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Zehn Jahre nach der Uni Wir wollten irgendwas mit Medien machen

Sie hatten nur eine vage Idee, was aus ihnen werden könnte. Was macht man mit Publizistik, Philosophie oder Medienmanagement? Fünf Absolventen erzählen, in welchen Berufen sie gelandet sind.

Wer nicht weiß, was er werden will, studiert irgendwas mit Medien. Und arbeitet später als Taxifahrer, stimmt's? KarriereSPIEGEL-Autorin Mara Braun hat Menschen befragt, die 2004 in Mainz, Hannover und Gießen ihren Abschluss in Publizistik, Philosophie, Politikwissenschaft oder Medienmanagement gemacht haben. Was wurde aus ihrem Irgendwas-mit-Medien-Traum?

  • Die Unternehmerin: "Lieber Fotografie studieren"

Anne Buch, 33, gründete in der Elternzeit ein eigenes Unternehmen Zur Großansicht
privat; Stephanie Kunde

Anne Buch, 33, gründete in der Elternzeit ein eigenes Unternehmen

Abschlussfach: Publizistik

Berufswunsch zu Studienbeginn: Journalistin

Aktueller Beruf: Unternehmerin

Der Weg dorthin: "Mir wurde im Studium schnell klar, dass Journalismus nicht das Richtige für mich ist. Die logische Alternative habe ich im Bereich PR gesehen, kein Traumjob, aber ich hatte erst mal keine andere Idee. Ich habe zwei Jahre in einer Agentur gearbeitet, dann in einer Unternehmenspressestelle. 2012 bin ich Mutter geworden und habe die Elternzeit ganz bewusst genutzt, um zu überlegen, wie es beruflich weitergehen soll. In meiner Freizeit habe ich Postkartenmotive gestaltet, so entstand die Idee zu www.echtpost.de, einem Portal, über das man Karten per Post verschickt: aus dem Netz in den Briefkasten. Noch in der Elternzeit habe ich die Gründung gewagt und mache nun erste Erfahrungen als Unternehmerin."

Das würde ich anders machen: "Es ist nicht optimal, als Mutter zu gründen: So kann ich nur Teilzeit arbeiten. Aber ich habe die Arbeitspause gebraucht, um mir bewusst zu machen, was ich will. Vielleicht würde ich heute Fotografie studieren, andererseits hat mich der Weg zu meinem eigenen Unternehmen geführt, damit bin ich sehr zufrieden."

  • Der Projektmanager: "Froh, dass es so gelaufen ist"

Thorsten Richter, 41, ist über Umwege ans Ziel gekommen Zur Großansicht
privat; privat

Thorsten Richter, 41, ist über Umwege ans Ziel gekommen

Abschlussfach: Philosophie

Berufswunsch zu Studienbeginn: Redakteur

Aktueller Beruf: Projektmanager

Der Weg dorthin: "Das Abitur habe ich auf dem zweiten Bildungsweg gemacht. Ich habe Philosophie, Politik, Sport und Geschichte studiert und so früh ein Volontariat ergattert, dass ich für die letzte Prüfung nebenher büffeln musste. Nebenher habe ich bei Mainz 05 gearbeitet, wo ich die Pressearbeit als Sprecher im Nachwuchsleistungszentrum begleitete, einen Trainerjob bei der U17 hatte und einen KidsClub gründete. Dann ging es stetig weg vom Journalismus: Erst ein Job als Sprecher im nationalen Arbeitskreis der Deutschen Fußball Liga für KidsClubs, dann der Wechsel zum Sportbund Rheinhessen, erst in die Pressestelle und später als Stellvertretender Geschäftsführer. Als das Angebot der Bundesliga-Stiftung kam, wo Kommunikation und soziale Themen mein Tagesgeschäft sind, war klar: Das ist die perfekte Verknüpfung meiner Interessen."

Das würde ich anders machen: "Wenn ich wüsste, alles käme genau so, würde ich nicht vom Gymnasium abgehen, sondern Abi und Studium direkt erledigen. Da ich nur durch die Umwege meine Frau und den tollen Job gefunden habe, bin ich froh, dass es so gelaufen ist."

