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Bürogezeter Das kleine Schimpfwort-Abc

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Corbis

8. Teil: Von V wie V3-Ingenieur bis Z wie Zwecktölpel

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V

V3-Ingenieur
vergisst alles, verliert Akten, vernichtet Wichtiges

Ventilator
dauernd am Rotieren, kommt aber nie vom Fleck

Verbesserungsvorschläger
mahnt ausdauernd Verbesserungen im Betriebsablauf oder in der EDV an

Volltischler
Das klingt nach einem derben Büro-Schimpfwort (vgl. "Vollpfosten"). Tatsächlich ist es ein Fachbegriff, den "Clean Desk"-Berater verwenden: für jene Spezies unter Angestellten und Chefs, die auf ihrem Schreibtisch meterhoch alles stapeln, was nicht aus eigener Kraft flüchten kann. Das sind zum Beispiel zehn Jahre alte Prospekte, Konzepte, Manuskripte, Zeitungen und Zeitschriften, aber auch ausgedruckte Mails, Kundenbriefe oder Postkarten. Mitunter reicht die einzige Freifläche gerade noch für eine Kaffeetasse. So signalisiert der Mitarbeiter, dass er jederzeit hoffnungslos überlastet ist. Tatsächlich neigen manche Aktenstapler zum Messie-Syndrom - und können Hilfe vertragen durch Organisationsberater, die mal so richtig aufräumen. So wird man vom Voll- wieder zum Leertischler.

Voodoo-Abteilung
Der Vorgesetzte wirkt völlig verpeilt, sein Team wie ein Käfig voller Narren, die Arbeitsorganisation wie ein einziges Chaos - das Wirken mancher Unternehmenszweige bleibt Kollegen aus anderer Bereichen unerklärlich. Die Voodoo-Abteilung, das ist mal klar, verdankt ihren Output schierer Zauberei: It's a kind of magic.

Vorhaut der Arbeiterklasse
Schmähung für Gewerkschafter, die sich immer dann zurückziehen, wenn es mal richtig ernst wird

Vorkoster
Mitarbeiter, der pünktlich zur Kantinenöffnung Mittagspause macht

VoZiDra
Kürzel für den guten alten Vorzimmerdrachen - wirft sich furchtlos jedem in den Weg, der zum Chef möchte.

W


Waldabholzer
Kollegen, die alles ausdrucken, immer einseitig und immer auf Qualitätspapier

Wanderführer
Wenn Mitarbeiter nicht Jahre oder Jahrzehnte auf dem gleichen Arbeitsplatz hocken, sondern neue Herausforderungen annehmen und dann plötzlich aufblühen, kann das Wunder wirken. Gute Chefs erkennen Veränderungsbereitschaft und fördern sie. Treibt einer das Rotationsprinzip aber so sehr auf die Spitze, dass Mitarbeitern ganz blümerant wird, ist er nur noch Wanderführer: der ideale Gegenpart zum Jobtouristen, der rastlos nach dem ultimativen Arbeitsplatz sucht.

Wanderpokal
Wird von Abteilung zu Abteilung durchgereicht und findet nie den Platz, an dem er reüssieren könnte. Alle, die noch nicht neben ihm gearbeitet haben, ahnen und fürchten: Eines Tages landet der Wanderpokal auch bei uns.

Warmliner
In Ihrem Unternehmen gibt es eine EDV-Hotline - aber immer, wenn Sie anrufen, sind die zuständigen Kollegen gerade in der Kantine, im Haus unterwegs, eine rauchen, in wichtigen Meetings? Das ist keine Hotline. Das ist eine Warmline. Höchstens.

Windowsversteher
für "Sysads" oder ähnliche Nerds, die außer Computer nix können

Wurmschleuder
Mitarbeiter, der ausnahmslos aus Neugier alle E-Mail-Anhänge öffnet

X


Xantippse
Notorisch zänkische Schreibkraft, mindestens ebenso übellaunig wie Sokrates' Ehefrau Xanthippe. Bei Xenophon wird Sokrates so zitiert: "Gerade so machte ich's auch, da ich die Kunst mit den Menschen umzugehen zu meinem Hauptgeschäfte machen wollte: Ich legte mir diese Frau zu, weil ich gewiss war, wenn ich sie ertragen könnte, würde ich mich leicht in alle andere Menschen finden können." Das mag auch der Grund sein, warum besonders tapfere Bosse sich so einen Griesgram ins Vorzimmer setzen.

