Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaManager von morgen - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Gründer für den guten Zweck Neu im Club der Weltverbesserer

Bookbridge: So ähnlich wie Volkshochschulen, nur in Entwicklungsländern und mit Managern im freiwilligen sozialen Einsatz Zur Großansicht
Bookbridge

Bookbridge: So ähnlich wie Volkshochschulen, nur in Entwicklungsländern und mit Managern im freiwilligen sozialen Einsatz

Was, wenn jeder im Stadtpark ein paar Tomaten pflücken darf? Oder an einer Partnervermittlung für Schulen teilnimmt? Die Organisation Ashoka fördert Sozialunternehmer, die die Welt verändern wollen. Ihre neuen Mitglieder waren früher Pfadfinder und Banker.

Zehn Jahre war Horst Krumbach Banker, dann wollte er seine Erfahrungen im Sozialbereich einbringen. Er entschied sich für einen Job im Pflegeheim, wurde Heimleiter und gründete die Generationsbrücke Deutschland: Kinder aus Kindergärten und Schulen besuchen - nach einer sorgfältigen Vorbereitung - regelmäßig und langfristig pflegebedürfte Senioren. Dabei geht es darum, Zeit miteinander zu verbringen, so ähnlich, wie es Großeltern und Enkel tun.

Horst Krumbach ist einer der sieben neuen Ashoka Fellows in Deutschland, die in dieser Woche vorgestellt wurden. Die Non-Profit-Organisation wurde 1980 von dem Amerikaner William Drayton gegründet und unterstützt Sozialunternehmer. Menschen also, die mit neuen Ideen drängende gesellschaftliche Probleme lösen. Ashoka ist unabhängig, nimmt keine staatlichen Gelder an und wird von Unternehmern und Stiftungen finanziert.

Heute ist Ashoka in 80 Ländern aktiv und fördert weltweit rund 3000 Sozialunternehmer. In Deutschland gibt es Ashoka seit 2003 mit inzwischen 51 Ashoka Fellows. (Mehr zum Auswahlverfahren hier.)

"Was wir vergeben, ist kein Preis", betont Oda Heister, Geschäftsführerin von Ashoka Deutschland. "Als Ashoka Fellow gehört man zu einem Netzwerk aus überzeugten Weltveränderern, und zwar sein Leben lang." In diesem Netzwerk können sie sich kostenlos beraten lassen, zum Beispiel in Rechtsfragen. Für drei Jahre bekommen die neuen Mitglieder außerdem ein Stipendium. Das Stipendium wird zwischen Ashoka und Fellow ausgehandelt und orientiert sich in der Höhe am Lebensunterhalt.

Vier besonders interessante dieser neuen Weltverbesserer stellt KarriereSPIEGEL hier vor.

Wesentlich PflanzKultur: Die essbare Stadt
Christian Klant

Stellen Sie sich vor, Sie gehen abends vom Büro nach Hause und pflücken im Stadtpark noch schnell ein paar Tomaten. Dabei kommen Sie mit einer Frau ins Gespräch, die gerade das Unkraut jätet, und werden gleich zu einem Fest eingeladen, bei dem die neue Kartoffelernte gefeiert wird. Das städtische Grün wieder zum Lebensmittelpunkt der Menschen zu machen, das hat sich Heike Boomgaarden zum Ziel gemacht und setzt dabei die Idee des "Urban Gardening" – der Schaffung von Gemeinschaftsgärten in der Stadt – in eine Dienstleistung für Kommunen und Unternehmen um.

Dabei geht es nicht nur um das Pflanzen von Gemüse und Obst, sondern um ein ganzheitliches Konzept. Dazu gehören der ökologische Anbau, innovative Pflanzkonzepte und der Erhalt der Biodiversität. Das alles mit einem erfreulichen Nebeneffekt: Es entsteht ein neues soziales Miteinander. "Wenn Menschen in die Natur eingebunden sind, verändern sie auch ihr Verhalten", sagt die Gartenbauingenieurin. Denn im Garten sind alle gleich.

