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Ungewöhnliche Bewerbungen Hey Chef, fahren wir ein Wettrennen?

Bewerbungsgespräch: Wer unter größtem Stress entspannt auftritt, gewinnt Zur Großansicht
Getty Images/ Henrik Sorensen

Bewerbungsgespräch: Wer unter größtem Stress entspannt auftritt, gewinnt

Brillantes Anschreiben oder kleiner Plausch - was mehr bringt, fragten US-Forscher. Personaler erzählen, wie bei mutigen Bewerbern der Funke übersprang. Einer erschien mit Kleckerkrawatte, einer prahlte mit seinem Bleifuß.

Die Augen als Fenster zur Seele... mag sein. Aber bei Kontakten im Alltag bewerten wir vor allem die Stimme unseres Gegenübers. Bewerber können sich diesen Umstand zunutze machen: Ein kurzes Gespräch überzeugt meist mehr als jedes brillant formulierte Anschreiben. Das zumindest besagt eine Studie von Juliana Schroeder und Nicholas Epley von der Booth School of Business der University of Chicago.

Für das Experiment an der Uni sollten potenzielle Arbeitgeber Bewerbungen bewerten. MBA-Studenten bereiteten "Elevator Pitches" vor, kurze Selbstbeschreibungen, mit denen sie sich bei einer schnellen Fahrstuhlfahrt (daher elevator) selbst anpreisen (to pitch) könnten. Sie hielten vor einer Kamera ihren Kurzvortrag, dann wurden ihre Worte transkribiert.

Die Personaler des Experiments sollten den Intellekt einschätzen, die Vertrauenswürdigkeit, die Umsichtigkeit, das Urteilsvermögen. Und dazu ihre persönliche Sympathie für den Kandidaten. Ergebnis: Die Einschätzung fiel besser aus, wenn die Stimme des Bewerbers zu hören war. Ob im Video oder nur als Audioaufnahme, das ergab kaum einen Unterschied. Ohne Tonspur jedoch schnitten die Bewerber durchweg schlechter ab.

Was Personalvorstände beeindruckte

KarriereSPIEGEL fragte eine Reihe von Personalern nach ihrer persönlichen Einschätzung. Fast jeder konnte eine Episode aus seinem eigenen Berufsalltag erzählen, wie Bewerber sich mit einem persönlichen Auftritt empfohlen haben. Hier die Anekdoten:

Martin Fischedick, Bereichsvorstand Group Human Resources der Commerzbank AG

"Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem jungen Mann, der sich auf eine Stelle im Vertrieb beworben hatte. Er erzählte, dass er schon als 15-Jähriger Pfefferminze im Garten seiner Großmutter gepflückt, in kleine Tütchen verpackt und mit eigenem Logo auf dem Wochenmarkt verkauft hatte. Von dem verdienten Geld konnte er sich sogar eine Vespa kaufen. Das hat uns von seinen verkäuferischen Fähigkeiten überzeugt, wir haben ihn eingestellt."

Werner Zedelius, Personalvorstand der Allianz SE

"Nach einem Workshop kam ein Mitarbeiter auf mich zu, sagte: 'Ich würde gerne in Ihrem Bereich arbeiten.' Er war sich bewusst, wo seine Stärken lagen, aber auch, was ihm fachlich noch fehlte. Er war auch bereit, sich international zu bewegen. Seine Offenheit hat mich überzeugt: Hier ist jemand agil genug, eine neue Herausforderung konstruktiv anzugehen. Aus dem spontanen Gespräch entstand ein intensiver Austausch. Heute hat er eine Schlüsselrolle in einer großen osteuropäischen Tochtergesellschaft."

Kai Teute betreibt Dominos Pizza in Norddeutschland

"Bei uns hat sich einmal ein Fahrer beworben, der mit mir um die Wette fahren wollte. Uns war klar, dass wir den Herrn unbedingt einstellen sollten. Es war die richtige Entscheidung. Wir haben trotz Blitzauslieferungen noch keinen Unfall zu verzeichnen."