  • Die Marketingmanagerin: "Für immer im Auslandssemester"

Theresa Valtin, 35, hat ihr Glück in Schottland gefunden Zur Großansicht
privat; privat

Theresa Valtin, 35, hat ihr Glück in Schottland gefunden

Abschlussfach: Publizistik

Berufswunsch zu Studienbeginn: Journalistin

Aktueller Beruf: Marketingmanagerin

Der Weg dorthin: "Ich war während des Studiums ein Semester in Edinburgh und habe dort meinen Mann kennengelernt. Nach drei Jahren Fernbeziehung bin ich mit dem Abschluss in der Tasche der Liebe wegen nach Schottland. Anfangs war es nicht leicht, Fuß zu fassen und als Nicht-Muttersprachler sehr schwierig, als Journalistin zu arbeiten - also habe ich mich in Richtung PR orientiert. Ich habe in der Kulturbranche Marketing und Pressearbeit gemacht, unter anderem beim Filmhouse, einem renommierten Programmkino und dem Zuhause des jährlichen Edinburgh International Film Festival. Mittlerweile habe ich zwei Kinder und arbeite in der Marketingabteilung der University of Edinburgh - also da, wo ich vor vielen Jahren mein Auslandssemester gemacht habe."

Das würde ich anders machen: "Manchmal frage ich mich, wie mein Leben verlaufen wäre, hätte ich an meinem Berufswunsch festgehalten und wäre in Deutschland geblieben. Aber ich bereue nichts - und meine Familie möchte ich für nichts auf der Welt hergeben."

  • Der Hörfunkreferent: "Alle coolen Praktikumsplätze waren weg"

Srdjan Govedarica, 35, macht heute tatsächlich "was mit Medien" Zur Großansicht
privat; WDR/ Dahmen

Srdjan Govedarica, 35, macht heute tatsächlich "was mit Medien"

Abschlussfach: Medienmanagement

Berufswunsch zu Studienbeginn: Irgendwas mit Medien

Aktueller Beruf: Referent des WDR-Hörfunkdirektors

Der Weg dorthin: "Nach abgebrochenem Soziologiestudium habe ich Medienmanagement studiert und auf einen Job in der Organisation von Medienunternehmen spekuliert. Während des Studiums habe ich eine studentische Werbeagentur gegründet, mich interessierte Markt- und Medienforschung. Mein Pflichtpraktikum 2003 wollte ich in Köln machen, weil meine Freundin Wahlkölnerin ist. Alle 'coolen' Plätze wie Viva oder Brainpool waren schon weg, aber mit viel Glück und wenig Erwartungen kam ich bei einer Radioredaktion der Deutschen Welle unter. Ich durfte am ersten Tag schon auf den Sender und es war um mich geschehen. Radiomachen ist seitdem meine Leidenschaft und das, womit ich mein Geld verdiene: erst als freier Autor, später Volontär und dann Redakteur beim WDR."

Was würdest du anders machen? "Mit meiner Berufswahl bin ich zufrieden - aber ich hätte mir zwischendurch mehr Müßiggang erlauben sollen. Manchmal erwische ich mich dabei zu googeln, wie genau ein Work-and-Travel-Auslandsaufenthalt bei Greenpeace funktioniert."

  • Die Umweltreferentin: "Mein Ziel hat sich erst ergeben"

Kerstin Bertow, 36, hat an den Magister noch eine Promotion drangehängt Zur Großansicht
privat; privat

Kerstin Bertow, 36, hat an den Magister noch eine Promotion drangehängt

Abschlussfach: Politikwissenschaft

Berufswunsch zu Studienbeginn: Irgendwas mit Literatur

Aktueller Beruf: Referentin im Umweltministerium Baden-Württemberg

Der Weg dorthin: "Da ich nicht wusste, was ich werden will, habe ich meine Leidenschaft Literatur zum Studienfach gemacht. Politikwissenschaft habe ich als zweites Fach gewählt, um meine politische Bildung aufzubessern. Der Erweckungsmoment war das Praktikum bei einer Bundestagsabgeordneten: Mich hat das politische Geschäft fasziniert, und ich habe die Mühen politischer Kompromisse begriffen. Ab da habe ich mich mit Enthusiasmus auf das Fach gestürzt, weitere Praktika gemacht, die Magisterarbeit geschrieben und promoviert. In der Zeit habe ich bei NGOs gejobbt und mich in einer Handelskampagne engagiert, danach bei einer Stiftung gearbeitet - und bin jetzt beim Umweltministerium."

