Ob Trickbetrüger, Dieb oder Sexualstraftäter: Wer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wird, muss in den kommenden zwei bis fünf Jahren bestimmte Auflagen erfüllen und darf nicht mehr straffällig werden - sonst kommt er ins Gefängnis.
Damit es soweit nicht kommt, werden die Täter von Bewährungshelfern unterstützt. Dabei geht es zumeist um ganz Alltägliches wie Hilfe bei der Beantragung von Arbeitslosengeld oder bei der Wohnungssuche, erklärt Monika Herz-Moske, Vorstand des Fachbereichs Soziale Dienste der Deutschen Justiz-Gewerkschaft. Bei straffälligen Jugendlichen muss der Bewährungshelfer beispielsweise darauf achten, dass der Teenager eine Ausbildung macht.
Denn genau darum geht es bei diesem Beruf: Die Klienten fit zu machen für ein eigenständiges Leben ohne Kriminalität. Die nach Schätzungen des Berufsfachverbandes rund 3000 Bewährungshelfer in Deutschland müssen dabei einen schwierigen Spagat zwischen kumpelhafter Nähe und distanzierter Kontrolle meistern.
Mit Master "fast überqualifiziert"
Vertrauen zu gewinnen und sich auf den anderen einzulassen, sei der erste wichtige Schritt. "Egal was der Mensch getan hat, man muss ihm erst mal vorurteilsfrei begegnen", sagt Nodes. Gleichzeitig - und hier beginnt die Schwierigkeit - muss der Bewährungshelfer kontrollieren, ob der Verurteilte seine Auflagen erfüllt und zum Beispiel eine Suchttherapie besucht. Tut er dies nicht, muss er das dem zuständigen Gericht melden.
Im Extremfall kann der Bewährungshelfer auch die Aufhebung der Bewährung einleiten: Der Verurteilte muss dann ins Gefängnis. Rund ein Drittel der Bewährungsstrafen werden laut dem Statistischen Bundesamt widerrufen. "Es will nicht jeder Hilfe haben, man kann nicht jeden retten", sagt Herz-Moske. Gerade junge Berufsanfänger täten sich oft schwer, das zu akzeptieren.
Aufgrund dieser anspruchsvollen Aufgaben wird von Bewerbern ein Studium der Sozialen Arbeit oder Sozialpädagogik vorausgesetzt. Auch das Pauken von Paragrafen dürfen angehende Bewährungshelfer nicht scheuen. Dazu kommen Vorlesungen über Psychologie und Psychotherapie.
Herz-Moske rät Studenten dazu, möglichst früh in den Semesterferien ein Praktikum bei der Bewährungshilfe zu absolvieren, wenn sie sich für den Beruf interessieren. Ein Bachelor reicht für die Bewerbung auf eine Stelle aus. "Ein Master ist natürlich schön, aber damit ist man fast überqualifiziert", sagt Lisa Jani, Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, die die Berliner Bewährungshelfer beschäftigt.
Ältere Berufsanfänger sind gern gesehen
Nach einem Anerkennungsjahr und einer weiteren Probezeit werden Bewährungshelfer in der Regel verbeamtet. Die Ausnahme bildet Baden-Württemberg: Hier wurde 2007 die Bewährungshilfe privatisiert. Die Besoldung ist länderspezifisch. In Berlin beginnen Berufseinsteiger laut Jani in der Beamten-Vergütungsklasse A9, bei rund 2000 Euro brutto im Monat, plus Zulagen. Im Laufe der Zeit kann sich das Gehalt je nach Bundesland auf bis zu 3000 Euro brutto steigern.
Auch wenn man nicht reich wird mit diesem Beruf: "Man lernt unterschiedlichste Schicksale kennen", sagt Herz-Moske. Oft betreuen Bewährungshelfer bis zu 100 Klienten parallel. "Einige davon sieht man nur alle drei Monate, aber andere stehen jeden zweiten Tag auf der Matte." Termine am Abend und am Wochenende sind keine Seltenheit.
Die Berufsaussichten für neue Bewährungshelfer seien sehr gut. "Es gibt zu wenige davon, sie werden gebraucht. Dabei kann es helfen, wenn man schon etwas älter ist - Lebenserfahrung ist für diesen Beruf enorm wichtig", sagt Nodes. Denn: "Sympathisch sind sicher nicht alle Klienten, und man wird ab und zu angepöbelt oder angeschrien."
Kein Wunder: Unter den Betreuten sind auch Schläger, Sexualstraftäter und vorzeitig entlassene Mörder. Zwar wurde ihnen bescheinigt, dass sie für die Allgemeinheit keine Gefahr mehr sind - sonst bekämen sie keine Chance auf Bewährung. Trotzdem treffe man sie fast immer in geschützten Räumen wie dem eigenen Büro. Jani weiß: "Wichtig ist, dass der Bewerber persönliche Reife zeigt."
Samuel Acker/lgr/dpa
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