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Artistische Haarschnitte "Es darf nicht so friseurig aussehen"

Extravagante Frisuren: Kunst am Haupt Fotos
L'ORÉAL PROFESSIONNEL / M.Wittig

Cut & Co in der Mittagspause oder Luxus-Stylist? Wer als Coiffeur groß herauskommen will, muss mehr können als einen Pony korrekt zu kürzen. An einer Berliner Uni sollen aus Haarschneidern "artistische Friseure" werden. Danach kehren sie in ihren alten Salon zurück.

Sehr viel öfter als die Schere hat Frisörin Anna Mohr derzeit den Kugelschreiber in der Hand. Sie sitzt in der Vorlesung "Was ist ein Trend?" und schreibt fleißig mit. Der Dozent wirft eine Power-Point-Präsentation an die Wand. Statt der berüchtigten Tortendiagramme erscheinen Modefotos aus Hochglanzzeitschriften an der Wand, statt Balkengrafiken gibt es die Herbst- und Winterkollektion von Gucci, Prada und Co. Erste Lektion: Aktuelle Mode- und Haartrends erkennen. Mit der Königsklasse wird hier eingestiegen.

Anna Mohr geht mit viel Eifer an die zehntägige "artistische Friseurausbildung". "Ich weiß im Frisöralltag manchmal gar nicht, wohin mit meiner Kreativität. Hier lerne ich, Struktur rein zu bekommen." Die 22 Teilnehmer sollen sagen, was ihnen an den Modeaufnahmen an der Wand auffällt. Dozent Sebastian Fischenich, ein "Creative Director im Luxussegment Mode, Parfum und Kosmetik", zeigt mit dem Laserpointer auf den Übergang von Frisur und Outfit: "Bei Jil Sander gibt es eine schmale, grafische Silhouette. Ähnlich wie bei Prada. Gucci ist das eher traditionell, und bei A. Vandevorst lösen sich die Formen auf." Fragen? Keine.

Er klickt weiter. Es fallen Worte wie "zeitlos", "modern", "proportioniert". "Wenn ich mir Eure Frisuren anschaue", sagt er zu den Teilnehmern, "dann sind die alle ganz unterschiedlich und trotzdem modern. Was dahinter steckt, was das ist, dieses Moderne, das werden wir in den nächsten Tage herausfinden."

Friseure an die Uni: Dazu sind die Teilnehmer in eine Weiterbildung der Berliner Universität der Künste gekommen. Die heißt "L'Oréal's University of Creativity and Artistry" - kurz LUCA. Auf dem Stundenplan stehen Vorlesungen zum richtigen Frisuren-Marketing und Kurse zu Frisurentechniken. Zum Finale muss jeder eine eigene Frisur entwerfen und an einem Profi-Model umsetzen, Fotoshooting inklusive.

Glamour statt Niedriglohn

Alle im Saal beherrschen ihr Handwerk, können routiniert kolorieren und nach allen Regeln der Kunst einen Pony schneiden. Sie sind zwischen 20 und über 40, mode- und selbstbewusst. Und alle wollen sie mehr - nicht im Niedriglohnsektorsektor hängenbleiben, in dem Friseure drei oder vier Euro die Stunde verdienen.

So wie Anna, die Karriere machen will: "Das hier ist ein gutes Sprungbrett." In der Kleinstadt Nortorf in Schleswig-Holstein arbeitet sie im Familienunternehmen. Ihr Gehalt beschreibt sie mit "ganz okay", aber sie habe eben einen hohen Lebensanspruch. Stolz erzählt Anna, dass sie schon mal bei der Berlin Fashion Week mitfrisieren durfte, dank Fleiß und Vitamin B durch die Eltern.

In Annas Familie gibt es 20 Frisöre. "Ich möchte im Salon in Nortorf bleiben. Aber ich möchte auch gern für Shows unterwegs sein und auf der Bühne stehen. Das ist mein absoluter Traum." Schon nach dem zweiten Schulungstag hat sie eine Idee von der Frisur, die sie am Ende präsentieren will: "Sie soll die Eleganz von Coco Chanel und die Lässigkeit aus dem Hip-Hop miteinander verbinden." Wie das genau aussehen soll, weiß sie noch nicht.

Fotostrecke

16  Bilder
Modenschau backstage: 14-Zentimeter-Absätze und ein voluminöser Dutt
Annas Eltern unterstützen den Ehrgeiz ihrer Tochter und haben ihr die Schulung geschenkt. Andersfalls säße sie wohl gar nicht hier. Denn die zehn Tage kosten jeden Teilnehmer stolze 4000 Euro. Plus Unterkunft und Verpflegung. Dafür muss ein Friseur lange schnippeln.

Geboten wird Branchenprominenz: Manfred Kraft und Wolfgang Zimmer haben für die Teilnehmer immer eine Schere, Haarspray und ein offenes Ohr. Aber vor allem eine Vorbildfunktion. Sie stehen da, wo viele hinwollen: frisieren Top-Models und Prominente, reisen um die Welt, ihre Schnitte sind auf den Titelblättern der Hochglanzmagazine zu sehen.

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