Im ICE erkennt man sie an der schwarzen Vielfahrer-Bahncard, im Stau am resignierten Gesichtsausdruck, vor der Bushaltestelle am ständigen Blick auf die Uhr: Berufspendler. 1,5 Millionen Menschen wohnen in Deutschland mehr als 50 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt. Manche haben zwei Zuhause - die Wunschwohnung fürs Wochenende und ein Zimmer in Büronähe. Die anderen pendeln täglich.
Für den Weg zur Arbeit brauchen die meisten Mehr-als-50-Kilometer-Pendler laut Statistischem Bundesamt mindestens 60 Minuten - macht täglich zwei Stunden im Auto, Zug oder Bus. Wo sparen Berufspendler diese Zeit ein? Sie schlafen kürzer, treiben seltener Sport und nehmen sich weniger Zeit zum Kochen, zeigt eine Studie von US-Wissenschaftlern.
Wie nervig ist Pendeln? Fünf Berufsnomaden erzählen vom Arbeitsweg zwischen Stadt und Land - mit Bus, Bahn, Auto, Wohnmobil und Kickboard.
"Viele Leute pendeln vom Dorf in die Großstadt, bei mir ist es anders herum: Ich wohne in Dortmund und fahre jeden Tag nach Lippstadt. Für meinen Traumjob als Lichttechnik-Ingenieur in einer Entwicklungsabteilung dort nehme ich in Kauf, dass ich morgens um 6 Uhr aufstehen muss und erst um 19.30 Uhr wieder zu Hause bin. Nach Lippstadt ziehen kommt nicht in Frage, ich bin einfach eher der Großstadtmensch.
Ich versuche alles, um das meiste aus meiner Zeit herauszuholen. Abends schmiere ich mir Brote für den nächsten Tag und packe meine Tasche. Gegen 6.35 Uhr verlasse ich das Haus und brauche etwa zehn Minuten zum Bahnhof. Wenn ich später als 6.39 Uhr in die Unterführung gehe, heißt es für mich: laufen, um meinen Zug noch zu bekommen.
Die Zugstrecke kenne ich immer noch nicht auswendig, weil ich meist Zeitung lese oder schlafe. Ich habe mir dafür extra gute Kopfhörer gekauft: Selbst wenn ich keine Musik höre, bekomme ich kaum Umgebungsgeräusche mit. Um nicht die Haltestelle zu verschlafen, stelle ich mir einen Wecker, der dann in meinen Kopfhörern klingelt. Das hat mich schon öfter gerettet.
Zeit sparen mit dem Kickboard
Nach der 45-minütigen Zugfahrt habe ich in Lippstadt fünf Minuten, um den Bus ins Gewerbegebiet zu bekommen - oft ganz schön knapp. Zum Glück kennt mich der Busfahrer mittlerweile und wartet auch mal zwei Minuten. Von der Haltestelle aus brauche ich zehn Minuten zu Fuß bis zur Firma. Einige Pendler nehmen ein Klappfahrrad mit, ich habe mir ein Kickboard gekauft. Weil der Weg leicht bergauf geht und ich morgens schon ein wenig ins Schwitzen gekommen bin, gehe ich jetzt wieder zu Fuß und bin gegen 7.50 Uhr bei der Arbeit.
Abends zu Hause haue ich mich erst mal aufs Sofa und telefoniere mit meiner Freundin, die noch in der Nähe von Köln wohnt. Fast jedes zweite Wochenende bin ich die letzten anderthalb Jahre auch noch dahin gependelt. Finanziell macht das nichts, weil ich mit der BahnCard 100 deutschlandweit jeden Zug nutzen kann. Mein Arbeitsweg durchquert dummerweise drei Verkehrszonen, da rechnet sich das schon.
Jetzt hat meine Freundin eine Arbeit in Dortmund gefunden, wir ziehen zusammen. Von der neuen Wohnung geht es zum Hauptbahnhof bergab. Ich kann also mein Kickboard herauskramen - und so vielleicht ein paar Minuten sparen."
Aufgezeichnet von Steffen Daniel Meyer
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