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Bewerbungstipps für Ältere Arbeiten bis 67? Schön wär's!

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dapd

Eine längere Lebensarbeitszeit ist ein ständiges Streitthema in der Politik. Dabei haben oft schon 50-Jährige große Probleme, eine neue Stelle zu finden. Wer klug argumentiert, statt sich für sein Alter zu rechtfertigen, kann die Chancen verbessern.

Für Bewerber aus der Altersgruppe "50plus" ist es nicht leicht, noch einen Job zu bekommen. Umso wichtiger ist es, dass sie sich beim Bewerben richtig verkaufen. Sie wollen noch lange nicht zum alten Eisen gehören, werden aber auf dem Arbeitsmarkt mitunter gnadenlos aussortiert - und empfinden es als Verhöhnung, wenn im Bundestag zugleich über eine längere Lebensarbeitszeit und "Rente mit 67" debattiert wird.

Immerhin: Arbeitsmarktforscher rechnen künftig mit deutlich größeren Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer, schon wegen des grassierenden Fachkräftemangels. Nach einem Bericht der Bundesregierung ist die Beschäftigungsquote der 60- bis 64-Jährigen im zweiten Quartal 2010 auf rund 41 gestiegen, mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2000. Bei den 55- bis 59-Jährigen lag sie 2009 bei knapp 70 Prozent und legte damit binnen zehn Jahren um 13 Prozentpunkte zu.

Offiziell, so sieht es das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor, darf es keine Diskriminierung aufgrund des Alters geben, so wenig wie etwa aufgrund des Geschlechts, der Herkunft oder der Religion. Nur die Wirklichkeit bei Einstellungsentscheidungen richtet sich nicht danach. "Der Name 'Ali' oder das Lebensalter reichen leider häufig aus, um sofort aus dem Stapel von Bewerbungen aussortiert zu werden", sagt Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Inzwischen experimentieren einige Firmen mit anonymen Bewerbungen, also ohne persönliche Details und Fotos. Doch selbst dann wird aus dem Lebenslauf oft das Alter eines Job-Interessenten schnell deutlich.

Wie können ältere Bewerber skeptischen Arbeitgebern den Wind aus den Segeln nehmen? Einige Tipps:

  • Mit Erfahrung punkten, Alter elegant verkaufen

Alter ist hierzulande ein eher negativ besetzter Begriff. Erfahrung klingt da besser. Mit dem Hinweis auf 20 Jahre Berufserfahrung punkten Bewerber aber nicht automatisch, erklärt der Stuttgarter Karriereberater Heiko Lüdemann. Denn auf die Dauer einer Tätigkeit allein komme es nicht an; sie müssten konkret beschreiben, was ihre Erfahrung ausmacht. "Man kann zum Beispiel sagen: 'Ich habe gute Kontakte und kenne die Prozesse in der Branche sehr gut'", so Lüdemann. Außerdem sollten Bewerber ein oder zwei Beispiele für Projekte geben, für die sie verantwortlich waren.

Der Bewerbungsberater Gerhard Winkler aus Berlin rät sogar davon ab, das eigene Lebensalter groß zu thematisieren: "Alter ist nie ein Argument." Es gehe vielmehr um Kompetenz. Er rät daher laknosch: "Sprechen Sie von Ihrem Alter nur im Altersheim." Es reicht also, wenn das Geburtsdatum im Lebenslauf steht.

Noch schlimmer ist es, das eigene Alter schönzureden. "Schreiben Sie bloß nicht: 'Ich bin 50 Jahre jung'", warnt Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München, "das ist lächerlich." Und mit solchen Aussagen machten Bewerber ihr Alter nur zum Problem.

