Mehr arbeiten während des Booms, Überstunden abfeiern bei Auftragsflauten - dieses Prinzip wird zum Normalfall in den Unternehmen. Inzwischen hat jeder zweite Beschäftigte ein sogenanntes Arbeitszeitkonto, so das Ergebnis einer neuen Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Vor 20 Jahren habe das erst für jeden vierten der westdeutschen Arbeiter und Angestellten gegolten. Auch die die Ost-West-Unterschiede seien inzwischen verschwunden.
Nach Einschätzung von IAB-Arbeitsmarktforscherin Ines Zapf profitieren von Arbeitszeitkonten sowohl die Beschäftigten als auch die Betriebe. Die Arbeitnehmer gewännen so an Flexibilität, sie könnten leichter Familie und Beruf vereinbaren. Und Unternehmen falle die Reaktion auf die Auftragslage leichter: Sie können Auftragsspitzen ohne bezahlte Überstunden abfeiern - eine Praxis, die in vielen Firmen die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise abgefedert hatte.
Meist Freizeitausgleich für Überstunden
Deutlich gesunken ist daher die Zahl der bezahlten Überstunden. 1991 waren es laut IAB im Durchschnitt 1,2 pro Woche, mittlerweile weniger als eine Stunde pro Woche. In der Wirtschaftskrise sei der Wert im Jahr 2009 sogar auf 0,7 Überstunden pro Arbeitnehmer und Woche abgerutscht.
Der IAB-Studie zufolge ist der Anteil der Überstunden, die regelmäßig durch Freizeitausgleich "abgefeiert" werden, im letzten Jahrzehnt leicht gestiegen (auf 49 Prozent im Jahr 2009). Zehn Prozent werden stets bezahlt, bei 22 Prozent ist es mal Freizeitausgleich, mal Bezahlung. Hinzu kommen indes rund 18 Prozent Überstunden, die gar nicht abgegolten werden. Über den Umfang der unbezahlten Mehrarbeit insgesamt lagen keine zuverlässigen Angaben vor. In der Regel setzen Experten die Zahl der bezahlten und unbezahlten Überstunden etwa gleich hoch an.
Neben den Arbeitszeitkonten, auf denen Überstunden angesammelt und abgebaut werden, gibt es eine Reihe weiterer Modelle, die sich am Bedarf der Unternehmen orientieren - oder die den persönlichen Wünschen der Angestellten weit entgegenkommen. Dazu zählen zum Beispiel Gleitzeitregelungen und die "Vertrauensarbeitszeit".

dpa/jol
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL | RSS |
| alles aus der Rubrik Berufsleben | RSS |
| alles zum Thema Flexibel arbeiten - KarriereSPIEGEL | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH