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Zweitbesetzung im Musical Rocky, der Zweite

Zweitbesetzung im Musical: Star zur Aushilfe Fotos
Daniel Bakir

Er ist der Star hinterm Star: Dominik Schulz ist die Zweitbesetzung beim Musical "Rocky" in Hamburg. Er springt immer dann ein, wenn der Held sich den Knöchel verknackst hat oder mal Urlaub braucht. Aber auch sonst ist er oft auf der Bühne - er spielt noch acht andere Rollen im Stück.

Im berühmten Endkampf des Films von 1976 kann Rocky noch so viele Schläge einstecken: Er geht einfach nicht zu Boden. Im wahren Leben reicht eine simple Erkältung, um den Boxer in die Knie zu zwingen.

Es ist Samstagabend, Mitte des ersten Aktes, als Musicalstar Drew Sarich, der am Hamburger Operettenhaus den Rocky spielt, die Stimme versagt. Die Zuschauer im vollbesetzten Saal haben bis zu 140 Euro bezahlt, um Rocky kämpfen und singen zu sehen. Die Show muss weiter gehen. Für Dominik Schulz bedeutet dies das Ende des gemütlichen Sofaabends.

Bis gerade lümmelte er in einem Nebenraum des Theaters auf der Couch und verfolgte die Show am Monitor. Er hetzt in die Garderobe und schlüpft ins Rocky-Kostüm. Schnell noch die Perücke auf, das Mikrofon angeklebt - und ab ins Scheinwerferlicht.

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Da zu sein, wenn der eigentliche Rocky eine Pause braucht, ist Dominik Schulz' Job. Er ist die Zweitbesetzung des im November gestarteten Musicals. Dass er in einer laufenden Show einspringen muss, ist die Ausnahme. Normalerweise spielt er den Rocky, wenn Frontmann Drew Sarich in Urlaub fährt oder aus anderem Grund verhindert ist. Er teilt sich die Einsätze mit Detlef Leistenschneider, dem zweiten Ersatzrocky. Im Schnitt spielen sie die Rolle je ein- bis zweimal die Woche.

Für jede der Hauptrollen muss immer ein Reservist am Theater sein, um spontane Stimmausfälle oder verknackste Füße auffangen zu können. Die Ersatzleute müssen nicht nur die Songs und Dialoge, sondern auch die Kampfszenen beherrschen. Rocky II und III haben schon ein halbes Jahr vor der Premiere mit Box- und Fitnesstraining begonnen. "Wir wussten alle, dass wir mit freiem Oberkörper auf der Bühne stehen werden, und man will dann schon dementsprechend aussehen", sagt Schulz.

Jeden Tag eine andere Rolle

Auch jetzt noch geht er mit den Kollegen zweimal die Woche in die Boxhalle. Die Rockys untereinander verstünden sich bestens, als Konkurrenzsituation empfindet Schulz die Zusammenarbeit nicht: "Wir gucken höchstens ab und zu mal, wessen Arm dicker ist."

Als Zweitbesetzung verdient er nicht so viel wie Rocky I, aber immer noch mehr als ein normales Ensemble-Mitglied ohne Sprechrolle. Wohl auch, weil er nicht nur einen Job hat: Als sogenannter "Swing" oder Springer kann er nahezu jede Rolle ausfüllen, wenn Not am Mann ist. Mal ist er Gangsterboss Gazzo oder dessen rechte Hand Buddy, mal der Boxer hinten links, der Wachmann, der Schlachter oder der Boxpromoter und Ringansager. "Außerdem koche ich Tee für alle und mache am Schluss überall im Theater das Licht aus", scherzt Schulz über sein vielfältiges Repertoire. "Jedes Wort, was von einem Mann auf dieser Bühne gesprochen wird, muss ich auch können."

Eigenes Bühnenprogramm

Dominik Schulz ist fast 39 und hat schon viele Erst- und Zweitrollen in Musicals gespielt. Er war der gute Ranger und der böse Santa Maria in "Der Schuh des Manitu", Sir Lanzelot in "Monty Python's Spamalot" und Johnny Castle in "Dirty Dancing". Auch in "We Will Rock You", "Mamma Mia!" und "Westside Story" war er mit von der Partie.

Die Zeit, um den großen Musicalproduktionen hinterher zu reisen, wie es fast alle jungen Musicaldarsteller tun, ist für Schulz aber vorbei. Er wohnt mit seiner Freundin in der Nähe von Berlin. Um den Filmheld seiner Jugend zu spielen, pendelt er meist dienstags nach Hamburg und sonntags zurück. Nebenbei schraubt er an neuen Projekten für die Zeit nach Rocky, pflegt den Kontakt zum benachbarten Schmidt-Theater, schreibt eigene Programme. Ab und an tritt er als Sänger auf Hochzeiten auf.

Eineinviertel Stunden vor dem ersten Vorhang muss Schulz spätestens im Theater sein. Ist er für eine der Kampfszenen besetzt, steigt er hinter den Kulissen mit seinem späteren Bühnengegner in den Ring und spielt unter den Augen des Fight-Choreografen den Kampf durch. Jeder Schritt und jeder Schlag müssen passen, damit der Kampf echt aussieht und trotzdem niemand eine Verletzung davonträgt - einer der anderen Rockys beendete die Show erst kürzlich mit einer echten Platzwunde.

Kampf um die Publikumsgunst

Jeder Rocky kämpft aber nicht nur gegen seinen Gegner, sondern auch um die Gunst des Publikums. Es gibt Fans, die sich vorher informieren, welcher Darsteller an welchem Abend auftritt, und danach entscheiden, in welche Vorstellung sie gehen. Die meisten Besucher aber, glaubt Schulz, wollen einfach eine gute Show sehen: "Ich denke überhaupt nicht darüber nach, ob das für die Leute blöd ist, dass ich nicht der Rocky bin, den sie aus der Werbung kennen." Und bisher habe sich noch niemand beschwert.

Als es Rocky I an diesem Abend die Stimme verschlägt, fällt kurz der Vorhang, die Theaterleitung sagt den Wechsel an. Dominik Schulz spürt, dass das Publikum unruhig ist. Dann geht er raus und macht seinen Job: "Nach zwei Szenen hatte ich schon vergessen, dass ich gar nicht am Anfang angefangen habe."

  • KarriereSPIEGEL-Autor Daniel Bakir (Jahrgang 1983) absolvierte die Kölner Journalistenschule für Politik und Wirtschaft und ist Diplom-Politikwissenschaftler. Er war ein Jahr lang Wirtschaftsredakteur beim Stern. Heute freier Journalist in Hamburg mit den Schwerpunkten Wirtschaft, Verbraucher, Karriere.

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    Seite 1    
1. Ich warte lieber
AusVersehen 30.03.2013
Zitat von sysopDaniel BakirEr ist der Star hinterm Star: Dominik Schulz ist die Zweitbesetzung beim Musical "Rocky" in Hamburg. Er springt immer dann ein, wenn der Held sich den Knöchel verknackst hat oder mal Urlaub braucht. Aber auch sonst ist er oft auf der Bühne - er spielt noch acht andere Rollen im Stück. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/auftritt-auf-abruf-zweitbesetzung-im-musical-rocky-in-hamburg-a-890265.html
Nö, ich warte lieber auf die Musicals über Klimbim oder die Benny Hill Show.
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