Xylophonvirtuose
Die Tuba, ein dickes Ding, erlebt gerade ihr Comeback im Balkanpop und in der mexikanischen Banda-Musik. Über den Kontrabass gibt es wenigstens ein Bühnenstück. Nur für das Xylophon interessiert sich niemand. Früher wurde es in Deutschland wegen seines eigenwilligen Klanges auch "Hölzernes Gelächter" genannt. Ein Xylophonvirtuose im Unternehmen klimpert eher im Verborgenen - als Schmähung ein Synonym für Weichei, Schattenparker oder Zehenföner.

Y


Yes-Men
Im Bürkosmos eine Truppe willfähriger Jasager und Kopfnicker. Den Chef umschwirren sie wie die Motten das Licht. Eigentlich sind "The Yes Men" aber Neinsager, Kommunikationsguerilleros mit einer Reihe schräger Aktionen: In den Neunzigern tauschten sie die Sprachmodule von Barbie- und GI-Joe-Puppen, stellten sie zurück in die Läden und gaben eine Erklärung der "Barbie-Befreiungsorganisation" ab. 1999 fälschten sie als Globalisierungskritiker die Homepage der Welthandelsorganisation. Bei ihrer "Yes, Bush Can!"-Tour 2004 forderten sie US-Bürger auf, Nuklearabfälle in den Vorgärten zu vergraben und ihre Kinder in den Krieg zu schicken. 2008 brachten sie eine gefälschte Millionenauflage der "New York Times" in Umlauf; darin ist der Irakkrieg vorbei und George W. Bush wegen Hochverrats angeklagt. Die führenden Köpfe der Politaktivisten, die immer wieder als angebliche Vertreter von Konzernen und Regierungen auftraten, sind ein Science-Fiction-Autor und ein New Yorker Professor.

Yetipelz
Gegen Projektstress, gegen tobende Chefs, gegen üble Nachrichten ist er immun - wer so ein dickes Fell hat, dem kann nichts etwas anhaben.

"Yps"-Leser
Die Zeitschrift "Yps" kennen Sie sicher. Kennen Sie nicht? Dann waren Sie in den siebziger und achtziger Jahren kein Kind, oder kein richtiges jedenfalls. Ab 1975 fieberten viele jede Woche dem neuen Heft entgegen, vor allem wegen der beigelegten Spielzeuge - zum Beispiel Schleuderkatapulte, mexikanische Springbohnen oder die legendären Urzeitkrebse. Das unterscheidet noch heute im Projektteam die Mitarbeiter: Wer in "Yps" die faden Comics las, statt gleich mit den großartigen "Gimmicks" loszuspielen, kann keine Prioritäten setzen. Der "Yps"-Leser ist der Kollege, der sich in ermüdenden Details verheddert - ein Langeweiler und Inspirationsloch (siehe auch: Ameisentätowierer).

Z


Zankwart
Ein Meister des Schlichtens, ist zuverlässig zur Zankstelle, sobald es Streit unter Kollegen gibt.

Zeitreisender
Mitarbeiter, der nachmittags an der Stempeluhr gern auf de nächsten Minutensprung wartet

Zeitverschwender
Mitarbeiter, der während der Arbeitszeit Schimpfwörter erfindet, während gleichzeitig die Welt im Chaos versinkt

Zitronenfalter
Frage: Was haben Geschäftsführer und Zitronenfalter gemeinsam? Gegenfrage: Haben Sie schon mal einen Zitronenfalter Zitronen falten sehen?

Zitronenpresse (auch: Entsafter)
Ein besonders unangenehmer Chef-Typ: In seiner Maßlosigkeit mutet er Mitarbeitern reichlich Überstunden zu, weil ein Abgabetermin bevorsteht oder eine Sonderaufgabe keinerlei Aufschub duldet - und das bleibt nicht die Ausnahme, sondern wird zum Dauerzustand.

Zornröschen
Neckname für eine Führungsfrau, die ihr Umfeld mit rhythmischen Wutausbrüchen zu peinigen pflegt

Zweckautist
Dieser Mitarbeiter folgt stets brav und treu der Linie, die sein Chef ausgibt. Droht jedoch die geringste Gefahr für ihn selbst, weiß er plötzlich nicht einmal mehr, welcher Tag heute ist.

Zwecktölpel
Jemand, der sich bei einer Aufgabe extra blöd anstellt, um möglichst damit verschont zu werden - und sich gleich auch für die nächste lästige Aufgabe aus dem Rennen zu reden

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Jochen Leffers (Jahrgang 1965) ist SPIEGEL-ONLINE-Redakteur und leitet das Ressort KarriereSPIEGEL.

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