Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaWeiberwirtschaft - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Männer in Frauenjobs Exot im Blumenladen

Ausbildung zum Floristen: Vergiss die Topfpflanze Fotos
Fachverband Deutscher Floristen e.V.

Sträuße binden, Kränze flechten, Rosen gießen: Für viele Männer sieht ein Traumjob offenbar anders aus. Von 1700 Floristen-Azubis sind nur 63 männlich. Tino Hoogterp kann das nicht verstehen. Er findet die Arbeit extrem abwechslungsreich. Und freut sich über viele Jobangebote.

In seinem Beruf ist Tino Hoogterp, 29, eine doppelte Ausnahme. Er ist ein Mann in einem Frauenjob. Und er ist Nachwuchs in einer an Nachwuchs armen Branche. Hoogterg arbeitet als Florist in Recklinghausen. Dass sich immer weniger junge Menschen für den Beruf entscheiden, kann er nicht verstehen. "Floristen machen mehr, als nur Sträuße binden und Topfpflanzen verkaufen", sagt Hoogterp.

Kein Tag sei wie der andere, immer gebe es neue Aufgaben. "Die einen möchten einen Geburtstagsstrauß, die anderen einen Kranz für eine Beerdigung, wieder andere Floristik für eine Hochzeit." Entsprechend unterschiedlich sei auch die Stimmung der Kunden. Und selbst die Feiertagsangebote, etwa für Ostern und Weihnachten, variierten von Saison zu Saison.

"Wichtig ist, Spaß am Gestalten zu haben und kreativ zu sein", sagt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Wie könnte ein Schmuck mit weißen Rosen und Sonnenblumen aussehen? Passt das überhaupt zusammen? "Man muss ein gewisses Vorstellungsvermögen haben und natürlich motorisch in der Lage sein, die verschiedenen Blumen-Arrangements fertigen zu können." Bei größeren Dekorationen kommen auch mal Nägel, Schrauben oder sogar ein Bohrer zum Einsatz.

Fotostrecke

6  Bilder
Job-Exoten: Allein unter Frauen
Drei Jahre dauert die Ausbildung. Meist gehen die Azubis zwei Tage pro Woche zur Schule, sonst arbeiten sie im Ausbildungsbetrieb. Auf dem Lehrplan stehen zum Beispiel verschiedene Blumenarten, wie sie zu behandeln sind und welche Nährstoffe sie brauchen. "In den meisten Geschäften gibt es eine klare Aufgabenteilungen", sagt Hoogterp. Einer sei etwa für das Binden von Sträußen zuständig, die anderen versorgten die eingetroffene Ware, ein anderer nehme Bestellungen von Kunden an und kümmere sich um deren Fragen und Wünsche.

Zu dem Job gehören meist auch kaufmännische Tätigkeiten. "Man darf keine Angst vor Zahlen haben", sagt Bretschneider. Floristen müssen Preise für Gestecke und Sträuße festlegen und einschätzen können, welche und wie viele Blumen sie zum Beispiel für 20 Euro verwenden können. Oft müssen sie auch Lieferungen kontrollieren, am Tagesende einen Kassenbericht machen, die Buchführung vorbereiten oder bei der Inventur helfen.

Die Jobaussichten nach der Ausbildung seien derzeit sehr gut, sagt Gerda Prinz vom Bundesverband Deutscher Floristen in Gelsenkirchen. "Das liegt daran, dass es weniger Floristen-Nachwuchs gibt und dass gleichzeitig immer mehr Floristen in Rente gehen." 1999 fingen noch rund 3750 Männer und Frauen die Ausbildung zum Floristen an, im Jahr 2010 waren es nur noch etwa 1700. Darunter 63 Männer. Vor allem in den Großstädten, aber auch in kleineren Orten werden Floristen händeringend gesucht. Nach der Ausbildung verdiene man meist etwa 1100 Euro netto, sagt Prinz, als angestellter Meister könne das Gehalt auf bis zu 2500 oder 3000 Euro netto steigen.

Hoogterp hat seine Entscheidung, Florist zu werden, nie bereut: "Meiner Kreativität sind in diesem Beruf keine Grenzen gesetzt", sagt er. "Ich liebe es zum Beispiel, durch die Natur zu spazieren und dort entdeckte Sachen mitzunehmen und das ganz individuell zu gestalten." Vor allem aber hätten Floristen oft einen positiven Einfluss: "Wir helfen mit unserem Beruf, Leute willkommen zu heißen, Liebe wachsen zu lassen, Beziehungen zu kitten oder einfach Danke zu sagen."