Dirk Martin, Gründer und Geschäftsführer des Software-Dienstleisters PMCS.helpLine

"In einem Assessment-Center mit acht Bewerbern fiel ein junger Bewerber auf, weil er keine Krawatte trug. Stattdessen lugte unter dem aufgeknöpften Hemd ein buntes T-Shirt hervor. Als er unsere irritierten Blicke bemerkte, erzählte er uns in breitem Wienerisch die Geschichte seiner Anreise. Mehrere Missgeschicke und Pannen am Flughafen-Check-in hatten dazu geführt, dass die Krawatte in Kaffee 'ertränkt' worden war. Die 'vollgekleckerte' Trophäe schwenkte er als Beweis über seinem Kopf. Wir haben alle sehr gelacht. Heute arbeitet er bei uns erfolgreich im Vertrieb."

Katrin Adt, Vice President HR Development & HR Services bei der Daimler AG

"'Ich werde das Automobil abschaffen' - das war der erste Satz eines Bewerbers in einem Vorstellungsgespräch. Ob wir ihn eingestellt haben? Ja. Denn wir wollen Talente, die umdenken, weiterdenken und quer denken. Es lohnt sich, Bestehendes infrage zu stellen. Auch Carl Benz hatte sich damals zum Ziel gesetzt, die Pferdekutschen abzuschaffen. Heute fahren wir damit sehr gut. Wir sind ein Mobilitätsdienstleister und fördern Kolleginnen und Kollegen, die diesen Weg mitdenken und mitgehen."

Aber woher rührt der Vorteil des persönlichen Vorsprechens? In der Stimme werden zusätzliche Feinheiten wahrgenommen, schreiben die Autoren der Studie aus Chicago. Denn Betonung, Rhythmus und Tonlage verraten viel über die Gefühle des Sprechers.

In einem weiteren Experiment ließen die Wissenschaftler die schriftlichen Pitches von Schauspielern vorlesen. Wie weibliche Stimmen wirken, ist umstritten, so Co-Autorin Juliana Schroeder: "Manches deutet darauf hin, dass weibliche Stimmen wärmer klingen, andere Studien lassen vermuten, dass sie als weniger kompetent wahrgenommen werden." In ihrem Experiment erhielten die weiblichen Stimmen höhere Bewertungen bei der Sympathie und dem Gesamteindruck.

  • Amelia Wischnewski

    Isabell Prophet (Jahrgang 1986) ist Autorin in Hamburg.

