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Karneval "Die Maske fängt gleich an zu reden"

Karneval: Jogi Weiß ist der Herr der Masken Fotos
DPA

Fiese Hakennase, böser Blick: Jogi Weiß liebt es, dem Grauen ein Gesicht zu geben. Über 164 Horror-Masken hat der Profischnitzer in seinem Repertoire. An Karneval werden sie dann alle lebendig.

Ziegenköpfe, Knechte und Mägde, Hexen und Fabelwesen: Jogi Weiß kann sie alle. Wenn er mit dem Schnitzeisen seine Holzmasken bearbeitet, sieht es aus, als würde er mit einem Messer in Butter schneiden. Der "Geißfuß", ein messerartiges Werkzeug, fährt am Holz entlang, zeichnet Furchen nach und gibt dem Gesicht Kontur.

Doch was leicht wirkt, ist harte Arbeit: Die dichte Hornhautschicht an den Händen des Maskenschnitzers zeugt davon. Immer wieder hobelt er kleine Schnitze aus dem Holz und vertieft die Linien - er will das Auge noch besser herausarbeiten. "Jetzt wirkt der Blick schon viel schärfer", sagt er schließlich.

Denn stechend und gemein genug kann er nicht sein, schließlich sollen die Masken am Ende möglichst angsteinflößend wirken. 300 bis 400 Fastnachtsmasken - auch Schemen oder Larven genannt - stellt der gelernte Holzbildhauer in seiner Werkstatt im Ravensburger Ortsteil Oberhofen jedes Jahr her, viele davon für Narrenvereine. Hinzu kommen Reparaturen oder Ausbesserungen an gebrauchten Masken.

Er hilft auch bei der Erschaffung neuer Fastnachtsfiguren: Etwa die Hälfte seiner Masken hat er selbst entworfen. "Ich muss von den Vereinen wissen: Männlein oder Weiblein, Tier oder Fabelwesen, welches Alter hat es, wie soll es wirken", sagt Weiß. "Dann hab ich meistens schon das Gesicht im Kopf." Aus einem Holzklotz schnitzt er dann - ausgehend von einem Prototyp - mit einer Kopierfräse die Rohform der Maske. Anschließend wird sie von Hand mit Schnitzwerkzeugen bearbeitet, geschmirgelt, patiniert und bemalt.

"Da kann es schon mal bis in die Nacht hinein gehen"

Zwischen zehn und zwölf Stunden braucht er für jede einzelne Maske. Immer wieder fährt er mit seinem Geißfuß die Konturen einer Schweizer Fasnachtsmaske nach. Viele Male setzt er an den Augenbrauen an, zieht die Linien und Furchen nach. "Manche Schnitzer machen einfach Masken", sagt er. "Aber manche haben es im Blut: Da denkt man, die Maske fängt gleich an zu reden."

Was er für seine Arbeit bekommt, will Weiß nicht verraten. Nur soviel: Er sei einer von wenigen, die das Maskenschnitzen hauptberuflich ausüben und davon auch leben können. Er stellt zwar hauptsächlich Masken, Figuren oder Tafeln für die Fastnacht her, daneben fertigt er aber beispielsweise auch Holzschuhe oder Kasperlefiguren. Fünf Mitarbeiter stehen mit ihm in der Werkstatt, in den Monaten vor und während der Fastnacht ist Hochsaison. "Da kann es schon mal bis in die Nacht hinein gehen", sagt der 50-Jährige.

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Angefangen hat Weiß als kleiner Junge im Ein-Mann-Betrieb: Die Oma spendierte ihm Geld für Kleister, er stellte Pappmaché-Masken her und verkaufte sie für zwei Mark an seine Freunde. Nach der Schule ging er in die Schreinerlehre, dann machte Weiß seinen Meister und zusätzlich noch eine Lehre zum Holzbildhauer.

Die erste Maske, die er geschnitzt hat, war der "Epfelbießer" aus Hilzingen-Weiterdingen im Kreis Konstanz: ein freundlich lachendes Gesicht mit einem großen Apfel im Mund. Die Figur wurde 1990 ins Leben gerufen und soll nach Angaben des Narrenvereins an den traditionellen Obstanbau in der Region erinnern.

Seitdem hat Weiß für rund 80 Narrenvereine aus ganz Süddeutschland, der Schweiz und Österreich etwa 164 verschiedene Maskengesichter hergestellt. Zahlreiche Hexen sind darunter, erfundene Mischwesen, Knechte und Mägde, aber auch Gorillas oder Ziegenköpfe.

Die Narren in der traditionellen Fastnacht verkörpern oft Figuren aus der Dorf- und Stadtgeschichte sowie Fabelwesen oder Tiere, sagt der Freiburger Fastnachts-Experte Werner Mezger. So würde beim Entwurf neuer Masken beispielsweise ein Anknüpfungspunkt an örtliche Erzählungen oder Begebenheiten geschaffen. "Ein Blick in die Maskenlandschaft eines Ortes ist auch ein Blick in den Baukasten lokaler Identität", sagt Mezger.

Kathrin Streckenbach/dpa/mia

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