Aliki Nassoufis/dpa/vet

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Frauenjobs
cthullhu 08.10.2012
Wenn man jetzt von aber von Frauen in Männerjobs sprechen würde, wäre das Geschrei wieder groß, da es "sexistisch" wäre, von "Männerberufen" zu reden. Andersherum wird hier sogar noch ein Spaß drauß gemacht.
2. wo ist denn
Graphite 09.10.2012
hier unsere Gleichstellungsbeauftragte? warum gibt es denn hier keine Quote? hier kann Frau sich wohl nicht profilieren, wa?
3. Frauen in Männerjobs:
retmar 09.10.2012
Zitat von sysopFachverband Deutscher Floristen e.V.Sträuße binden, Kränze flechten, Rosen gießen: Für viele Männer sieht ein Traumjob offenbar anders aus. Von 1700 Floristen-Azubis sind nur 63 männlich. Tino Hoogterp kann das nicht verstehen. Er findet die Arbeit extrem abwechslungsreich. Und freut sich über viele Jobangebote. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/ausbildung-zum-florist-ein-mann-in-einem-frauenberuf-erzaehlt-a-859536.html
Exotinnen in den Werkstätten, Fabrikhallen und auf den Baustellen Häuser bauen, Stahlarmierungen flechten, Autos reparieren, Stahlbarren auswalzen, Brot backen: Für fast alle Frauen sieht ein Traumjob offenbar anders aus. Von –zigtausenden Handwerks- und Industrie-Azubis sind nur 0,00xx Promille weiblich. Diese Berufe ausübende Männer können das absolut nicht verstehen. Sie finden diese Arbeiten extrem abwechslungsreich, freuen sich über viele Jobangebote und können über ein Gehalt nicht klagen, mit dem sie später oft ihre Familien ernähren oder Unterhalt zahlen müssen. O.k – diese Berufe sind schmutzig, sie stinken, sind gefährlich und gesundheitsschädlich. Stöckelschuhe und Kostümchen sind eher hinderlich. Oft müssen lange Anfahrtswege oder Montagetätigkeiten in anderen Städten vollbracht werden. Aber was sind denn das für vernachlässigbare Attribute, wenn Frau im Endeffekt ihre Selbständigkeit finanzieren und ihre ausreichende(?) Rente erarbeiten kann? Wenn sie vom Manne finanziell unabhängig ist und vielleicht einen ebenbürdigen Beitrag zur Finanzierung ihrer künftigen Familie leisten kann?
4. Unterschied?
fischli1983 09.10.2012
Es spielt doch keine Rolle ob ein Mann in einem Frauenjob ist oder ein Frau im Männerjob, das wichtigste ist Mensch ist im Job wo dem Menschen gefällt, egal ob Mann oder Frau. Darum bin ich einfach der Meinung, gleiche Leistung, gleicher Lohn sprich UNISEX-LÖHNE und UNISEX-SYSTEME für BEFÖRDERUNGEN usw.!
5. Prof. Dr. rer. nat. phil.
KobiDror 09.10.2012
Zitat von fischli1983Es spielt doch keine Rolle ob ein Mann in einem Frauenjob ist oder ein Frau im Männerjob, das wichtigste ist Mensch ist im Job wo dem Menschen gefällt, egal ob Mann oder Frau. Darum bin ich einfach der Meinung, gleiche Leistung, gleicher Lohn sprich UNISEX-LÖHNE und UNISEX-SYSTEME für BEFÖRDERUNGEN usw.!
Bitte! Punktierung und Satzbau. Ich reite nicht gern drauf herum, aber wenn ich einen Beitrag 3x lesen muss, bevor ich die Wort inhaltlich zusammen gebracht habe, dann ist das zu viel des Guten. Das Wichtigste ist ein Job der den Menschen gefällt - egal ob Mann oder Frau.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Gehaltsgefälle in Beziehungen: Wenn sie reicher ist als er
Verwandte Themen

Fotostrecke
Tischlerinnen: Abgesägte Klischees
Wer ist hier der Boss?
Wenn man sich einen Chef backen könnte...
Corbis
Männer oder Frauen als Vorgesetzte? Erstaunlichen 57 Prozent der Arbeitnehmer ist das egal. Von den übrigen 43 Prozent würden sich gut drei Viertel für einen Mann entscheiden. Das zeigt zumindest eine Umfrage des Demoskopie-Instituts Allensbach. Für die Studie "Kommunikationsstile und -welten von Männer und Frauen" wurden 1852 Menschen befragt.
Männer und Frauen - die Führungsstile
46 Prozent der Befragten sehen deutliche Unterschiede im Führungsstil. Von ihnen beschreiben 26 Prozent Frauen als einfühlsamer und sensibler, insgesamt also als emotionaler. Kritik kommt auch von den eigenen Geschlechtsgenossinnen: 15 Prozent der befragten Frauen, die sich negativ über Chefínnen äußerten, geben an, dass weibliche Vorgesetzte konkurrenzorientierter auftreten; 12 Prozent beschreiben sie als dominanter und härter als Männer. Von denen wiederum sagen 9 Prozent, dass Frauen an der Spitze glaubten, "sich immer behaupten zu müssen".
Lob und Tadel
Insgesamt halten sich die Vor- und Nachteile im Chef-Gebaren die Waage. Frauen punkten vor allem beim Gespräch: Sie gelten als verständnisvoll, haben häufiger ein offenes Ohr für Probleme und sind großzügiger mit Lob und Anerkennung. Die Hälfte der Befragten sieht es als besondere Stärke, dass weibliche Vorgesetzte auch über ihr Privatleben sprechen. Männliche Vorgesetzte treten hingegen bevorzugt sachlich und bestimmend auf, dulden seltener Widerspruch. Insgesamt sieht die Studie allerdings nur recht geringe Unterschiede in den Urteilen von Mitarbeitern über männliche und weibliche Bosse.

Fotostrecke
Bier-Pionierin: Schichtdienst im Sudhaus


Social Networks