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Berufstätige Eltern Mein Kind ist krank - und nun?

Babys: So süß. Und so schnell krank Zur Großansicht
REUTERS

Babys: So süß. Und so schnell krank

Kinder sind schnelle Brüter. Was es an Krankheiten zu holen gibt, räumen sie in der Kita oder Schule flott ab. Müssen Kinder zu Hause bleiben, können Mütter oder Väter Extra-Urlaub erhalten. Es kommt darauf an, was im Gesetz steht, was der Arbeitsvertrag sagt - und ob der Chef mitzieht.

Der Herbst ist da, die Grippewelle rollt. Allein Kindergartenkinder brüten rein statistisch gesehen bis zu zehn Infekte pro Jahr aus. Und auch Schulkinder sind echte Bazillenschleudern, zuverlässig stecken sie einander mit den neuesten Krankheiten an, vom Brockenhusten bis zum Darmsausen. Was tun, wenn die Kleinen schon wieder fiebrig nach Hause kommen? Berufstätige Eltern zerbrechen sich oft den Kopf, wie sie die Betreuung organisieren sollen, vor allem wenn es mal länger als nur ein, zwei Tage dauert.

Gut dran sind Angestellte mit kulanten Arbeitgebern und verständnisvollen Kollegen. Aber den wenigsten Eltern sei klar, auf welche Sonderregelungen sie abseits des Jahresurlaubs Anspruch haben, um im Job frei zu bekommen, sagt Michael Henn, Präsident des Verbands deutscher Arbeitsrechtsanwälte (VDAA). Die weit verbreitete Auffassung, dass Mütter oder Väter in jedem Fall zehn Tage im Jahr zu Hause bleiben dürfen, Alleinerziehende 20 Tage, treffe nicht immer zu: Einheitliche Regelungen über zulässige Fehlzeiten für Beschäftigte mit Kind gebe es in Deutschland nicht, erläutert der Stuttgarter Fachanwalt.

Dennoch können Eltern häufig auf zwei Gesetze bauen. Finanziell am besten kommt weg, wer sich auf § 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) beruft. Der Paragraf legt fest, dass ein Arbeitnehmer in bestimmten Notfällen bis zu fünf Tage lang bezahlt fehlen darf. Dazu zählen beispielsweise die eigene Hochzeit, Todesfälle im engsten Familienkreis, Gerichtstermine - und auch die Erkrankung eines Kindes, wie das Bundesarbeitsgericht 1978 ausdrücklich bekräftigte.

Auf den Arbeitsvertrag kommt es an

Danach muss der Chef den Vater oder die Mutter eines kranken Sprösslings unter acht Jahren bis zu fünf Tage lang für die Betreuung freistellen. In dieser Zeit läuft der Lohn weiter, der Arbeitgeber darf dafür keine Gegenleistung wie etwa nachträgliche Überstunden verlangen.

Der Haken an der Sache: Der BGB-Paragraf darf im Arbeitsvertrag ausgeschlossen werden. Wer sich darauf stützen will, sollte sicherheitshalber in seinen Vertrag schauen. "Manche Arbeitgeber zahlen aber trotzdem, weil sie den Ausschluss als unfair empfinden", so Arbeitsrechtler Henn. Oft habe die Personalabteilung den Vertrag auch nicht präsent und zahle das Gehalt weiter. In einigen Branchen ist eine Lohnfortzahlung bei Krankheit des Kindes ohnehin im Tarifvertrag festgeschrieben.

Ist der BGB-Passus im Arbeitsvertrag definitiv ausgeschlossen und das kranke Kind in der gesetzlichen Krankenversicherung (mit)versichert, können Eltern auf freie Tage sowie Kinderkrankengeld von der Krankenkasse bauen. Dieser Anspruch ist in Paragraf 45 des Sozialgesetzbuches V festgezurrt, allerdings nur unter folgenden Voraussetzungen:

  • Das Kind ist jünger als zwölf Jahre alt,
  • für die Erkrankung liegt ein ärztliches Attest vor,
  • die Betreuung ist notwendig,
  • und im Haushalt lebt sonst niemand, weder Au-pair noch Oma, der das Kind pflegen könnte

Sind alle Punkte erfüllt, zahlt die Krankenkasse Geld, während Vater oder Mutter vom Job daheim bleiben. Eine volle Lohnfortzahlung gibt es allerdings nicht, sondern 70 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, maximal 90 Prozent des Nettogehalts.

Privatversicherte gehen leer aus

Für das erste kranke Kind dürfen die Eltern jeweils zehn Tage (Alleinerziehende 20 Tage) im Jahr zu Hause bleiben. Bei zwei Kindern sind es je Elternteil 20 Tage jährlich (Alleinerziehende 40 Tage), ab drei Kindern je Elternteil 25 Tage (Alleinerziehende 50 Tage). Hat das Kind eine lebensbedrohliche Krankheit, besteht ein unbefristetes Anrecht auf Freistellung vom Job sowie Krankengeld von der Kasse.

Sind beide Eltern privat versichert, gibt es für sie keine Unterstützung von der gesetzlichen Kasse. Das gilt auch, wenn das Kind selbst privat krankenversichert ist.

Wer die fünf Tage BGB-Sonderurlaub bei vollem Lohn in diesem Jahr bereits verbraucht hat und jetzt noch weitere freie Tage für sein krankes Kind benötigt, kann als Kassenpatient ebenfalls auf das Kinderkrankengeld setzen, wie die Rechtschutzversicherung Arag erläutert. Allerdings springe die Krankenkasse dann nur noch für fünf Arbeitstage ein.

Und was ist, wenn das Kind im regulären Urlaub der Eltern krank wird? Dafür können sie keinen Extra-Urlaub beanspruchen. Nur wenn der Arbeitnehmer selbst während eines Urlaubs erkrankt, verfallen seine Urlaubstage nicht. Dagegen bekommen berufstätige Eltern keine freien Tage gutgeschrieben, wenn sie im Urlaub ihr krankes Kind betreut haben. Der Urlaub gilt dann als genommen, wie das Arbeitsgericht Berlin 2010 entschied (Aktenzeichen 2 Ca 1648/10).

Im Streitfall hatte eine Verkäuferin sechs Tage Urlaub genommen. In dieser Zeit erkrankte ihr minderjähriges Kind und musste von ihr betreut werden. Später wollte sie die freien Tage auf ihr Urlaubskonto zurückgebucht bekommen. Das lehnte der Chef jedoch ab - die Richter gaben ihm recht. Durch die Pflege des erkrankten Kindes ändere sich nichts daran, dass die Urlaubstage genommen seien und der Anspruch darauf verwirkt sei.

Berrit Gräber, dapd/jol

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