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insgesamt 23 Beiträge
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1. gibt
karlsoost 08.04.2015
es einen zweiten Teil? Bei mir werden scheinbar weder Inhalt noch Aussage Vollständig dargestellt. So erscheint mir der Artikel Einbau mehr als flüssig....
2. Firlefanz und Kaffeesatzleserei
Bin_der_Neue 08.04.2015
Äääh, zählt die - idealerweise auch belegbare - fachliche Kompetenz im Bewerbungsgespräch heutzutage überhaupt noch was? Oder geht es es dabei nur noch um Stimmenanalyse, Face Reading und Selbstdarstellung? Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, dass der Informatik- oder Warenwirtschafts- (oder sonstwas) Experte eben NICHT der König der Rethorik sein könnte, weil er sonst Politiker o.ä. geworden wäre? So weit kann es mit dem vielzitierten Fachkräftemangel ja nicht her sein, wenn sich unsere Personalchefs noch immer diesen Hokuspokus erlauben (dürfen).
3. Die gute Freie Mitarbeiterin
jhea 08.04.2015
sollte sich besser einen anderen Job suchen oder anfangen vollständige Artikel zu schreiben. Der hier bricht ja mitten drin einfach ab.
4. Kompetenz
kuelle 08.04.2015
Schön, dass Personaler heute nicht nur auf Zeugnisse schielen, meine waren stets gut, aber ich hatte unter meinen Mitstudenten jede Menge Auswendiglerner, denen jede Fachkompetenz abhanden kommt, wenn kein Schema F vorliegt. Außerdem sind Ausbildungen fast immer nur Eintrittskarten welche teuer sind, lernen muß man viel unnützen Mist.
5.
Here Fido 08.04.2015
Zitat von jheasollte sich besser einen anderen Job suchen oder anfangen vollständige Artikel zu schreiben. Der hier bricht ja mitten drin einfach ab.
Stimme Ihnen zu: der Artikel ist völliger Mist und der ganze Aufbau mit dem abrupten Ende misslungen. Aber vielleicht war die Dame im Elevator Pitch ziemlich gut. Andauern werden uns hier Artikel/Interviewsvon Beratern präsentiert, die alle letztendlich nur auf Schauspielerei hinauslaufen. All diese Fake-Persons - ekelhaft.
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Kommt drauf an. Im Vorstellungsgespräch darf die Frage eigentlich nicht gestellt werden, aber später, wenn das Auswahlverfahren fortgeschritten ist und der Mitarbeiter in spe einen Personalfragebogen ausfüllen soll, verbieten sich falsche Angaben. Also können Sie auch gleich Ihre Karten, zumindest ein paar davon, auf den Tisch legen. Wenn eine zu große Lücke zu Ihrer im Anschreiben geäußerten Gehaltsvorstellung klafft, weichen Sie geschickt aus: "Das ist schwer zu sagen, weil ein Teil meiner Vergütung leistungsabhängig gezahlt wird. Mein monatliches Grundgehalt beträgt zwar nur x Euro, aber mit Bonus und Provisionen kann ich auf jährlich y Euro kommen, was ja ungefähr meiner Gehaltsvorstellung im Anschreiben entspricht.
"Haben Sie Kinder?"
Zulässig. Der Familienstand gehört wie Name, Anschrift und Geburtsdatum zu den grundlegenden Daten, die der Arbeitgeber braucht, um beispielsweise den Ansprüchen der Sozialversicherung gerecht zu werden oder um im Falle von betriebsbedingten Kündigungen eine Sozialauswahl zu treffen.
"Wollen Sie Kinder haben?"
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"Haben Sie Punkte in Flensburg?"
Kommt drauf an. Prinzipiell sind Fragen nach Gesetzesverstößen oder Vorstrafen nicht erlaubt. Es sei denn, es besteht ein Zusammenhang zu der angestrebten Tätigkeit. Ein Berufskraftfahrer, der beim nächsten Rotlichtvergehen den Führerschein verliert, wäre für ein Umzugsunternehmen eine Fehlbesetzung. Genauso müsste sich jemand, der am Schalter einer Bank sitzen soll, die Frage nach einem Vermögensdelikt gefallen lassen.
"Haben Sie Schulden?
Kommt drauf an. Die Vermögensverhältnisse des Bewerbers sind tabu - eigentlich. Uneigentlich kann der Arbeitgeber ein besonderes Interesse haben, mögliche Konflikte, die mit der Berufsausübung zu tun haben, auszuschließen. Sucht er beispielsweise einen Chefeinkäufer, will er natürlich niemanden einstellen, der aus einer finanziellen Notlage heraus Geldgeschenke von Lieferanten annimmt.
"Sind Sie Allergiker?"
Kommt drauf an. Der Arbeitgeber darf nicht nach Krankheiten oder allgemein nach dem Gesundheitszustand fragen. Doch es gibt Ausnahmen: Typische "Berufskrankheiten" wie Hautallergien bei Friseuren können eine Anstellung des Bewerbers von vornherein sinnlos machen - in diesem Fall ist die Frage erlaubt.
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Kommt drauf an. So pauschal gestellt, braucht man die Frage nicht wahrheitsgemäß zu beantworten. Wenn aber eine bestimmte Schwerbehinderung die Ausübung der angestrebten Tätigkeit unmöglich machen würde, darf der Arbeitgeber sich durchaus erkundigen, ob die Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit erfüllt sind.
"Sind Sie katholisch?"
Kommt drauf an. Religions-, Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit gehen den Arbeitgeber nichts an. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Für ein katholisches Bistum, das die Stelle eines Pressesprechers ausgeschrieben hat, ist die Religionszugehörigkeit ein naheliegendes Auswahlkriterium.
"Haben Sie zu Hause das Sagen oder Ihre Frau?"
Unzulässig. Die Frage geht zu weit ins Privatleben. Ein Zusammenhang zur künftigen Tätigkeit lässt sich beim besten Willen nicht konstruieren. Überhaupt müssen Fragen zum Lebenspartner nicht beantwortet werden.
"Sind Sie homosexuell?"
Unzulässig. Fragen zur sexuellen Orientierung haben im Vorstellungsgespräch nichts zu suchen. Ebensowenig darf sich der Personaler danach erkundigen, wann Sie zum ersten Mal Geschlechtsverkehr oder wie viele Partner Sie bislang hatten.

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