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Blogger-Schule "Schnelles Geld verdient man so nicht"

Erst Reiseblogger, dann Bloglehrer: Sebastian Canaves Zur Großansicht
Daniela Singhal

Erst Reiseblogger, dann Bloglehrer: Sebastian Canaves

Geschrieben wird viel, gelesen wenig. Sebastian Canaves weiß, wie schwer es ist, Bloggen zum Beruf zu machen. Sein Erfolgsrezept verkauft er jetzt in Online-Kursen. Erste Lektion: Die meiste Zeit geht fürs Organisieren drauf.

Zur Person
Sebastian Canaves, 25, ist Reiseblogger und bringt in seinem Blog-Camp anderen bei, wie man mit Bloggen Geld verdient. Er hat Internationales Business und Management studiert. Auf seiner Seite Off the Path berichtet er seit 2011 von seinen Reisen und gibt Ratschläge fürs Unterwegssein.
KarriereSPIEGEL: Herr Canaves, Sie sind Blogger und bringen nun in einer Online-Schule anderen das Bloggen bei. Was ist das Wichtigste, damit's klappt?

Sebastian Canaves: Man braucht den richtigen Biss. Es entstehen jeden Tag neue Blogs - und jeden Tag sterben auch etliche. Meist trennt sich nach ein paar Monaten die Spreu vom Weizen. Dann, wenn klar wird, dass ein professioneller Blog richtig viel Arbeit bedeutet und man eine Menge Durchhaltevermögen braucht. Ich glaube, dass jeder ein erfolgreicher Blogger werden kann. Entscheidend dafür ist letztlich die Reichweite.

KarriereSPIEGEL: Und wie bekommt man die?

Canaves: Vermeintlich spannende Reiseanekdoten allein locken nicht mehr. Wichtig ist, dass der Blog einen Mehrwert bietet: Je informativer, desto besser. Einige Themen ziehen von allein, andere Blogger müssen erst auf sich aufmerksam machen, indem sie auf anderen Blogs kommentieren, Gastbeiträge schreiben, in anderen Medien präsent sind.

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Geld verdienen im Internet: Mein Hauptberuf? Blogger!
KarriereSPIEGEL: Was gehört denn so zum Joballtag?

Canaves : Mittlerweile verbringe ich nur noch 20 Prozent der Zeit mit Schreiben, der Rest geht für Vermarktung, Organisation und andere Aktivitäten drauf. Einen Blog einzurichten ist einfach. Dafür zu sorgen, dass regelmäßig neue Inhalte online gehen und die Reichweite stimmt, ist der schwierige Teil. Das sieht ein Laie von außen natürlich nicht.

KarriereSPIEGEL: Wenn man Bloggen als Beruf versteht: Wie verdient man da am besten Geld?

Canaves : Das kommt darauf an, wie kreativ man ist und wozu man bereit ist. Viele Blogger lassen Unternehmen Werbung auf ihren Seiten schalten oder testen deren Produkte, meist in Form von Advertorials. Das heißt: Sie schreiben in ihrem Blog darüber und bekommen dafür ein Honorar. Die Produkte passen meist zur inhaltlichen Ausrichtung der Seite, bei Reisebloggern etwa Rucksäcke, Kopfhörer, Wanderschuhe oder mal ein Hotel-Test.

KarriereSPIEGEL: Lohnt sich das?

Canaves : Der Umsatz hängt von der Reichweite ab. Je mehr Leser ich habe, desto attraktiver bin ich für die Unternehmen. Am Anfang habe ich natürlich recht wenig für einen Beitrag bekommen, mittlerweile werde ich gut bezahlt. Eine weitere gute Einnahmequelle ist es, auf Produkte hinzuweisen, die für den Leser hilfreich sind und sein Leben auf Reisen vereinfachen, und darauf zu verlinken.

KarriereSPIEGEL: Also Empfehlungsmarketing?

Canaves : Genau. Ich empfehle zum Beispiel eine Kreditkarte. Für jede über meinen Blog verkaufte Karte bekomme ich eine Provision. Momentan verdiene ich damit sehr gut. Manchmal startet ein Unternehmen auch ein Gewinnspiel auf meinem Blog, bei dem dann etwa eine Sprachreise nach Nizza ausgelost wird.

