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Arbeitszeugnis im Test Nichts als Lyrik und Chichi

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DDP

Symbolbild: Arbeitszeugnis unter der Lupe

"Schrecklich" und "desaströs" - Bewertung durch einen Karrierecoach

Bewertung von Jürgen Hesse, Diplom-Psychologe und Geschäftsführer des Büros für Berufsstrategie Hesse/Schrader

Schon das späte Ausstellungsdatum (fast einen Monat nach dem Ausscheiden) sowie die kurze Verweildauer im Unternehmen (zwei Jahre bei einem Mittdreißiger) erschrecken. Obwohl der Unterzeichnende klar ausgewiesen ist, vermittelt das einen schlechten ersten Eindruck.

Selbst wenn der Rest schön geschrieben ist - das sind schlimme Boten. Ich würde das mit einem Herrn vergleichen, der Smoking und Fliege trägt, aber Sandalen ohne Strümpfe und im Gesicht einen Nasenring. Da kann man nun nicht mehr von Eleganz sprechen.

Hinzu kommt eine Abschlussformulierung, die kein Dank, kein Bedauern und nur ganz magere Zukunftswünsche enthält. Die Formulierung "Für seine private und berufliche Zukunft wünschen wir..." wirkt bildlich gesprochen so attraktiv wie fette Bauernstampfer in Nylons mit dicker Laufmasche. Im Verabschiedungsabsatz gehören die "beruflichen" immer vor die "privaten" Wünsche!

Auch in der Aufgabenbeschreibung kulminiert der negative Eindruck des Desaströsen. Hier sind unwichtige Aufgaben vor wichtigen genannt. Einfache Tätigkeiten wie die PC Office-Vernetzung sind überflüssige Lückenfüller. Zudem folgte fünf Monate nach dem Aufstieg zum Senior-Berater der Ausstieg aus dem Unternehmen, was deutlich auf ein Scheitern in der neuen Position hinweist.

Sehr erstaunlich zudem die ausführliche und geschwätzige neunzeilige Selbstdarstellung des Unternehmens. Wem das schadet? Letztlich dem Beurteilten. Er hätte um mehr Rücknahme bitten sollen.

Insgesamt ein schreckliches Beurteilungsdokument.

Eine berufliche Katastrophe!

