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Ausnutzberufe Kannst du mal schnell?

Hier mal kurz helfen, dort einen Blick drauf werfen: Wer einen Beruf hat, der Freunden nützen kann, ist bei denen für Rat und Tat gefragt. Wie weit darf Freundschaftsdienst gehen? Ein Jurist, eine Medizinerin, ein Handwerker und eine Illustratorin erzählen.

Nette Hilfe unter Freunden oder nervige Anfragen aus dem Bekanntenkreis? Gut ausgebildete Fachleute sind im Berufsleben gefragt - aber auch privat kann der Kontakt zu einem Juristen, Arzt oder Elektriker ungemein nützlich sein.

Streikt am Wochenende die Waschmaschine, gibt es Ärger mit dem Vermieter oder ist eine zweite Medizinermeinung gefragt - einfach die Handynummer des besten Kumpels wählen. Und schon hat man jede Menge Geld und Zeit gespart. Aber wie finden eigentlich dauergestresste Experten den Dienst unter Freunden? Ein Rechtsanwalt, eine Zahnärztin, ein Heizungsbauer und eine Illustratorin berichten von ihren Erfahrungen.

  Simon Alexander Lück  ist Rechtsanwalt, hat zwei Doktortitel und arbeitet in Berlin Zur Großansicht
Fritz Habekuß

Simon Alexander Lück ist Rechtsanwalt, hat zwei Doktortitel und arbeitet in Berlin

Der Jurist: "Ich ärgere mich, wenn Freunde über den Tisch gezogen werden."

"Schon im zweiten Semester haben mich Freunde, Verwandte oder Bekannte um Rat gebeten, etwa bei mangelhaften Kaufsachen oder Ärger mit dem Vermieter - die Klassiker. Ich habe mich dann schlau gemacht und ihnen gesagt, was sie schreiben sollen. Eigentlich hatte ich damals noch keine Ahnung. Selbst wenn man mit dem Studium fertig ist, weiß man über den Anwaltsberuf noch fast gar nichts. Du weißt einfach nicht, wie es in der Praxis läuft.

Das erste Mal habe ich einem Freund wegen einer Handyrechnung geholfen. Er hatte unbekümmert an der französischen Atlantikküste telefoniert und dann eine richtig hohe Rechnung bekommen. Ich habe ihm ein Schreiben aufgesetzt, das weniger an die Hinweispflichten des Mobilfunkanbieters denn an die Kundenfreundlichkeit appellierte. Am Ende musste er bloß die Hälfte der Gebühren zahlen.

Die meisten Fälle, in denen ich als Student geholfen habe, waren sehr aufwendig für mich. Ich wusste damals noch nicht genug. Spaß hatte ich dabei nicht. Irgendwann habe ich damit aufgehört, es war einfach zu viel Arbeit.

Nach Feierabend nur ein Fall

Mittlerweile arbeite ich als Anwalt in einem Berliner Büro einer großen Wirtschaftskanzlei und berate vor allem Städte, Gemeinden und mittelständische Unternehmer. Ich habe wieder angefangen, meinen Freunden und Verwandten unter die Arme zu greifen, wenn sie juristisch in Schwierigkeiten sind. Manchmal ermuntere ich sie sogar dazu, sich bei mir zu melden. Ich bin ja auch Anwalt geworden, weil ich ein gewisses Gerechtigkeitsempfinden habe. Ich ärgere mich, wenn Freunde oder Familienmitglieder über den Tisch gezogen werden.

Ich habe dabei allerdings eine Regel: Ich arbeite nach Feierabend immer nur an einem Fall. Verloren habe ich dabei noch nie - meistens kann ich abschätzen, ob es sich lohnt, eine juristische Auseinandersetzung anzustreben.

Zuletzt habe ich einer Bekannten geholfen, aus ihrem Fitnessstudiovertrag herauszukommen. Unternehmen spekulieren oft darauf, dass die Nutzer die Kündigungsfrist versäumen und binden sie dann wieder für lange Zeit an sich. Bei solchen Verbraucherfallen kann ich häufig helfen: Nur wenigen ist bewusst, wie weitreichend Gesetzgeber und Gerichte den Verbraucher mittlerweile vor nachteiligen Vertragsklauseln schützen. Meine Bekannte wurde nach einem kurzen, aber nachdrücklichen Anwaltsschreiben aus ihrem Vertrag entlassen. Sie hätte sonst noch mal zwei Jahre Mitglied sein müssen. Mich hat das eine Stunde Arbeit gekostet. "

