Stundenwoche zum Gehalt der 20-Stundenwoche vorausgesetzt wird, nur 2,3% ausmachen soll, ist wenig glaubhaft.
3. Ich gebe gerne was ab!
somon 15.02.2016
Ich arbeite in einem Krankenhaus. Vertrag: 40h / Woche. Dazu kommen s.g. Bereitschaftsdienste. Der Name ist aber ein Hohn, wie auch diese Dienste: 1. arbeiten wir die durch (24h) und 2. ist IMMER Anwesenheitspflicht. Bezahlt werden aber pauschal nur 25%. Und dieses Vorgehen ist absolut legal! Ich arbeite im Schnitt 60h / Woche - bezahlt werden aber nur 50! Wer was von den übrigen 10h abhaben will kann sich gerne im örtlichen Krankenhaus vorstellen, dort gibts garantiert solche armen Schweine! Aber VORSICHT: bitte nicht in der Verwaltung oder bei den Chefärzten nachfragen - die wissen von der Problematik "garantiert" nichts!
4. hä?
doedelf 15.02.2016
"Deutsche Arbeitnehmer wollen mehr Wochenstunden arbeiten " und "Viele Deutsche würden gerne länger arbeiten". Aber für 90 % passt es - hey, auch wenn die Wirtschaft sich das wünscht, könntet ihr es bei den Realitäten belassen anstatt Statistik bingo bongo Texte zu verteilen.
5.
Rayleigh 16.02.2016
Eigentlich sollte der Trend zu geringerer Arbeitszeit bei gleichem Gehalt gehen. Eigentlich... Ich selbst arbeite in einem Bürojob mit 40 Std. Arbeitszeit/Woche. Die meisten Kollegen haben den selben Arbeitsvertrag. Niemand will "aufstocken", zumal die Firmenleitung eh nicht mehr Gehalt zahlen will. Überstunden sammeln wir alle an, einen Ausgleich (Geld/Frei) gibt es nicht.
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