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Bankkaufmann mal anders Rockermatte trifft Bügelfalten

Bankkaufmann mal anders: "Rock ist ein Zustand aus Glück" Fotos
Juergen Rocholl / FACE / Volksbank

Damit nur ja kein Kunde mosert, gelten bei vielen Banken strenge Kleidungsregeln. Kostüm oder Anzug mit Krawatte sind üblich. Mit langen Haaren und Tätowierungen tanzt Thomas Mank, 56, aus der Reihe. Und findet, dass er gerade deshalb ein Vorbild für die Azubis ist.

"Rock", sagt Thomas Mank, "ist ein Zustand aus Glück." Für ihn ein klassisches Easy-Rider-Szenario - mit dem Motorrad den Highway entlang, den Motor aufdrehen, die Freiheit im Fahrtwind spüren. Dieses Lebensgefühl kultiviert und konserviert Mank, Abi '74, seit Jahrzehnten. Und man sieht es ihm sofort an, mit seiner langen Matte, seinen Tattoos, seinen Lederjeans.

Trotzdem ist Thomas Mank gelernter Bankkaufmann. Es ist eine konservative, eine Bügelfaltenbranche, manchmal muss auch er Anzug tragen. Wie geht das zusammen?

Geträumt von einer Bank-Karriere hat er nicht gerade. Aber Rolling-Stones-Fan war er "schon als Grundschüler", erzählt Thomas Mank - spätestens seit er "Honky Tonk Woman" hörte. "Ich habe die Biografie von Keith Richards gelesen, der Typ ist fleischgewordener Rock'n'Roll." Fan von Alice Cooper wurde er ebenfalls. Und ließ sich tätowieren: beide Arme, beide Schultern, "mit Stones-Zunge, Totenkopf, einem in Flammen getauchten Drachen", zählt er auf; dazu Lederklamotten und Löwenlocken.

Nach dem Abitur hatte Mank "keine Ahnung, was ich beruflich machen wollte". Ein Studium hätten ihm seine Großeltern, bei denen er lebte, nicht bezahlen können. Parallel hämmerten sie ihm ein: "Geh' arbeiten, häng' nicht rum!" In einer Zeitungsanzeige wurde "einer für Botengänge im Aufsichtsamt für Kreditwesen gesucht. Ich bin mit meinem Motorrad hingebraust und habe den Job gekriegt".

Müssen denn Banker wie Bestatter aussehen?

Es wurde sein Einstieg in die Finanzbranche. Anderthalb Jahre arbeitete Mank in der heutigen Bundesaufsichtsbehörde für Finanzwesen in Berlin. Der Job machte ihm Spaß, "ich hatte viel mit Banken zu tun". Auch mit der Berliner Volksbank. "In anderen Banken herrschen ja oft ganz strenge Regeln, ist die Kleidung bis zur Sockenfarbe vorgeschrieben", erzählt Mank. "Bei der Volksbank war das anders. Es gab zum Beispiel keine Pflicht, dass die Männer immer wie Bestatter herumlaufen, sprich zwingend Jackett über einem Hemd tragen müssen. Das hat mich angesprochen - und da kam ich auf die Idee, dass ich dort vielleicht eine Ausbildung als Bankkaufmann machen könnte."

Ein übles Gefühl war es für ihn, sich zum Vorstellungstest die langen Haare abschneiden zu lassen: "Ich dachte, ich verrate ja alle meine Ideale." Beim Blick in den Spiegel versprach er sich selbst, die Haare wieder wachsen zu lassen. "Auch kurzärmelige Hemden konnte ich wegen meiner Tattoos am Bankschalter nicht tragen. Ich hatte das Gefühl, in eine Form gedrückt zu werden, mich zu verbiegen", erinnert sich Thomas Mank. Nur Äußerlichkeiten, klar, aber die können wichtig sein fürs Wohlbefinden.

Nach der Ausbildung arbeitete Mank zunächst in der Auslandsabteilung, hatte weniger Kundenkontakt. Da wurde seine Mähne länger und länger - und keiner störte sich daran. "Irgendwie hatte ich anscheinend immer die richtigen Kollegen und Chefs um mich", sagt er. "Ich wollte mit meinem Aussehen ja niemanden provozieren oder missionieren, ich wollte einfach für mich so aussehen dürfen."

