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Ausbildung bei Flugzeughersteller "Ich erklär das mit der Formel 1"

Ausbildung bei Flugzeughersteller: Karriere mit Kunststoff Fotos
TMN

Ihr Beruf hat 53 Buchstaben und löst bei den meisten Menschen erst mal ein Wort aus: Häh? Dabei steckt hinter dem sperrigen Namen eine Ausbildung mit Jobgarantie: Mona Hoffmann ist Verfahrenstechnikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik.

Wenn Mona Hoffmann auf einer Party von ihrer Arbeit erzählt, sieht ihr Gegenüber sie meist verständnislos an. Die 21-Jährige macht eine Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik beim Flugzeughersteller Airbus. Und nebenher studiert sie Engineering mit Schwerpunkt Verbundwerkstoffe/Composites. Die meisten verstehen spätestens jetzt nur noch Bahnhof. Daran ist Hoffmann gewöhnt: "Ich erklär das dann anhand der Formel 1."

Im Fernsehen sehe man häufig, dass Formel-1-Wagen bei einem Unfall zersplittern statt zerbeulen. Der Grund: Sie sind nicht aus Blech, sondern aus einem Werkstoff namens CFK. Die Abkürzung steht für Carbon-Faser verstärkte Kunststoffe. Hoffmanns ganze Ausbildung dreht sich um sie. Und so hat sie auch für ihr Arbeitsmaterial eine leicht verständliche Erklärung parat: "Das ist praktisch wie ein Büschel Haare."

Man müsse sich das so vorstellen: Jedes einzelne Haar hat einen Kern, der aus Erdöl gewonnen wird. Man legt die Haare nebeneinander, übergießt sie mit Harz und steckt sie in einen speziellen Ofen. Heraus kommt ein Stoff, der so widerstandsfähig ist wie Stahl oder Aluminium, aber kaum etwas wiegt: CFK.

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"Das Tolle an dem Werkstoff ist, dass er noch in der Entwicklung ist", sagt Joachim Sauer, bis 2012 Geschäftsführer Personal und Arbeitsdirektor von Airbus in Deutschland. Wer sich für eine Karriere mit Schwerpunkt CFK entscheide, sei nie nur Azubi oder Student, sondern immer ein Stück weit Forscher. Mona Hoffmann kann das bestätigen: "Mir wird schnell langweilig. Aber in der Ausbildung bin ich bislang selten mit einem Problem doppelt konfrontiert worden."

CFK ist eigentlich keine neue Entdeckung. "Schon seit mindestens 20 Jahren wird damit experimentiert", sagt Michael Assenmacher vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Bislang war die CFK-Branche aber eher klein, nur in der Luft- und Raumfahrt wurde der Werkstoff eingesetzt. Für den Massenmarkt war er bisher einfach zu teuer. Doch nun hat auch die Automobilbranche CFK für sich entdeckt.

Autos aus CFK sind deutlich leichter als herkömmliche Modelle. Das spart Sprit - oder verlängert zum Beispiel die Fahrdauer von Elektroautos. Auch in der Windkraft und im Anlagenbau wird CFK seit einiger Zeit verstärkt eingesetzt. "In der CFK-Branche wird es richtig boomen", sagt Assenmacher. Schon jetzt nehme die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche fast explosionsartig zu, bestätigt Patrick Markert vom Verein CFK-Valley Stade: "Die Nachfrage der Firmen übertrifft bei weitem das Angebot an Fachkräften."

Die Ausbildung bei Airbus dauert drei Jahre, bei besonders guten Leistungen kann sie auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Mona Hoffmann würde danach am liebsten in einem Konstruktionsbüro bei Airbus arbeiten. Die Chancen dafür stehen gut. Als Verfahrensmechaniker müsse man sich über seine Zukunft keine Gedanken machen, sagt Airbus-Ausbildungsleiterin Christiane Matthies.

Kristin Kruthaup/dpa/vet

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Fehler
cosy-ch 18.07.2013
Die Fotostrecke hat absolut gar nichts mit dem Thema im Artikel gemeinsam. Etwa so, wie wenn Sie zum Artikel über geplatzte Pirellipneus und zeigen dazu den Reifen eines Velos.
2. Schon viel länger als 20 Jahre
aixfriend 18.07.2013
wird mit CFK experementiert. Bereits im Wintersemester 77/78 wurden uns in einer Vorlesung von Prof. Dr.-Ing. Menges, Leiter des Instituts für Kunststofftechnik der RWTH Aachen, ein paar Meter CFK präsentiert. Diese waren in der Nacht zuvor erstmals an seinem Institut gezogen worden. Und seit dieser Zeit wurde in Aachen mit CFK experementiert. Die Schwierigkeiten bestanden anfangs insbesondere darin, den Form- und Kraftschluss zwischen metallischen und CFK-Bauteilen zu erzielen. So verzweifelten die Forscher anfangs nahezu an der Aufgabe, ein Tretlager und einen Lenkkopf in den Rahmen eines CFK-Fahrrads zu integrieren.
3.
lordax 18.07.2013
Zitat von aixfriendwird mit CFK experementiert. Bereits im Wintersemester 77/78 wurden uns in einer Vorlesung von Prof. Dr.-Ing. Menges, Leiter des Instituts für Kunststofftechnik der RWTH Aachen, ein paar Meter CFK präsentiert. Diese waren in der Nacht zuvor erstmals an seinem Institut gezogen worden. Und seit dieser Zeit wurde in Aachen mit CFK experementiert. Die Schwierigkeiten bestanden anfangs insbesondere darin, den Form- und Kraftschluss zwischen metallischen und CFK-Bauteilen zu erzielen. So verzweifelten die Forscher anfangs nahezu an der Aufgabe, ein Tretlager und einen Lenkkopf in den Rahmen eines CFK-Fahrrads zu integrieren.
Schon gegen Ende der 1970er Jahre gab es Angelruten (Wettkampfruten von 6-9m Länge) aus Kohlefaser, wie man das damals nannte.
4.
smoo 18.07.2013
Ich selbst benutze CFK-Produkte schon seit Jahrzehnten, nämlich beim Windsurfen: Masten bestehen ganz oder zum Teil aus CFK, in den Brettern wird Carbon verwendet und die meisten Segellatten bestehen auch aus Carbon!
5. Arbeitsmarkt
smartphone 18.07.2013
Als entsprechend ausgebildeter Werkstoff-ingenieur kann ich nur sagen ,daß man in den letzten 15 Jahren solche Fachkräfte nur mit Füssen tritt ......... Speziell Airbus ( wir suchen dringend udn sofort 1000 Ing ) war und ist nicht mal in Lage eine Bewerbung von solchen RWTH Aachen Ings zu bearbeiten(!) . Trotz Mangel kam weder Eingangsbestätigung noch Absage - von job ganz zu schweigen ( Die Bewerbungen von uns 7 kamen definitiv an )
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