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Bildungsurlaub Raus aus dem Büro

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Corbis

Lesen am Strand: Gilt leider nicht als Bildungsurlaub

Fünf bezahlte freie Tage zum Englisch lernen oder Yoga üben? Bildungsurlaub macht's möglich. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Wer hat Anspruch auf Bildungsurlaub?

Das hängt vom Bundesland ab. In 14 von 16 Bundesländern haben Beschäftigte einen Rechtsanspruch auf diesen Extra-Urlaub; nur für Arbeitnehmer in Bayern und Sachsen gilt das nicht. Bedingung ist oft eine Mindestgröße des Betriebs und eine Mindestdauer des Beschäftigungsverhältnisses. In Baden-Württemberg beispielsweise müssen Beschäftigte seit mindestens zwölf Monaten im Betrieb sein, in Nordrhein-Westfalen sind es sechs Monate.

Wie viele freie Tage stehen mir zu?

In der Regel sind es fünf Tage pro Jahr. In manchen Ländern wie Berlin lassen sich auch alle zwei Jahre zehn Tage am Stück nehmen. Im Saarland sind es sechs, allerdings gilt hier die Sonderregel, dass Arbeitnehmer für die Hälfte des Bildungsurlaubs ihre Freizeit opfern müssen. Sie werden also höchstens für drei Tage bezahlt freigestellt.

Muss der Kurs berufsbezogen sein?

Nein. Bildungsurlaub dient nicht nur der beruflichen Bildung. Arbeitnehmer können die Zeit auch nutzen, um zum Beispiel Spanisch oder Russisch zu lernen, sich mit politischen Themen wie der EU auseinanderzusetzen oder "Politik, Praxis und Philosophie des tibetischen Buddhismus in Nord-Indien" zu studieren. Auch "Entspannt durch den Berufsalltag mit Yoga" kann ein Seminarangebot sein. Entscheidend ist immer, dass der Kurs in dem jeweiligen Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt ist. Nordrhein-Westfalen etwa schreibt vor, dass Kurse maximal 500 Kilometer von der Landesgrenze entfernt stattfinden dürfen - die Studienreise nach Indien kommt hier also nicht als Bildungsurlaub infrage, in neun anderen Bundesländern schon. Eine gute Übersicht über mögliche Kurse gibt es auf Bildungsurlaub.de.

Wie reiche ich den Urlaub ein?

Der Bildungsurlaub muss rechtzeitig beim Arbeitgeber beantragt werden - und zwar schriftlich, mit allen Unterlagen, die belegen, dass der ausgewählte Kurs ein Bildungsurlaub ist. In den meisten Bundesländern gilt eine Frist von sechs Wochen vor Beginn des Kurses. Musteranträge gibt es beim Kursanbieter oder bei den Gewerkschaften.

Kann der Chef den Bildungsurlaub ablehnen?

Ja, zum Beispiel aus dringenden betrieblichen Gründen. Wie beim normalen Urlaub gilt: Haben im gewünschten Zeitraum schon zu viele Kollegen frei, darf der Chef den Bildungsurlaub ablehnen, muss ihn aber zu einem anderen Zeitpunkt gewähren. Arbeitnehmer können in diesem Fall auch verlangen, dass der Anspruch ins nächste Jahr übertragen wird. Laut einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts muss der Bildungsurlaub auch "einen Mindestnutzen für den Arbeitgeber" haben. Wenn der Kurs im jeweiligen Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt ist, kommen Arbeitgeber mit dieser Argumentation aber kaum durch. Im Streitfall helfen der Betriebsrat oder Fachanwälte.

Wer trägt die Kosten?

Der Arbeitnehmer. In manchen Bundesländern gibt es Bildungsprämien oder Förderprogramme.

Was passiert, wenn ich nicht zum Kurs gehe?

Wer den Bildungsurlaub nur vortäuscht und in Wirklichkeit etwas ganz anderes macht, riskiert die fristlose Kündigung.

vet/dpa

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