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Büroalltag Hilfe, ich muss in die Bütt!

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Corbis

Auftritt im Büro: Mehr als der Inhalt einer Rede zählt die Art des Vortrags

"Sagen Sie doch ein paar Worte zum Publikum" - und schon rutscht das Herz in die Hose. Eine Rede zu improvisieren, ist eine Stress-Situation, die regelmäßig im Berufsleben vorkommt. Managementberater Rüdiger Klepsch gibt Tipps, wie überrumpelte Redner unfallfrei zum Punkt kommen.

Martin Luther hat die wesentlichen Erfolgsfaktoren einer Stegreifrede auf den Punkt gebracht: Tritt frisch auf, tu 's Maul auf, hör bald auf! Besser kann man's kaum sagen, das gilt auch rund 450 Jahre später noch. Was bedeuten Luthers Punkte im Büroleben des Jahres 2013?

  • Tritt frisch auf

In der Regel ist eine Stegreifrede eine Chance, weil alle wissen, dass Sie nicht vorbereitet sind. Gelingt Ihr Auftritt auch nur halbwegs, haben Sie schon gewonnen. Vielleicht entlastet es Sie zu hören, dass nach einer Faustregel der Inhalt Ihrer Rede für den Gesamteindruck nur zu 30 Prozent wichtig ist. Zu 70 Prozent entscheiden Gestik, Mimik und Stimme.

Also suchen Sie eine Position, von der aus Sie alle sehen können und wo auch Sie gut gesehen werden können. Stellen Sie sich aufrecht hin, die Füße leicht auseinander, mit den Armen zum Gestikulieren bereit.

Tunlichst vermeiden sollten Sie verschränkte Arme, versteckte Hände oder die Handhaltung eines Fußballers beim direkten Freistoß. Passen Sie in der Folge die Gestik dem Inhalt und dem Raum an: Je größer der Raum, umso kleiner die Gesten. Der wichtigste Gesichtsausdruck ist das Lächeln - wohldosiert eingesetzt. Einen Dauerlächler nimmt niemand mehr ernst.

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Büroleben: Elf Sätze für das Phrasenschwein
Nehmen Sie Blickkontakt auf. Und damit ist nicht der Radarblick über das Auditorium gemeint. Picken Sie sich vielmehr ein Gesicht heraus, verweilen Sie einen Moment, suchen das nächste Gesicht und arbeiten sich so langsam durch den Raum und wieder über andere Gesichter zurück.

Nichts ist "unfrischer" als eine monotone Stimmlage. Nun kann jemand, der üblicherweise monoton spricht, nicht plötzlich zum Stimmwunder werden, wenn er glaubwürdig bleiben möchte. Aber sinnvoll bei zentralen Aussagen laut oder leiser werden, das geht immer.

  • Mach's Maul auf

Wer das Maul aufmacht, sollte idealerweise etwas zu sagen haben. Wenn Sie unvorbereitet sind, heißt es hier wohl Zeit gewinnen. Der einfachste Weg ist das Thema oder die Frage, um die es gehen soll, zu wiederholen. Zudem erwartet keiner, dass Sie sofort loslegen. Machen Sie eine Pause. Das kann die Glaubwürdigkeit erhöhen. Runzeln der Stirn, bedächtiges Schräglegen des Kopfes oder Brille abnehmen und versonnen auf die Gläser schauen, liefern die vielleicht notwendige Begründung, um Zeit zu schinden.

Jetzt muss es schnell gehen: Was ist Ihr Ziel? Es gibt bei Reden bewährte Grundmuster: vom Problem zur Lösung, von der Ursache zur Wirkung, chronologisch berichten. Wählen Sie ein Muster. Alles was Sie jetzt sagen, sollte dem Muster folgen und auf das Ziel hinführen.

Dann heißt es loslegen. Leiten Sie über eine persönliche Erfahrung im Kontext mit dem Thema ein. Oder noch einfacher: Reagieren Sie auf das vorher Gesagte. Und bitte nicht entschuldigen, keiner erwartet eine glänzend ausgefeilte Rede.

  • Hör bald auf

Hören Sie auf, wenn Sie fertig sind. Deshalb ist das Redeziel so wichtig: Wenn das Ziel klar war, müssen Sie nur noch stoppen. Klingt banal? Das fällt vielen schwer!

Selbst wenn Ihnen die Rede anschließend nicht optimal erscheint: Verhalten Sie sich so, als wäre sie ein Erfolg. Es besteht eine gute Chance, dass das Publikum mitspielt. Schließlich fühlen sich dann alle wohl.

