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Automatenfachfrau Glücksfee in der Spielhölle

Automatenfachleute: Glücksfee in der Spielhölle Fotos
TMN

Das Glück ist unberechenbar. Und Carmen Popov soll dafür sorgen, dass es so bleibt. Die 24-Jährige verdient ihren Lebensunterhalt in Spielhallen. Sie wartet die Automaten.

Spielhallen sind ihr Arbeitsplatz. Carmen Popov weiß, was zu tun ist, wenn der Spielautomat klemmt oder der neue Fünfeuroschein nicht akzeptiert wird. In ganz Nordrhein-Westfalen ist die 24-Jährige unterwegs, reinigt Filter, zieht Schrauben fest und prüft Münzschlitze. Alle sechs Wochen müsse jeder Automat gewartet werden, erzählt sie, wegen "des Schmutzes an den Münzen".

Automatenfachfrau nennt sich ihr Beruf, die Ausbildung dauert drei Jahre. In dieser Zeit lernen die Azubis, wie man Automaten installiert und repariert, egal, ob diese Münzen, Zugtickets, Snacks oder Zigaretten ausspucken. Einen Arbeitsplatz haben sie danach so gut wie sicher. "In der heutigen Zeit wird alles automatisiert. Automatenfachleute haben einen Job mit Zukunft und gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagt Brigitte Seyfried vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

"In der gesamten Branche gibt es häufig Übernahmegarantien", bestätigt Erwin Koschembar, Ausbildungsbeauftragter der Deutschen Automatenwirtschaft. Auch Popov wurde von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen.

"Schon früher habe ich lieber mit Vati am Auto herum geschraubt, als Mutti beim Kochen zu helfen", sagt sie. Nach dem Abitur habe sie nicht studieren wollen. Auf die Idee zur Ausbildung brachte sie ihre Mutter, sie arbeitete in einer Spielhalle.

Auszubildende können zwischen den beiden Fachrichtungen Automatenmechatronik und Automatendienstleistung wählen. Die Fachrichtung Dienstleistung ist weniger technisch. Dort haben Azubis die Wahl zwischen den Schwerpunkten "Kaufmännische Geschäftsprozesse" oder "Kundenbetreuung".

Während im Kaufmännischen etwa Rechnungs- und Finanzwesen und Kassenabschlüsse im Fokus stehen, geht es im Kundenservice zum Beispiel darum, Reklamationen entgegenzunehmen. Wer sich für die Mechatronik entscheidet, hat später die Möglichkeit, sich zum staatlich geprüften Techniker oder zum technischen Fachwirt weiterzubilden. Wer seine Ausbildung wie Popov bei einem Spielhallenbetreiber machen möchte, muss mindestens 18 Jahre alt sein.

Selbst zocken darf sie bei ihrer Arbeit nicht, "wegen dem Außeneindruck auf den Kunden", wie sie sagt. Sonst könne der Eindruck entstehen, dass sie und ihre Kollegen wüssten, welcher Automat wann Gewinne ausschüttet. Doch dort haben Automatenfachleute ausnahmsweise einmal nicht ihre Finger im Spiel. Wo die Münzen letztlich klimpern, entscheidet eine Zufallssoftware.

asc/vet/dpa

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