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KarriereSPIEGEL: Nervt das die Leser nicht, wenn Sie ihnen ständig irgendwelche Produkte empfehlen?

Canaves : Man darf es natürlich nicht übertreiben. Ich bekomme mittlerweile rund 20 Anfragen von Unternehmen täglich, aber 99 Prozent davon sortiere ich aus. Ich würde meine Leser niemals verarschen und etwas empfehlen, das ich nicht selber für sinnvoll halte.

KarriereSPIEGEL: Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es noch?

Canaves : Etliche Blogger bringen inzwischen auch ihre eigenen E-Books heraus. Andere bieten Online-Kurse an. Das zu etablieren, ist in Deutschland aber schwer. Hier herrscht noch die Mentalität, dass Lernprodukte im Internet möglichst umsonst sein sollten. Das ist etwa in den USA ganz anders. Ich bin aber sicher, das wird sich hier auch noch ändern.

KarriereSPIEGEL: Damit's klappt: Welchen Fehler gilt es unbedingt zu vermeiden?

Canaves : Die häufigste Falle ist der Gedanke, dass man mit Bloggen schnell Geld verdienen kann. Wenn ich von meinem Blog-Erfolg spreche, dann meine ich natürlich die Gegenwart. Viele vergessen dabei, dass ich über zwei Jahre gebraucht habe, um gut davon zu leben. Ich habe mir ein nachhaltiges Business aufgebaut.

  • Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Daniela Singhal (Jahrgang 1983), freie Journalistin und Fotografin in Berlin.
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insgesamt 2 Beiträge
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1.
GoBenn 31.07.2014
Kann Spon nicht mal eine Reihe über richtige Blogs machen? Über Graswurzeljournalismus, lokale Initiativen, die ganzen verrückten Künstler mit ihren Blogs, Kreative, Literaten, schräge Journalsschreiber? Das ist doch, was Blogs unterscheidet von den Medien und Warenhäusern im Netz, wie man sie eh schon kennt. Hier finde ich leider nur junge BWLer, die ein weiteres Geschäftsmodell gefunden haben (wollen). Das aufregend andere ist das aber leider nicht.
2. Leider Langweilig
monro 31.07.2014
Zitat von sysopDaniela SinghalGeschrieben wird viel, gelesen wenig. Sebastian Canaves weiß, wie schwer es ist, Bloggen zum Beruf zu machen. Sein Erfolgsrezept verkauft er jetzt in Online-Kursen. Erste Lektion: Die meiste Zeit geht fürs Organisieren drauf. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/blog-camp-sebastian-canaves-erklaert-wie-man-bloggen-zum-job-macht-a-981798.html
Die Tips sind zwar gute Basics und Tipps für Anfänger, die aber eins vermissen lassen: gute Blogs zeichnen sich durch Ausdauer, Andersein, Kontroverse, Qualität, Kreativität, Einmaligkeit und Herzblut aus. Und dementsprechend sehen auch erfolgreiche Kooperationen, die Aufmerksamkeit und dem Blogger Geld bringen aus. Tolle Beispiele aus Frankreich sind zum Beispiel Make my Lemonade (http://makemylemonade.com/) oder My Little Paris (http://www.mylittleparis.com/), Blogs die erfolgreich und kreativ den Kinderschuhen entwachsen sind und dennoch ihre Identität behalten haben. Vor allem die deutschen Reiseblogger und ihre Blogs leidern unter argem Kreativitätsmangel was Kooperationen angeht. Und leider auch unter starker Vereinheitlichung und/oder Identitätsverlusten. Irgendwann tauchen die gleichen Artikel auf 5 verschiedenen Blogs, 3 verschiedene Blogger werden auf die gleiche Reise geschickt und schreiben nahezu identische Artikel und posten ähnliche Bilder. Und auf einmal findet die Apple-Verfechterin das beworbene Windows-Netbook super klasse, weil sie dafür bezahlt wird. Das wird irgendwann sehr langweilig. Und mit langweilig lässt sich über kurz oder lang nur mittelmäßig Geld verdienen meiner Meinung nach.
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