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Pflanzen-Doc Operation Topfpflanze

Grünzeug-Experte Packwitz: Bis zu sechs Patienten am Tag Zur Großansicht
Jörg Brüggemann/ Ostkreuz

Grünzeug-Experte Packwitz: Bis zu sechs Patienten am Tag

Jenne Packwitz hat den Daumen grün und rettet Leben - das von kränkelnden Hecken oder Palmen. Bis zu sechs Patienten täglich besucht der Berliner Pflanzendoktor. Erste Hilfe leistet er in den Wohnungen, Dachterrassen und Gärten der Hauptstadt.

Plötzlich war sie braun. Hatte sie zu wenig Wasser bekommen? Oder zu viel? Lag es am Boden? Die frisch gepflanzte Hecke in Berlin-Wannsee würde es nicht mehr lange machen. Mehrere tausend Euro hatte sie gekostet, jetzt stand sie kurz davor zu verenden. Das sah sogar ein Laie. Hilfe musste her, und zwar sofort. Lars Froth, der Eigentümer der Hecke, fand im Internet eine Notrufnummer. Am anderen Ende der Leitung: Jenne Packwitz, 40 Jahre alt und von Beruf Pflanzendoktor. Er hilft Menschen mit kranken Pflanzen.

Die Hecke konnte dank Jenne Packwitz' schnellem Eingreifen vor einigen Wochen tatsächlich gerettet werden, auch wenn es, wie der Pflanzendoktor betont, "sehr, sehr knapp" gewesen sei.

Jenne Packwitz ist gelernter Zierpflanzengärtner. Nach der Ausbildung studierte er Geoökologie in Potsdam. Heute kümmert er sich gemeinsam mit zwei Kollegen um Berlins notleidendes Grünzeug. Auf dem Schild, das an seinem weißen Polohemd klebt, steht: "Leitender Pflanzendoktor".

Laien erkennen den Schaden oft erst, wenn es zu spät ist

Für seine Stammkunden ist er fast jederzeit erreichbar. Sie bekommen seine Handy-Nummer, damit sie im Notfall durchklingeln können.

Im Notfall? Bei Pflanzen? Für manche Kunden seien die wie Kinder, sagt Packwitz: Geht es ihnen schlecht, trübt sich auch die Stimmung der Besitzer. "Es gibt Kundinnen, die haben Tränen in den Augen, wenn sie mir ihre eingegangene Grünpflanze zeigen. Die haben einen emotionalen Bezug zu ihr. Andere reagieren gereizt oder aggressiv." Dann setzen sie all ihre Hoffnung auf den Doktor. Aber manchmal kann auch er nichts mehr tun. "Wenn die Pflanze zu mehr als 60 Prozent beschädigt ist, hat es eigentlich keinen Sinn mehr einzugreifen."

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23  Bilder
Grünzeug im Büro: Meine kleine, vertrocknete Pflanze
Das Problem: Laien erkennen den Schaden oft erst dann, wenn es schon längst zu spät ist. Im Stich lässt Packwitz aber niemanden: "Wer darauf besteht, bekommt natürlich trotzdem Hilfe."

Die meisten Krankheiten erkennt Packwitz mittlerweile auf den ersten Blick, aber ab und an wird es knifflig: "Eines Tages kam ein Kunde mit einer kranken Palme. Sie war so exotisch, dass ich nicht wusste, wie man sie behandeln sollte."

Packwitz nahm Kontakt zu einem Institut auf Hawaii auf, erhielt die notwendigen Ratschläge und rettete die Pflanze dank der passenden Mittel. Mit solchen Herausforderungen geht der Berliner gelassen um. Nur eines kann er nicht leiden - wenn er nach Feierabend Bekannten und Freunden Ratschläge in Sachen Pflanzen geben soll. "Dann verweise ich unnachgiebig auf meine Sprechzeit."

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Hat der Patient sich erholt?

Am Wannsee wartet Heckenbesitzer Lars Froth schon vor seinem Haus auf Jenne Packwitz: Nachkontrolle. Gemeinsam laufen sie langsam die Hecke ab. Packwitz ist gespannt: Hat der Patient sich erholt? Auch Froth ist aufgeregt. Dann die Erleichterung. Der Pflanzendoktor sieht zufrieden aus: "Das ist gut geworden, da musst du dir wirklich keine Sorgen mehr machen."

Vor dem Haus ist die Hecke an einigen Stellen noch etwas braun. Packwitz erklärt seinem Kunden, wie er die kranken Stellen entfernt. "Rausschneiden, und dann muss es aus dem Stamm wieder nachtreiben."

"Hausaufgaben" nennt Packwitz diese kleinen Lektionen. Anstatt selbst Hand anzulegen, lässt er die Kunden arbeiten. "Ich bringe ihnen Dinge bei, damit sie sie später allein machen können." Nach 20 Minuten ist der Hausbesuch vorbei. Feierabend ist aber noch lange nicht.

Bald beginnt die Hochsaison, dann arbeitet Packwitz fast ohne Pause, besucht täglich bis zu sechs Patienten. Auch an den Wannsee wird er bald wieder kommen. Seit dem Beinahe-Verlust der Hecke schaut Jenne Packwitz einmal im Monat bei seinem Patienten vorbei. So sieht er, wo Hilfe nötig ist, bevor es zu spät ist. Vorsorge ist schließlich alles, das ist bei Pflanzen nicht anders als bei Menschen.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Marie-Charlotte Maas (Jahrgang 1984) arbeitet als freie Journalistin in Köln.

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1. Warum nur...
Hupert 22.05.2013
Zitat von sysopJenne Packwitz hat den Daumen grün und rettet Leben - das von kränkelnden Hecken oder Palmen. Bis zu sechs Patienten täglich besucht der Berliner Pflanzendoktor. Erste Hilfe leistet er in den Wohnungen, Dachterrassen und Gärten der Hauptstadt. Bizarre Berufe: Der Pflanzendoktor und sein Grünzeug - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/bizarre-berufe-der-pflanzendoktor-und-sein-gruenzeug-a-901010.html)
...fällt mir da sofort "Dr. Greenthumb" von Cypress Hill ein :-) Das Musikvideo zum Song darf übrigens als eines der lustigsten in der Musikgeschichte geführt werden...
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