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Ausbildung zum Geomatiker Die Vermesser der Welt

André Lange (links) und Meik Siebel sind angehende Geomatiker Zur Großansicht
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André Lange (links) und Meik Siebel sind angehende Geomatiker

Ihre Arbeit steckt im Navigationsgerät, in der Wanderkarte oder der Wegweiser-App: Geomatiker verwandeln Daten in Karten. Die Jobaussichten sind gut - und in der Ausbildung gibt es viel frische Luft. Denn messen müssen die Azubis am Anfang selbst.

Ihren Beruf kennt kaum jemand, ihre Arbeit so gut wie jeder: Geomatiker sind die Köpfe hinter dem Navigationsgerät im Auto, der Weltkarte über dem Küchentisch oder der Radwanderkarte im Gepäckträger. André Lange, 18, und Meik Siebel, 29, sind die Ersten, die beim Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen in Köln zu Geomatikern ausgebildet werden. Den neuen Ausbildungsberuf gibt es erst seit 2010. Er löst die veraltete Ausbildung zum Kartografen ab.

Das erste Lehrjahr entspricht dem eines Vermessungstechnikers. "Zur Zeit sind wir vier Tage in der Woche auf Autobahnen und Baustellen unterwegs und vermessen selbst", sagt Siebel. "So lernen wir, wo die Geodaten herkommen, die wir später verarbeiten."

Mit spezieller Software werten Siebel und Lange die Daten am Computer aus und erstellen Karten, die dann von Straßenplanern, Straßenmeistereien, Polizeidienststellen oder Logistikunternehmen genutzt werden. Vermessen sie nicht selbst, beschaffen sie sich die benötigten Daten etwa aus der Straßeninformationsdatenbank Nordrhein-Westfalen.

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"Die Zeiten von Gravur, Tinte und Tusche sind vorbei. Geomatiker arbeiten mit modernen Computerprogrammen", sagt Klaus-Ulrich Komp von der Firma Eftas Fernerkundung Technologietransfer in Münster. Zusammen mit seinen Kollegen verwandelt er Vermessungsergebnisse, Luft- und Satellitenaufnahmen und statistische Erhebungen in Karten, Pläne oder sogar dreidimensionale Darstellungen.

Die Ergebnisse werden in ganz unterschiedlichen Bereichen gebraucht: im Umweltschutz, in der Landwirtschaft, im Straßenbau. Auch Mobilfunkanbieter greifen auf die Arbeit von Geomatikern zurück. "Mit Hilfe entsprechender Karten können die Betreiber von Mobilfunknetzen zum Beispiel potentielle Funklöcher lokalisieren", sagt Komp.

"Der Fachkräftemangel hat die Geobranche erreicht"

Die Ausbildung zum Geomatiker dauert drei Jahre und findet im Betrieb und in der Berufsschule statt. Laut der Bundesagentur für Arbeit haben die meisten Auszubildenden die Hochschulreife. Udo Stichling, Präsident des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation, fasst zusammen, was Azubis mitbringen müssen: Spaß an der Arbeit mit moderner Technik, keine Angst vor Zahlen und ein Grundverständnis für Geometrie und Mathematik. Die Gehälter variieren zwischen 500 und 900 Euro brutto im Monat, das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt im Schnitt bei 2000 Euro brutto. Die Berufsperspektiven sind sehr gut.

"Der Fachkräftemangel hat auch die Geobranche erreicht: Sowohl in Behörden als auch in der Privatwirtschaft werden qualifizierte Fachkräfte dringend benötigt", sagt Stichling. "Vom Routenplaner bis zur App auf dem Smartphone - der Bedarf an Geodaten wird immer größer." Jobs finden Geomatiker zum Beispiel in Ingenieurbüros, in Verlagen der Kartografie oder in Medienagenturen.

Die Azubis lernen nicht nur, Geodaten zu erfassen und zu visualisieren, sie kümmern sich auch um die Kundenberatung und das Marketing von Geodaten. Dabei müssen sie immer im Blick haben, welchem Zweck die Aufbereitung der jeweiligen Daten dienen soll. "Wenn wir zum Beispiel eine Karte für ein mobiles Navigationssystem im Auto erstellen, muss der Autofahrer den Verlauf der Straße sehen können, doch ob sich am Straßenrand Bäume befinden, ist für ihn weniger relevant", erklärt Azubi André Lange. Für die Kollegen aus dem Landesbetrieb seien das jedoch wichtige Informationen.