Was würdest du anders machen? "Ich hätte nicht zielgerichteter vorgehen können, weil sich mein Ziel erst in der Ausbildung ergeben hat. Für mich war es das Richtige, meiner Leidenschaft zu folgen. Heute habe ich das Glück, dieser Leidenschaft im Beruf nachgehen zu können."

  • Christian Kuhlmann
    KarriereSPIEGEL-Autorin Mara Braun (Jahrgang 1978) arbeitet als freiberufliche Journalistin und Buchautorin in Mainz.

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insgesamt 42 Beiträge
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    Seite 1    
1. da gehöre ich auch dazu
mark e. ting 08.04.2014
ebenfalls vor 10 Jahren mit einem Medienmanagement Studium fertig geworden, allerdings als Dipl.FH. Derzeit in einer großen IT Firma im Vertrieb als Senior Account Manager unterwegs. Nach dem Studium hat der Weg direkt ins Ausland geführt und ich bin immer noch im Ausland. Nach Deutschland komme ich sehr wahrscheinlich nicht mehr zurück. Etwas anders machen: nein. Das Studium war gut. Fazit: Irgendwann interessiert es keinen Menschen mehr was man studiert hat (wenn man nicht gerade Arzt, Richter oder ähnliches werden will)... Hauptsache man hat etwas studiert.
2.
silvertears 08.04.2014
Wenn ihr nicht genau wisst, was ihr wollt, und ihr "irgendwas mit Medien" machen wollt, dann tragt doch Zeitung aus. Ist ja auch "Irgendwas mit Medien". Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man so wahllos bei der Berufsfindung sein kann.
3. Wahllos glücklich...
laelius 08.04.2014
Mir scheint, die hier vorgestellten fünf Absolventen haben alles richtig gemacht, abgerechnet wird eben immer zum Schluss. Wer würde es denn ernst nehmen, wenn jemand sagen würde: "Ich möchte mal eines Tages Referentin im Umweltministerium von Baden-Württemberg werden"?
4.
robeuten 08.04.2014
Zitat von silvertearsWenn ihr nicht genau wisst, was ihr wollt, und ihr "irgendwas mit Medien" machen wollt, dann tragt doch Zeitung aus. Ist ja auch "Irgendwas mit Medien". Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man so wahllos bei der Berufsfindung sein kann.
Hm, ich sehe das ähnlich wie Sie, aber die Gehässigkeit kann man sich hier wohl sparen; die Leute sind alle in Lohn und Brot... Viel spannender wäre es für mich, zu erfahren, wieviele "Akademiker", die "irgendwas mit Medien" gemacht haben, total scheitern, und wie das Verhältnis zu anderen Fächern ist?
5.
vanny1984 08.04.2014
Zitat von silvertearsWenn ihr nicht genau wisst, was ihr wollt, und ihr "irgendwas mit Medien" machen wollt, dann tragt doch Zeitung aus. Ist ja auch "Irgendwas mit Medien". Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man so wahllos bei der Berufsfindung sein kann.
Wie kann man denn mit 16, 17, 18 Jährchen auf dem Buckel wirklich planvoll bei der Berufsfindung sein und vorgehen? Man ist noch mitten in der eigenen körperlichen und geistigen Entwicklung, hat noch nicht viel gesehen, nicht viel erlebt, nur die Berufe überhaupt mal kennengelernt, die man im direkten Umfeld hatte. Ich finde, dieser Artikel zeigt vor allem sehr deutlich, dass sich Entschluss und Erkenntnis, wo man beruflich hin möchte und kann, erst einige Jahre nach dem Schulabschluss entwickeln. Die "Irgendwas mit Medien"-Studiengänge sind da insofern Klassiker, weil sie so unglaublich viele Möglichkeiten offen lassen, keine genaue Richtung vorgeben. Aber ist das nun so schlecht? Wäre es nicht vielleicht insgesamt sinnvoller, wenn man jungen Menschen mehr Raum für die Selbst-Erkenntnis lassen würde? Es gibt sicher auch Ausnahmen, die bereits mit 16 genau wissen, was sie werden wollen und das auch erreichen. Aber die halte ich eher für die Ausnahme als für die Regel...
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