Solange kein Kunde sich beschwert…

Als Mank vor 20 Jahren in eine Schöneberger Filiale wechselte, schaute der Leiter zwar auf die langen Zotteln seines Schalterfrischlings, lächelte dann aber und sagte freundlich: "Solange keine Beschwerden von den Kunden kommen, können Sie aussehen, wie Sie wollen."

Mank engagierte sich im Betriebsrat und kam zu Betriebsfesten "im Glam-Rock-Look mit Plateau-Stiefeln, Leopardenhose und Totenkopf-T-Shirt". Zusammen mit einer Kollegin hatte er die Rockband "Banking Power" gegründet, sie am Synthesizer, er am Mikro; aus der Bank kamen ein Bassist und ein Schlagzeuger hinzu. 1990 hatten sie ihren ersten Betriebsfest-Auftritt, "seitdem mischen wir regelmäßig mit", erzählt Mank stolz.

Acht Jahre später wurde er Betriebsratsvorsitzender und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. "In der Schule war ich auch immer Klassensprecher, von daher passte das", sagt er trocken. Manchmal spüre er bei externen Treffen, dass ihn Menschen aus Führungsetagen anderer Häuser "unmöglich finden, in deren Augen erfülle ich keine Vorbildfunktion für unsere Auszubildenden". Dann verlaufe der Kontakt "frostig - aber das muss ich aushalten".

Thomas Mank, inzwischen 56 Jahre alt, kann gut damit leben. Und vermittelt zugleich jedem jungen Azubi, dass man auch in seiner Branche ein Individuum bleiben darf, denn: "Bankkaufleute sind nicht zwingend biederbrav!"

Autorin Almut Steinecke (Jahrgang 1972) ist Online-Redakteurin und freie Journalistin in Köln.

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insgesamt 7 Beiträge
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    Seite 1    
1. .
oberteil 07.06.2011
Zitat von sysopDamit nur ja kein Kunde mosert, gelten bei vielen Banken strenge Kleidungsregeln. Kostüm oder Anzug mit Krawatte sind üblich. Mit langen Haaren und Tätowierungen tanzt Thomas Mank, 56, aus der Reihe. Und findet, dass er gerade deshalb ein Vorbild für die Azubis ist. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,766557,00.html
Ansichtssache. Ich habe mir schon von kostümierten Damen und Krawatten-Männern keine Lehman-Anteile aufschwätzen lassen.
2. finde
kapitaen1 07.06.2011
ich ja mal erfrischend! :-) Weiter so das sollte Schule machen.
3. Naja...
axel h. 07.06.2011
Hab schon vor 20 Jahren als Azubi erlebt, wie der Filialleiter kurz die Bank verlassen hat und als dann grad kein Kunde drin war (was sich aber jede Sekunde hätte ändern können, ohne dass es rechtzeitig bemerkt worden wäre), sind plötzlich alle 5 Mitarbeiter auf die Tische gesprungen zu nem gemeinsamen ausgiebigen Tanz :D Ist aber nach meiner Erfahrung die ganz große Ausnahme. Sogar 17jährige sind zum Teil nach nur einem Jahr Ausbildung schon so unfassbar spießig unterwegs, wie man es sich bei einem jugendlichen Menschen überhaupt nicht vorstellen kann und mag. Letzendlich bestimmen alleine die Kunden über den Dresscode. Banken sind da eigentlich grundsätzlich sehr anpassungsfähig, solange der Ertrag stimmt...
4. .
tanzschule 07.06.2011
mir wäre die kleidung des bankmitarbeiters auch wurscht.
5. Geil,
Hosterdebakel 07.06.2011
der Gitarrist auf Bild 5 - *rofl* Was die Kleidung angeht, es wird in der westlichen Kultur gerne durch Krawatte und Sakko/Anzug der Hauch der Seriösität versucht zu vermitteln. Bei den Damen geht es dann über Kostüm oder Hosenanzug (Frau Merkelwürdig© außen vor). Das sich dort vielleicht viele "verbiegen" etwas darstellen sollen was sie gar nicht sind. Man schaue sich mal die "Bübchen" im "feinen Zwirn" auf Jobbörsen oder als Azubi in den Banken an. Der Anzug wirkt wie ein Clownskostüm auf einer Trauerfeier. So auch bei Versicherungen oder häufig im Aussendienst. Da finde ich jemand in Jeans und T-Shirt der überzeugend herüberkommt besser als den verzweifelten Versuch seriös zu wirken. (Ging mir bei meiner Tätigkeit für eine Firma die grün/weiße (Boden)reinigungsgeräte vertreibt ähnlich. ^^
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