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Haben Sie Probleme im Büro?

Jeder kennt sie, die kleinen Ärgernisse des Büroalltags. Die Kollegen tratschen, statt zu arbeiten, der Chef hat von Tuten und Blasen keine Ahnung - und für Sauberkeit in der Kaffeeküche fühlt sich keiner zuständig.

Wenn es Ihnen ähnlich geht, dann schildern Sie uns Ihre Bürosorgen per E-Mail , gern auch anonym. Managementberater Dr. Rüdiger Klepsch nimmt sich des Problems an - und gibt Tipps, wie Sie die Situation am besten meistern.

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insgesamt 6 Beiträge
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    Seite 1    
1. Und schon wieder....
alangasi 19.02.2013
...wird in vielen Büros noch ein wenig mehr geschauspielert.....Wie wäre es denn mal mit: Mach nur den Mund auf wenn du wirklich weist worüber du redest.
2. Mit Verlaub
singpat 19.02.2013
Zitat von alangasi...wird in vielen Büros noch ein wenig mehr geschauspielert.....Wie wäre es denn mal mit: Mach nur den Mund auf wenn du wirklich weist worüber du redest.
... das ist nicht sehr hilfreich und sehr deutsch. Wer entscheidet denn, ob Sie wirklich wissen worueber man spricht? Sie? Gehoeren Sie moeglicherweise zur Gattung der Experten, die kein Ende finden und sich am Liebsten selber hoeren? Ist ja auch kein Wunder, niemand weiss ja mehr ueber das Thema als Sie, oder? Hier geht es darum, wie man eine unerwartete Aufforderung kurz etwas zum Thema zu sagen pariert. Den voellig Ahnungslosen wird es hoffentlich nicht treffen - das waere gemein. Also, sie wissen etwas ueber das Thema, haben aber nichts vorbereitet. Kneifen geht nicht. Dann halten sie sich kurz und knackig. Das will dieser Artikel uns sagen. Und moeglicherweise zeigt dieser Kollege einen neuen Aspekt zu Ihrem exklusiven Wissen auf?
3. ahja
bingo` 19.02.2013
Dieser Tipp hilft viel, wenn man gesagt bekommt, dass man mal etwas zum Publikum sagen soll.
4. Also mir...
rakipo 19.02.2013
... sind unverfälschte Persönlichkeiten lieber. Wenn jemand gerade nichts zu sagen hat und dazu steht, ist das nicht nur ehrlich sondern schont auch die potentiellen Zuhörer. Leute, die um des Redens willen irgendwas sagen, gehen mir schlicht auf die Nerven. Das riecht immer nach Selbstdarstellung. Und die Fernsehwerbung schalte ich ja auch weg...
5. Eine Ergänzung
altair 20.02.2013
Die für mich wertvollste Regel für eine improvisierte Rede (gilt aber auch für geplante Vorträge), die ich vor vielen Jahren einmal gehört habe: Suchen Sie unter den anwesenden Zuhörern eine/n (oder auch einige), von denen Sie spüren, daß sie Ihnen wohlgesonnen sind und Ihnen wirklich zuhören. Konzentrieren Sie sich während Ihrer Rede vor allem auf diese, und wenns nur eine/r ist. Es funktioniert! Sie wagen sich mehr aus Ihrer Deckung, Sie bekommen allmählich Freude und damit Magnetismus, und das Publikum spürt es. Die anderen werden nach und nach hineingezogen. Ganz verkehrt ist es jedenfalls, wenn Sie sich auf kritische/negative/desinteressierte Menschen konzentrieren! Unwillkürlich würden Sie versuchen, diese doch für sich zu gewinnen, womit Sie sich ihnen ausliefern, und Ihr ganzer Vortrag bekommt unschöne Schlagseite. (Natürlich könnten Sie auch, wie uns damals an der Uni empfohlen wurde, einen imaginären Punkt an der Wand konzentrieren. Sowas kann mal nützlich sein, wenn Sie selbst angestrengt nachdenken müssen, aber wenn die Menschen im Publikum Sie nicht persönlich interessieren, dann interessiert sich auch keiner für Sie.)
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Zum Autor
  • Rüdiger Klepsch
    Rüdiger Klepsch arbeitet seit 1990 als Managementberater (Dr. Klepsch & Partner). Er hilft Führungskräften und Mitarbeitern, ihre kommunikativen und sozialen Fertigkeiten zu verbessern. Zuvor war der studierte Psychologe als Psychotherapeut am Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg tätig.
  • www.klepsch-partner.de
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