In Andernach, einer Stadt mit 30.000 Einwohnern, hat sie das bereits erfolgreich umgesetzt: Seitdem ist Vandalismus rapide zurückgegangen, die Stadt hat die Kosten für die öffentlichen Grünanlagen um ein Drittel reduziert, und die Bewohner sind hochzufrieden. "Es gibt immer jemanden, der aufpasst, weil sich alle verantwortlich fühlen", sagt die 51-Jährige. Selbst Langzeitarbeitslose profitieren und können sich mit Unterstützung eines EU-Förderprogramms in einem Jahr zum Perma-Kulturassistenten ausbilden lassen, sie werden so zum gefragten Mitarbeiter für Stadtgärtnereien. Doch bisher trauen sich viele Städte noch nicht. Das will Heike Boomgaarden nun möglichst bald ändern.

www.wesentlich-gmbh.de

SchulePlus: Lehrer gesucht
Christian Klant

Wie macht man Schulunterricht lebensnäher und entlastet gleichzeitig die Lehrer? Die Lösung von Robert Greve ist so einfach wie effektiv. Mit SchulePlus hat der 29-Jährige eine digitale Pinnwand geschaffen, auf der Lehrer schnell und unkompliziert Experten aus Unternehmen, Kultureinrichtungen und Non-Profit-Organisationen oder Ehrenamtliche suchen können, um ihren Unterricht zu bereichern: vom Personalmanager, der den Schülern etwas über das Bewerbungsgespräch erzählt, über den Experten für Elektromobilität bis zur Rentnerin, die den Erstklässlern Märchen vorliest.

Zwei Jahre hat Greve an der Plattform gearbeitet. Wer sich anmeldet, bekommt per Algorithmus die passenden Partner zugeteilt und kann sie über die Plattform kontaktieren. "Es geht darum, den Organisationsaufwand zu minimieren und jedem die Möglichkeit zum Mitmachen zu geben", erklärt Greve, der selbst ein Lehramtsstudium absolviert hat und schon als Student Workshops organisierte, um Schüler fit für den Übergang zum Studium oder Job zu machen.

Im vergangenen August ging SchulePlus als Pilotprojekt in Berlin online. Inzwischen ist schon fast die Hälfte der Berliner Schulen dabei. 650 externe Organisationen - vom Dax-Konzern bis zur kleinen Bäckerei, vom Kiez-Theater bis zum großen Museum und Sportverein, sowie rund 300 Einzelpersonen bieten Unterstützung an. Gerade startet SchulePlus in Brandenburg, im September soll es das Angebot bundesweit geben. Dafür sucht Robert Greve derzeit noch Investoren.

www.schule-plus.de

Bookbridge: Alle lernen etwas, sogar die Manager
Christian Klant

Bookbridge will die Lebens- und Berufschancen von Menschen in der Mongolei und Kambodscha verbessern - und gleichzeitig Nachwuchsmanagern in Deutschland mehr Unternehmerkompetenzen vermitteln. Begonnen hat alles 2005 mit einer Pfadfinder-Reise in die Mongolei. Dort traf Carsten Rübsaamen auf ein Mädchen, das ihn mit neugierigen Fragen löcherte. In ihrem kleinen Dorf hatte sie keine Chancen, ihre Wissbegierde zu stillen. So entstand die Idee von einem Lernzentrum, in dem Dorfbewohner gegen eine geringe Gebühr anderen beibringen, was sie brauchen: Der Bankmitarbeiter informiert über Kredite, der Händler gibt Computerunterricht für die Bauern.

