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Tipps von der Paartherapeutin "Sagen Sie offen, dass der Sex langweilig ist"

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Corbis

Paartherapie: Let's talk about sex

Paartherapeuten sind Experten fürs Bluffen, sagt Katharina Klees über ihren Beruf. Denn das größte Beziehungsproblem ist, dass die Partner sich gegenseitig etwas vormachen - und das oft über Jahre.

Zur Person
  • Felix Schmitt/ SPIEGEL JOB
    Katharina Klees arbeitet seit 1998 als Paar- und Sexualtherapeutin.
KarriereSPIEGEL: Ein Kompliment über das grässliche Hemd, ein vorgetäuschter Orgasmus - in Beziehungen wird immer wieder geblufft. Ist das in Ordnung?

Klees: Nein, niemals. Menschen bluffen nur, weil es bequemer ist, als die Wahrheit auszusprechen. Aber so eine Bluff-Beziehung ist immer oberflächlich, egal, wie lange sie anhält. Es ist viel ratsamer, dem Partner gegenüber ehrlich zu sein und zu sagen: Mir ist dein Geburtstag heute völlig entfallen. Oder eben auch: Der Sex mit dir ist unendlich langweilig.

KarriereSPIEGEL: Selbst auf die Gefahr hin, den Partner durch Ehrlichkeit zu verletzen?

Klees: Ja, denn nur dann wissen beide Seiten, woran sie wirklich sind, und können sich der traurigen Wahrheit stellen. Sich beispielsweise fragen, warum der Sex langweilig ist und was man dagegen tun kann. Nur wer ehrlich miteinander ist, kann eine wahrhaftige Beziehung führen. Bluffen ist ein schlimmes Übel bei Paaren. Es ist der Anfang einer Beziehungs-Fäulnis, die sich fortsetzt und die Partnerschaft am Ende aushöhlt.

So geht Bluffen: Lernen von den Profis
  • Corbis
    Ehrlich währt am längsten? Nicht dort, wo hoch gepokert wird. Wenn Argumente allein nicht zählen, muss das Gegenüber ausgetrickst oder überwältigt werden. Im Magazin SPIEGEL JOB erklären fünf Profis ihre Strategien in Kürze, darunter eine Zauberin, eine Paartherapeutin und ein Rechtspsychologe. Ausführlichere Interviews gibt es in dieser Bluffen-Serie.
KarriereSPIEGEL: Warum tun wir uns dann so schwer damit, immer ehrlich zu sein?

Klees: Wir haben in unserem Denken verankert, immer funktionieren und perfekt sein zu müssen, das geht nur mit antrainiertem Bluffen. Am Arbeitsplatz mag das sinnvoll erscheinen. Aber zu Hause darf es so weit nicht kommen. Wo soll man da noch hin mit seinen Gefühlen? Trotzdem faken sich viele Paare durch die Jahre - und landen irgendwann auf meiner Couch.

KarriereSPIEGEL: Wie geht es dann weiter?

Klees: Zuallererst versuche ich den Paaren beizubringen, aus jedem Streit aktiv auszusteigen, erst dann kann man ernsthaft miteinander reden. Im Folgenden geht es darum, wie in der Kindheit mit Emotionen umgegangen wurde, denn da haben wir häufig gelernt, dass wir nur mit Bluffen weiterkommen. Und in einem dritten Schritt müssen wir diese Beziehungsmuster ändern, bis beide Seiten verstanden haben, dass Ehrlichkeit nicht verletzend, sondern heilsam ist.

KarriereSPIEGEL: Das klingt furchtbar anstrengend.

Klees: Das ist es auch. Aber es ist noch viel anstrengender, dem Partner auf Dauer etwas vorzumachen. Damit der Bluff nicht auffliegt, legen sich viele eine Maske zu. Beim Pokern ist das gut, da gewinnt man durch Vortäuschen und Taktieren. In der Liebe aber verliert man damit immer. Wenn mindestens einer in der Beziehung genau hinschauen will, fliegt jeder Bluff auf.

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KarriereSPIEGEL: Wer blufft häufiger, Männer oder Frauen?

Klees: Oh, das können beide gleich gut. Frauen müssen sich allerdings häufiger Ratschläge von außen anhören, wie sie sich zu verhalten haben: Zeig dem Mann nicht, was du fühlst! Lauf ihm bloß nicht hinterher! Das ist typisches Frauenzeitschriftstheater. Schrecklich.

KarriereSPIEGEL: Wie, Hinterherlaufen finden Sie okay?

Klees: Ich sage nicht, dass frau am Mann kletten sollte. Aber eine Frau, die klug ist, lässt den Partner merken, was sie wirklich fühlt. Je nach seiner Reaktion kann sie dann entscheiden, wie sie handeln will. Alles andere sind Spielchen. Ab einem gewissen Alter sollte damit Schluss sein.

KarriereSPIEGEL: Woher wissen Sie eigentlich, dass die Paare auf Ihrer Couch ehrlich sind?

Klees: Ich merke es in der Regel, wenn mir gegenüber jemand blufft. Neulich hatte ich ein Paar bei mir, der Mann hat während der Sitzung sein Herz ausgeschüttet und gelitten. Seine Frau hat auf das Flehen kaum reagiert, sie wirkte verschlossen und unnahbar. Als ich mit ihr allein war, habe ich sie damit konfrontiert, ob sie eine Affäre hat. Ich lag richtig. Das sind die üblichen Bluffs in Beziehungen: Fremdgehen und Vortäuschen von Leidenschaft beim Sex.

KarriereSPIEGEL: Gab es ein Happy End für das Paar auf der Couch?

Klees: Leider nein. Sie hat ihrem Mann die Seitensprünge gestanden, und er ist fast gestorben daran. Spannend ist, wie es so weit kommen konnte: Sie hatte in all den Jahren der Ehe so getan, als würde sie mögen, was er mochte, und sich dabei selbst verleugnet. Sie war nicht ehrlich, sondern hat geblufft. Daran ist die Beziehung zerbrochen.

  • Das Interview führte Anna-Lena Roth (Jahrgang 1985), Redakteurin bei SPIEGEL ONLINE.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 68 Beiträge
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1. Real World Application
taglöhner 21.10.2014
Eindrucksvoll ist immer die Unbeirrbarkeit von Leuten, die Paare erfolgreich auseinandertherapiert haben.
2. Hervorragend
jever09 21.10.2014
Ich habe diese Bezuehungs - Lügner nie Verstanden. Hier meine Bestätigung, dass ich intuitiv richtig lag.
3.
oxybenzol 20.11.2014
Die Auklärungs-Doku Make Love passt da ja ganz gut ins Bild, und die ablehnende Haltung genauso. Das Problem ist leider, dass Menschen sich an so ziemlich alles gewöhnen können, sonst wäre die DDR schon viel früher unter gegangen.
4.
fridagold 20.11.2014
Zitat von taglöhnerEindrucksvoll ist immer die Unbeirrbarkeit von Leuten, die Paare erfolgreich auseinandertherapiert haben.
Lieber glücklicher Single als unglückliches Paar ...
5. Ehrlichkeit um jeden Preis
hathor1 20.11.2014
... ist nicht geraten! Die Ermunterung zur ungefilterten Ehrlichkeit/Wahrheit birgt die Gefahr, eine Beziehung ebenso schnell zu zerstören als nicht miteinander reden. Manches muss man nicht sagen oder verpackt es besser.
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Aus SPIEGEL JOB 2/2014
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