  • Nicht fürs Alter entschuldigen

Demut ist eine Tugend - beim Bewerben sei sie aber fehl am Platz, sagt Lüdemann. So sei es ein typischer Fehler von älteren Bewerbern, sich lang und breit zu rechtfertigen. Er habe das kürzlich in einer Schulung beobachtet: "Da hat sich eine Frau permanent dafür entschuldigt, dass sie zwei Kinder und jetzt mehrere Jahre nicht gearbeitet hat." Das komme beim Personaler so an, als ob sie denkt: "Ich würde mich auch nicht einstellen." Stattdessen sollten ältere Bewerber versuchen, sich selbstbewusst zu präsentieren. Dafür müssten sie ihre Stärken kennen und herausstreichen.

Hoffnungslos sei es dagegen, auf der "Mitleidsschiene" an einen Job kommen zu wollen, ergänzt Winkler - "Sie verhandeln mit einem Arbeitgeber und nicht mit einem Altersversorger". Bewerber dürften daher nicht träge oder gar verbittert wirken. Statt zu jammern, sollten sie lieber von ihren Leistungen sprechen.

  • Vorurteile offensiv kontern

Arbeitgeber trauen älteren Bewerbern oft nicht die Motivation und den Elan zu, einen Arbeitsplatz auszufüllen. Heiko Lüdemann rät, damit offensiv umzugehen. Er sieht es als Fehler, wenn Bewerber "nicht den Mut haben, vorurteilsbehaftete Themen selber anzusprechen" und so die Gelegenheit verpassen, Vorurteile zu entkräften. So könnten Bewerber dem Personaler im Vorstellungsgespräch zum Beispiel sagen: "Sie denken jetzt vielleicht, der ist ja schon 58 und will gar nicht mehr. Ich kann Ihnen aber sagen: Ich will."

  • Lernfähig zeigen

An Älteren klebt auch das Image, weniger lernfähig und lernwillig als jüngere Arbeitnehmer zu sein. Um dem entgegenzuwirken, sollten Bewerber dem Personaler signalisieren, dass sie immer noch bereit sind, sich weiterzubilden, sagt Lüdemann.

Zwar sei ein Betrieb keine Volkshochschule: "Die suchen jemanden, der den Job macht und kann." Es komme aber gut an, wenn ältere Bewerber zum Beispiel ihre Fremdsprachenkenntnisse aufgefrischt oder einen EDV-Kurs besucht haben. So räumen sie vielleicht auch gleich mit dem Vorurteil auf, dass sich Ältere nicht so gut mit Technik auskennen.

  • Keine Lebensgeschichte erzählen

Ältere Bewerber haben, das bleibt nicht aus, meist einen langen Lebenslauf. Lüdemann rät davon ab, alles aufzulisten, was sie beruflich gemacht haben. Weniger ist mehr - das gelte bei der Stellensuche gerade für Ältere: "Man muss auf den Punkt bringen, was für den neuen Job wichtig ist."

  • Flexibel sein, auch wenn's mal schmerzt

Kompromissbereitschaft kann die Jobchancen deutlich erhöhen. Ältere Bewerber sollten also Stellenangebote nicht gleich ausschließen, wenn sie im Vergleich zum letzten Job Abstriche machen müssten, wenn sie etwa weniger Verantwortung tragen oder das Einkommen geringer ist. "Immer, wenn Sie Angst haben, dass Sie sich verschlechtern, überlegen Sie: Was ist die Alternative?", empfiehlt Gerhard Winkler. "Generell gilt: Überlegen Sie nicht, was die anderen denken. Überlegen Sie, was Sie und Ihre Familie davon haben."

Zu sehr tiefstapeln sollten ältere Bewerber aber auch nicht, findet Leitner. Wer sich nach dem Motto "Hauptsache, ich bekomme einen Job" bewerbe, komme nicht weit. "Dann denkt der Personaler: Da muss etwas faul sein." Ein ehemaliger Abteilungsleiter sollte sich also wieder auf einen leitenden Posten bewerben. Wer von vornherein sagt, dass er zu Einbußen aller Art bereit ist, mache sich unglaubwürdig.

Von Tobias Schormann, dpa/jol

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