Das Modell funktionierte, bereits nach einem Jahr trug sich das Lernzentrum finanziell selbst, und aus dem Pfadfinderprojekt entstand eine pfiffige Idee: Warum die Bildungszentren nicht als Lernumgebung für Mitarbeiter von Unternehmen nutzen und so die Unterstützung der lokalen Bevölkerung finanzieren? Bei der Planung und dem Aufbau eines Lernzentrums können sich Nachwuchsmanager als Unternehmer beweisen, praktische Projekterfahrungen in einem Schwellenland sammeln, und – was Carsten Rübsaamen besonders wichtig ist – sie lernen Demut. Denn bei so einem Projekt ist alles anders als gewohnt, sagt der 32-Jährige.

Nach diesem Rezept gibt es inzwischen elf Lernzentren, die wöchentlich von 10.000 Menschen besucht werden. Bookbridge hat vier Projekte für Unternehmen wie Kühne+Nagel, PriceWaterhouseCoopers und Hilti durchgeführt. Seit 2013 gibt es an der deutschen Privatuni WHU, an der Rübsaamen selbst studiert hat, ein Managementprogramm, bei dem die Teilnehmer einen Businessplan für den Aufbau eines Lernzentrums in Kambodscha schreiben und ihn zusammen mit lokalen Mitarbeitern auch umsetzen.

"Unser Beitrag ist es, den Projektrahmen zu bieten", sagt Rübsaamen. Seit 2013 trägt sich auch Bookbridge selbst. Der Sozialunternehmer hat noch größere Ziele. Den Ansatz könne man schließlich auch auf andere Projekte übertragen. Zum Beispiel Windmühlen in Afrika bauen.

www.bookbridge.org

Gründer 50plus: Gründer statt Sozialhilfeempfänger
Christian Klant

Die Zahlen sind erschreckend. Schon heute braucht jeder 40. Rentner Sozialleistungen zur Grundsicherung seines Lebensunterhalts. 2030 wird es schon jeder 17. sein. Für so manchen könnte da die Gründung eines eigenen Unternehmens die Lösung sein. Doch für die Zielgruppe gibt es bisher keine Unterstützungsangebote. Grund für Ralf Sange vor zwei Jahren die Initiative Gründer 50plus ins Leben zu rufen.

Wie es Älteren bei der Jobsuche ergeht, weiß der 53-Jährige aus seiner langjährigen Tätigkeit als Outplacement-Berater: "Sobald die Ziffer 5 vor dem Alter steht, gibt es massive Probleme bei der Jobsuche". Nun will er Älteren Orientierung geben und sie in der Vorgründungsphase beraten. "Meine Aufgabe ist es vor allem, die Menschen zum Gründen zu ermutigen", erklärt er. Denn nur die wenigstens trauten sich das überhaupt zu.

Gründer 50plus bietet daher Info-Abende und Workshops an und setzt dabei auch auf die Intelligenz der Gruppe. "Wenn der Hausmeister neben dem Ingenieur sitzt, entstehen oftmals richtig gute Geschäftsideen", so der Diplom-Sozialwissenschaftler. "Manche kommen mit einer Idee und gehen mit einer völlig anderen wieder raus."

Über tausend Menschen wurden durch sein ehrenamtlich tätiges Team und etliche Kooperationspartner bisher beraten. Rund ein Fünftel davon gründet tatsächlich. Nun will Sange sein Angebot mit Hilfe von weiteren Partnern und einem "sozialen Franchising" auf ganz Deutschland ausweiten: Berater und Coaches halten Workshops ab, bekommen dafür ein Honorar aus öffentlichen Subventionstöpfen und können die tatsächlichen Gründer später über das von der KFW finanzierte Gründercoaching beraten.

www.gruender50plus.de

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Sozialunternehmer: Fairer Handel, blinde Führungen und junge Mütter

Fotostrecke
Ökounternehmer: Vom Kaffee zum Pilz

Fotostrecke
Zehn Erfolgsgeschichten: Gut gegründet

  • Foto: Helga Kaindl
    KarriereSPIEGEL-Autorin Bärbel Schwertfeger ist freie Journalistin in München.

Social Networks