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Sprecher für Blinde Ich sage dir, was du nicht siehst

Hilfe für Blinde: Susanne Linzer (l.) schreibt Audiodeskriptionen, Uta-Maria Torp spricht sie Zur Großansicht
dapd

Hilfe für Blinde: Susanne Linzer (l.) schreibt Audiodeskriptionen, Uta-Maria Torp spricht sie

Reden, wenn alle schweigen - das ist der Job von Uta-Maria Torp. In den Dialogpausen von Filmen oder Theaterstücken erklärt sie Blinden die Gesten und Emotionen, die sie nicht sehen können. Die Worte wählt ihre Kollegin aus. Sie ist Autorin für Audiodeskriptionen.

Uta-Maria Torp spricht immer dann, wenn alle still sein sollen. Wenn auf der Bühne alle Sätze gesagt sind und nur noch die Gesten zählen, beginnt ihr Part. Ihre Zuhörer zählen auf sie - denn sie sind blind. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Torp für die Deutsche Hörfilm gGmbH. Das gemeinnützige Unternehmen bereitet seit 1998 Filme, Theaterstücke, Ausstellungen oder Stadtführungen so auf, dass auch blinde und sehbehinderte Menschen sie nutzen können.

Jedes Jahr werden in Deutschland rund 130 Filme mit Audiodeskriptionen nachvertont, rund 5000 Euro kostet jeweils die Produktion. Die Kosten tragen die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, Produktionsfirmen, Filmverleiher oder Spender wie die Deutsche Hörfilm gGmbH. Zieht etwa ein Schauspieler eine Waffe, erfährt das ein blinder Zuhörer von Sprechern wie Torp - im Theater über Kopfhörer. Mimik, Gestik und wichtige Handlungen, all das wird in den Dialogpausen beschrieben. Wie, das entscheidet Susanne Linzer.

Sie ist die Autorin dieser Beschreibungen. "Man lernt zuzuspitzen", sagt sie. "Man muss knapp und präzise sein. Das heißt aber nicht, dass die Beschreibung nicht poetisch sein kann." Sprachlich passe sie sich immer ein wenig dem Stil an, einen Actionfilm beschreibe sie anders als ein historisches Drama: "Man wählt automatisch andere Wörter."

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Spracherkennung: Jobs für Zuhörer
Eine Woche benötigt Linzer im Schnitt, um eine Audiodeskription eines Films zu schreiben. Für den "Jedermann", der am Donnerstag im Berliner Dom aufgeführt wird, beobachtete sie sieben Vorstellungen lang genau, was auf der Bühne geschieht. Zunächst habe sie das Buch zum Stück mitgelesen und sich Notizen gemacht. "Dann bin ich dazu übergegangen, mit dem Diktiergerät in der Probe zu sitzen, weil man dann nicht abgelenkt ist", sagt sie. "Man hört den Text, man klebt nicht mehr am Buch und kann einfach in das Gerät reinsprechen, was man sieht."

Torp hat schon live Filme für Blinde eingesprochen, etwa bei der Berlinale. Trotzdem sagt sie, sie sei "ein bisschen nervös" vor der "Jedermann"-Aufführung. Beim Film seien die Dialogpausen und die Handlungen immer die gleichen. "Da ich selbst Schauspielerin bin, weiß ich, dass bei einem Theaterstück nicht jeder Abend gleich ist", sagt sie. Man könne eben nicht zurückspulen, stimmt Linzer zu: "Aber ansonsten unterscheidet es sich nicht so sehr."

Bei einem Film spricht Torp den Text im Studio ein. Ohne dabei mitzuspielen, wie sie betont. Die Beschreibung müsse sich klar von den Dialogen im Film abgrenzen. "Es geht wirklich nur um die Information und nicht darum, dass ich mich dabei künstlerisch ausbreite." Ansonsten würde der Sprecher den Film verändern.

Hanna Hauck/dapd/vet

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