Mascha Dinter/dpa/vet

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insgesamt 18 Beiträge
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1. schwierig
misprint 06.01.2013
Zitat von sysopIhre Arbeit steckt im Navigationsgerät, in der Wanderkarte oder der Wegweiser-App: Geomatiker verwandeln Daten in Karten. Die Jobaussichten sind gut - und in der Ausbildung gibt es viel frische Luft. Denn messen müssen die Azubis am Anfang selbst. Ausbildung zum Geomatiker: Ein Job mit guten Aussichten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/ausbildung-zum-geomatiker-ein-job-mit-guten-aussichten-a-875780.html)
Der nicht existierende Fachkräftemangel hat also die Geobranche erreicht? Na dann. Ich habe selber Ausbildung und Studium in der Branche gemacht und kann sagen, dass sowohl Unternehmen als auch Behörden mehr als wählerisch sind wen sie einstellen. Weil wiele Stellen schon seit Jahren besetzt sind aus einer Zeit wo man keine Alternativen hatte. Vermessungstechniker, Geographen, Geologen, Kartographen, Informatiker oder sonstwer ist - seit Jahren arbeiten mit GIS-Programmen zur Auswertung, Analyse und Darstellung von Geodaten auch Leute die aus Mangel an Alternativen sich die Materie durch Fortbildungen etc. aneignen mussten. Ein weiteres Problem bei der ganzen Verarbeitung von Geodaten ist, dass das heute JEDER kann der an die Daten herankommt - Was in Deutschland zugegebenermaßen schwieriger ist als z.B. in den USA. Leistungsstarke Programme sind jedoch open-source und die Handhabung mit entsprechendem Interesse gut erlernbar. Ich persönlich halte den Markt für mehr als übersättigt, sollte sich an der allgemeinen Einstellung der Unternehmen und Behörden zu den Leuten die sie einstellen WOLLEN nichts ändern denn, dass es von Fachkräften in dem Bereich zu wenige gibt, halte ich schlicht für eine Lüge. Wenn ich sehe wieviele Azubis und Akademiker quer durch die Branche allein Mitte 2000 auf den Markt "geschissen" wurden.
2. Fachkräftemangel?
kommenttator 06.01.2013
Ich arbeite auch in der Branche und bin darin vom kleinen Ingenieurbüro bis zur großen Verwaltung unterwegs. Fachkräftmangel? Von welchem Planeten wird hier berichtet? Sicher, es werden hier und da Spezialisten gesucht. Wie immer aber mit einem Gehalt am Existenzminimum und befristet. So schlimm kann der "Fachkräftemangel" also nicht sein.
3. Keine Zustimmung
deadlin3 06.01.2013
1. Dass der Markt für "Vermesser" überschwemmt ist, kann man pauschal nicht bestätigen. Für den Vermessungstechniker mag das stimmen, zumal ich nicht wirklich einen Unterschied ausmachen kann zwischen dem herkömmlichen Techniker und dem "Vermesser der Welt" genannten Geomatiker. Die Zusammenlegung der Ausbildungen zum Bergvermesser, Kartograph und Vermessungstechniker werden dieser Überkapazität nicht zuträglich sein. Da von "guten Aussichten" auf dem Arbeitsmarkt zu sprechen halte ich auch mehr als fraglich. 2. Beim Geomatiker von dem "Vermesser der Welt" zu sprechen kommt dieser Bezeichnung nicht im Geringsten nahe, zumal ja die Anspielung auf das Buch Kehlmanns hier eindeutig ist. Das es in diesem aber um zwei der größten Gelehrten unserer Menschheit ging lässt an der Qualität und Richtigkeit dieser Aussage zweifeln. Bei einem studierten Geodäten und bei der englischen Bezeichnung Geomatic, die noch am ehesten unserem Geodäten nahe kommt, mag diese Bezeichnung (hoffentlich) zumindest in Grundzügen stimmen. Bei einem ausgebildeten Geomatiker würde ich aber eher von einem halben Vermessungstechniker mit Geoinformatik-Kenntnissen sprechen. Ein Studium der Geodäsie ist auf jeden Fall einer Ausbildung vorzuziehen um von einem "Vermesser der Welt" zu sprechen. Alles andere würde einen studierten Markscheider oder Geodäten beleidigen und überflüssig machen. Denn das Verständnis oder die Entwicklung der genannten GIS-Programme kann nicht von einem Geomatiker verlangt werden. Da muss man dann auch differenziert betrachten an welchen Stellen, mit welchen Arbeitskräften und warum der Arbeitsmarkt "überschwemmt" ist. In den Behörden oder in einer mittelständischen Firma zur Geodatenverarbeitung wird viel zu häufig aus Kostengründen auf Vermessungstechniker (zukünftig Geomatiker) zurückgegriffen, weil gut ausgebildete, studierte Geodäten nicht bezahlbar sind! Da ist der Bedarf und wohlbemerkt der Engpass in der Ausbildung/ im Studium. Ein Bruttogehalt von 2000 Euro lockt keinen Geodäten in ein Amt und einen (selten verfügbaren!) Bergvermesser nicht in ein Unternehmen. Die wenigen studierten Vermesser werden von den großen Firmen und Ingenieurbüros mit anderen Zahlen abgeworben, noch aus dem Studium heraus!
4. In der Branche.......
habnichviel 06.01.2013
gibt es doch bestimmt auch Arbeitnehmerüberlasser. Da können sich doch die Firmen und Behörden von den vermieteten Leihhunden erst mal ein Bild machen. Tja, der Gulag ist wohl schon überall präsent, armes Deutschland.
5.
SächsischerGoldmann 06.01.2013
"Die Gehälter variieren zwischen 500 und 900 Euro brutto im Monat, das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt im Schnitt bei 2000 Euro brutto" ??
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