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fort-perfect 10.10.2012
Zitat von sysopFritz Habekuß Hier mal kurz helfen, dort einen Blick draufwerfen: Wer einen Beruf hat, der Freunden nützen kann, ist bei denen für Rat und Tat gefragt. Wie weit darf Freundschaftsdienst gehen? Ein Jurist, eine Medizinerin, ein Handwerker und eine Illustratorin erzählen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/ausnutzberufe-freundschaftsdienst-nach-feierabend-a-859142.html
Ich bin seit Jahrzehnten in der IT tätig und es war früher so, dass "Hinz und Kunz" ihre Computerprobleme von mir gelöst haben wollten. Ich muss dazu sagen, dass ich im Storage und Virtualisierungsumfeld unterwegs bin und dieses Thema hat nicht gerade viel mit den handelsüblichen PC Problemen von Privatanwendern zu tun..... Am Anfang habe ich noch gute Mine zum bösen Spiel gemacht und meine freie Zeit für diesen Unsinn geopfert, allerdings ist das ein Fass ohne Boden und kann schnell in ein endloses Gefrickel führen.... Inzwischen lehne ich jegliche Hilfe ab, das kostet zwar den einen oder anderen Bekannten, aber schont meine Nerven und beschert mir einen entspannteren Feierabend.
2. Ich kann immer mal schnell und das ist gut so
Fricklerzzz 10.10.2012
Ich habe immer geholfen und bereue es nicht. Es ist richtig, kurzfristig nutzen einen die Freunde aus, aber, wenn es wirklich Freunde sind kommt auch was zurück. Ich habe MS bekommen und bin jetzt vielfach auf Hilfe angewiesen, aber weil ich vor der Erkrankung immer für Andere da war, stehe ich jetzt nicht allein da. Freunde gaben mir jetzt meinen Garten, helfen mir wenn mal was zu bewegen ist oder wenn Reparaturen im Haus anstehen. Auch bei Geld hört die Freundschaft nicht auf. Anscheinend haben die Leute keine Ahnung mehr, was Freundschaft bedeutet. Wer wirklich Dein Freund ist, merkst Du erst wenn Du nichts mehr zu bieten hast und auf Hilfe angewiesen bist. Untehaltungsspielgefährten braucht kein Mensch.
3. ...
rîwen 10.10.2012
Ja... und? Das geht in vielen anderen Berufen auch so. Und ich denke, fast alle, die den Beitrag gelesen haben, können dazu was sagen. "Du bist doch Grafikerin, kannste mir nicht eben ne Anzeige machen? Kannste mir nicht eben mal schnell ne website machen? Ihr fotografiert doch. Könnt ihr nicht eben mal unsere Hochzeit dokumentieren?" Und natürlich für lau. Wir überlegen uns sehr gründlich, wem wir einen Gefallen tun und wem nicht. Die wenigsten Leute bedenken, dass solche Gefallen neben Zeit auch Material kosten. Und Menschen, die glauben, ich fotografiere mal eben ihre Hochzeit mit Standesamt, Kirche, Park und Feier für nüscht und mach mich dann auch noch ein paar Tage dran, um dann 150 Fotos zu bearbeiten, die liegen bei mir ganz falsch. Es ist Auslegungs- und Entscheidungssache. Wenn es ein kleiner Gefallen und ein guter Freund ist, lass ich mich gern überreden, aber irgendwann hört es auf.
4. re
gekkogirl 10.10.2012
Erinnert mich an mein Studium. Fuer meine Masterarbeit war ich auf Gelaendearbeit in einem Staedchen in Suedfrankreich. Regelmaessig kamen Einheimische mit ihren Stein-, Mineralien- oder Fossiliensammlungen vorbei um mich zu fragen was das sei. Letztendlich wurde es mir zu viel und ich habe mit Hilfe der Gemeinde, deren Mitarbeiter wirklich toll waren, einen Steinetag organisiert und alle waren gluecklich - und ich brauchte fuer den Rest meines Aufenthalts nicht mehr selber zu kochen dank einiger Einladungen von Einheimischen. Jetzt haelt sich alles ziemlich in Grenzen, vor allem da meine Arbeit zu abstrakt fuer die meisten ist. Eigentlich schon schade.
5.
pdp-11/34 10.10.2012
Zitat von fort-perfectIch bin seit Jahrzehnten in der IT tätig und es war früher so, dass "Hinz und Kunz" ihre Computerprobleme von mir gelöst haben wollten. Ich muss dazu sagen, dass ich im Storage und Virtualisierungsumfeld unterwegs bin und dieses Thema hat nicht gerade viel mit den handelsüblichen PC Problemen von Privatanwendern zu tun..... Am Anfang habe ich noch gute Mine zum bösen Spiel gemacht und meine freie Zeit für diesen Unsinn geopfert, allerdings ist das ein Fass ohne Boden und kann schnell in ein endloses Gefrickel führen.... Inzwischen lehne ich jegliche Hilfe ab, das kostet zwar den einen oder anderen Bekannten, aber schont meine Nerven und beschert mir einen entspannteren Feierabend.
Das kommt mir irgendwie bekannt vor. Kannste mal "eben"?
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