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Fehlbesetzungen Den Job bekommt oft der Falsche

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Corbis

Bewerbungen: Immer die Falschen! Es ist zum Haareraufen

In Personalabteilungen sitzen keineswegs nur Profis mit goldenem Händchen für die richtigen Bewerber. Eine Studie zeigt: Häufig treffen Chefs und Personalentscheider teure Fehlentscheidungen - ob sie selbst in sozialen Netzwerken fischen oder Headhunter jagen lassen.

Personaler sind auch nur Menschen - sagen sie gern von sich, stimmt ja auch. Jetzt zeigt eine Untersuchung, wie menschlich es im Recruiting zugeht. Denn die Gleichung "Irren ist menschlich" könnte auch als Überschrift gelten für die Studie "Recruiting Trends 2014" der Münchner Personalberatung Pape. 2800 Personalchefs und Geschäftsführer unterschiedlich großer Unternehmen wurden anonym befragt - und gaben teils erstaunliche Einblicke in ihre Welt.

So gab gut ein Drittel zu, in den vergangenen sechs Monaten mindestens eine personelle Fehlentscheidung getroffen zu haben. Die Kosten für einen solchen Flop schwanken zwischen 30.000 und 100.000 Euro. Im Vertrieb und Management richten die nicht geeigneten Kollegen dabei den größten Schaden an.

Die meisten Besetzungsböcke schießen mittelständische Unternehmen - oder gaben sie zumindest am häufigsten zu. "Es kann sein, dass die kleineren Firmen nur ehrlicher sind als Recruiter in Konzernen oder dass eine Fehlentscheidung dort mehr auffällt", interpretiert Personalberater und Studienleiter Christian Pape das Ergebnis.

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Bewerben mit Xing und LinkedIn: "Der rote Faden fehlt völlig"
Bei den Gründen hielten sich die Teilnehmer bedeckt: Eigene Fehler zuzugeben ist das eine - sie zu begründen, etwas anderes. So gaben 23 Prozent an, dass keine bessere Bewerbung vorlag, jedem fünften war der Zeitdruck zu groß, und einer von zehn Befragten empfand die Recruiting-Methode als unpassend für die Stelle. Anders formuliert: Man wusste von vornherein, dass ein Misserfolg nicht unwahrscheinlich ist. Selbstkritik klingt anders.

Jagen und jagen lassen

Einer der Gründe für Fehlbesetzungen ist sicher auch der Social-Media-Hype: In sozialen Netzwerken versuchen ungeschulte Mitarbeiter gute Kandidaten zu identifizieren. Besonders leicht finden sie jene, die intensiv einen Job suchen. Dabei suchen sie eigentlich eine andere Zielgruppe: die "erfolgreich Beschäftigten". "Man erreicht so nicht den besten Kandidaten im Markt, sondern nur den vermeintlich besten, gerade verfügbaren Bewerber", erklärt Personalberater Pape.

Mit Ausnahme der Konzerne sind knapp 80 Prozent aller anderen Unternehmen sehr unzufrieden mit den Ergebnissen, die sie aus der aktiven Ansprache von potentiellen Kandidaten über soziale Netzwerke wie Facebook und Business-Plattformen wie Xing erzielen.

Also nicht selber im Netz rumstöbern, sondern lieber den klassischen Headhunter rufen? Auch nicht pures Gold: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten ist unzufrieden mit der Leistung von Personalberatern. 38 Prozent der Mandate werden nicht erfüllt - der Berater findet schlichtweg niemanden für die offene Stelle.

Was funktioniert: Das eigene Netzwerk ist das einzige Instrument der Personalbeschaffung, mit dem die meisten (79 Prozent) zufrieden sind. Auch interne Mitarbeiterempfehlungen empfinden sechs von zehn als erfolgsversprechend. Diese Strategie ist jedoch wenig zukunftsträchtig: Wer nur aus den eigenen Reihen fischt, hat ein endliches Reservoir an Kräften, vergibt sich die Chance auf frischen Wind und andere Blickwinkel. Denn Menschen, die aus dem Umfeld rekrutieren, neigen zur homogenen Reproduktion - auf Deutsch: Hans zieht Hänschen nach. Und Gretel oder Aysche haben wenig Chancen.

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