Gesamtnote: 4-

  • Anja Tiedge (Jahrgang 1980) arbeitet als freie Journalistin in Hamburg.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Arbeitszeugnisse sind ein Relikt aus grauer Vorzeit
Dunedin 04.04.2011
Es wird Zeit das dieser Schwachsinn mit den Zeugnissen endlich abgeschafft wird. Wie im Artikel richtig zu lesen war, können falschgeschriebene, bzw. anschließend falsch interpretierte Zeugnisse ganze Karrieren zerstören, bzw. gute Mitarbeiter diskreditieren. Wer sich als Mitarbeiter damit vertraut macht, wird immer darauf achten, das sein zeugnis ziwischen mittelprächtig und gut, aber niemals sehr pendelt. Alles andere ist zu auffällig und entweder schreibt man sich die Zeugnisse selber, oder aber man klagt sich das richtige Zeugnuis zurecht. In keinem Falle steht die tatsächlich erbrachte Leistung im Vordergrund, statt dessen werden evtl. Rachebewertungen, oder auch die Unfähigkeit von Vorgsetzten die Zeugnisse schreiben müssen, am Ende kompensiert.
2. Nicht nur das Arbeitszeugnis...
flower power 04.04.2011
Der ganze HR - Bereich hat sich in die Luft gewagt und kommt nicht mehr herunter. Unfähige Sachbearbeiter - sog. Personalreferenten - und mit Weisheit und Pseudo-Menschenkenntnis ausgestattete sog. HR - Psychologen wollen besser sein als die vergleichbare med. Grundkenntnis. Ich staune. Was da ein Quatsch verzapft wird, unglaublich. Wie kann eine 26 jährige oder ein 27 jähriger HR´ler die gewonnene Erfahrung einsetzen? Wenn er keine besitzt, geht das halt nicht. Der HR - Bereich ist zum Spielplatz für Möchte-Gern-Napoleon´s geworden. Tools helfen ihnen dabei. Gesucht wird immer der, oder die Anpassungsfähigen mit 20 Jahre Erfahrung, davon 10 Jahre bei einem ausländischem Weltkonzern ( warum sollte man denn vom dem wegwollen ? ) und 4 Fremdsprachen vertragssicher, dazu ein naturwissenschaftl. und ein wirtschaftswissenschaftl ( bekommt ja geschenkt! ) Studium, natürlich nur an den besten Unis, 100 % Flexibilität, top-Model-Aussehen ( egal ob weibl. oder auch männl. ) und die Bereitschaft auch Sa und So zu arbeiten. Dazu sollten die Bewerber stromlinienfähig in das Life-style passen, und funktionierende Netzwerke vorweisen können. Nochmal : Ein schwarzes Pferd ist kein Schimmel.
3. Nicht nur das Arbeitszeugnis...
flower power 04.04.2011
Der ganze HR - Bereich hat sich in die Luft gewagt und kommt nicht mehr herunter. Unfähige Sachbearbeiter - sog. Personalreferenten - und mit Weisheit und Pseudo-Menschenkenntnis ausgestattete sog. HR - Psychologen wollen besser sein als die vergleichbare med. Grundkenntnis. Ich staune. Was da ein Quatsch verzapft wird, unglaublich. Wie kann eine 26 jährige oder ein 27 jähriger HR´ler die gewonnene Erfahrung einsetzen? Wenn er keine besitzt, geht das halt nicht. Der HR - Bereich ist zum Spielplatz für Möchte-Gern-Napoleon´s geworden. Tools helfen ihnen dabei. Gesucht wird immer der, oder die Anpassungsfähigen mit 20 Jahre Erfahrung, davon 10 Jahre bei einem ausländischem Weltkonzern ( warum sollte man denn vom dem wegwollen ? ) und 4 Fremdsprachen vertragssicher, dazu ein naturwissenschaftl. und ein wirtschaftswissenschaftl ( bekommt ja geschenkt! ) Studium, natürlich nur an den besten Unis, 100 % Flexibilität, top-Model-Aussehen ( egal ob weibl. oder auch männl. ) und die Bereitschaft auch Sa und So zu arbeiten. Dazu sollten die Bewerber stromlinienfähig in das Life-style passen, und funktionierende Netzwerke vorweisen können. Nochmal : Ein schwarzes Pferd ist kein Schimmel.
4. Und mit dem "Anti-Diskriminierungsgesetzt"...
Lt.Gen.Patton 04.04.2011
hat dieser Irrsinn seinen vorläufigen Höhepunkt im Berwebungszirkus erreicht! Dem Instrument der Probezeit, welches für beide Parteien absolut Sinnvoll und deshalb auch mit Sonderkündigungsrechten behaftet ist, sollte wieder die notwendige Aufmerksamkeit geschuldet werden.Maximal sechs Monate, um einen "Probanten" auf "Herz und Nieren" on the Job zu testen sind allemal besser, als diese verlogene und falsche Geheimsprache der Arbeitszeugnisse die, wie ja in dem Test deutlich wurde, auch noch unterschiedlich bewertet wurde!
5. Das leidige Übel - der Coach
watermark71 04.04.2011
Viel spannender ist doch die aus dem Rahmen fallende Einschätzung des Karriere Coach. Das ist eine völlig überflüssige Klientel, die schon mal per se gegen alles sein muss. Nur so rekrutiert man Kunden. Mag sein, dass Arbeitszeugnisse inzwischen überflüssig sind. Aber Coaches im allgemeinen und besonderen sind es garantiert. Wenn man meint einen zu benötigen hat man schon verloren.
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