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Trendsport Bürogolf Einlochen im Konferenzraum

Bürogolf: Neun Löcher im Verwaltungstrakt Fotos
Sandra Sperber/ Die Bürogolf-Agentur

Sie putten den Ball unterm Konferenztisch durch, dann robben sie mit dem Schläger am Kopierer vorbei - Bürogolfer nutzen ihre Arbeitswelt als Hindernisparcours. Ganze Abteilungen proben den Abschlag vom eigenen Schreibtisch. Und zeigen: Golf ist nicht nur was für die Chefetage.

"Ich spiele kein Golf, ich habe noch Sex." Diese klassische Golfer-Verspottung raunt einer schon zum Beginn der Veranstaltung. Nicht alle Teilnehmer sind davon überzeugt, dass sie an diesem Abend Spaß haben werden. Mit Bürogolf können die meisten Angestellten der Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsakademie in Münster wenig anfangen. Schon mit Golf haben sie nicht viel am Hut. Und das, obwohl sie hier sonst jede Menge Banker weiterbilden, die ja diesem Sport nicht abgeneigt sind.

Thorsten Dreps, 37, hat Stunden zuvor seine "Löcher" aufgestellt, kleine Metallschalen mit Fähnchen. Stühle, Tische, Zimmerpflanzen wurden zu Hindernissen umfunktioniert. Teilweise gehen die Spielbahnen über lange Flure und durch mehrere Räume. Doch nun muss der Bürogolfer erst einmal Aufklärungsarbeit leisten.

"Fore!", ruft er lautstark in die Runde. Die rund 30 Teilnehmer sind gerade dabei, sich mit Bier und Wein aufzulockern. "Fore" bedeutet in der Golfsprache "Vorsicht, da kommt ein Ball" oder in diesem Fall: "Klappe halten, jetzt rede ich." Dann erläutert Dreps das einfache Spielprinzip.

Bürogolf ist eigentlich Indoorgolf. Ob Autohaus, Schwimmbad oder Gartencenter - gespielt wird in geschlossenen Gebäuden. Dort baut man in der Regel neun kleine Hindernisparcours auf, durch die mit möglichst wenigen Schlägen der Ball bugsiert wird. Es ist also dem Minigolf nicht unähnlich. Nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass man beim Minigolf mit Bande spielt - beim Bürogolf ist das nicht erlaubt. Wer auf dem Weg zum Ziel, einer kleinen Metallschale mit Fähnchen, irgendetwas anderes mit dem Ball trifft, bekommt einen Strafschlag notiert. Die Regel schont nicht zuletzt das Mobiliar.

Und immer um die Ecke denken

Gespielt wird in kleinen Gruppen mit je vier Personen, den sogenannten Flights. Die Bürogolfer müssen auf dem Boden robben, sich an Wände quetschen und nicht nur sprichwörtlich um Ecken denken. "Hochkommunikativ" sei das, sagt Dreps, und er hat recht. Es dauert nicht lange, bis sich die Spieler untereinander anfeuern und - bei schlechten Schlägen - mit Hohn und Spott überschütten. Auch Udo Urner, der Leiter der Akademie, muss von seinen Mitarbeitern manche Spitze einstecken.

Urner nimmt's mit Humor. "Ich habe bislang nur gute Erfahrungen mit dieser Art Veranstaltung gemacht", sagt er. "Insbesondere bei den Seminaren, die wir hier anbieten, funktioniert Bürogolf hervorragend." Die Teilnehmer, die meist aus unterschiedlichen Bankfilialen stammen, würden so gleich am Anfang auf spielerische Art ins Gespräch kommen und sich kennenlernen.

Spielleiter Thorsten Dreps hat mit der Eventagentur Bürogolf Team, 2008 gegründet, bereits mehr als 250 Turniere ausgerichtet. "Echte Golfer haben natürlich einen kleinen Vorteil", so seine Erfahrung. "Allerdings wird dieser meist dadurch zunichte gemacht, dass sie auf Teppich, PVC und Steinfußböden spielen müssen." Das Spielgerät ist leicht abgewandelt - die Bälle sind aus Gummi. Damit nicht allzu viel zu Bruch geht und sich niemand verletzt.

Golfbahnen zwischen Zoo-Gehegen

Bürogolf erfreue sich großer Beliebtheit, sagt Dreps. Immer mehr Firmen würden solche Events buchen. Als der Unternehmensberater vor fünf Jahren damit anfing, machte er es noch nebenher. Inzwischen ist es seine Vollzeitbeschäftigung. 2012 richtete Dreps rund 70 Turniere aus. In diesem Jahr werden es wohl über 100. Dabei werden auch die Locations immer ausgefallener. "Mein Highlight war bislang unser Charity-Event im Münsteraner Allwetterzoo", sagt Dreps. Dort ging es zwischen den Gehegen auf die Golfbahnen. "Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke."

Dreps ist nicht der einzige Anbieter von Bürogolf in Deutschland. Zahlreiche Veranstalter haben sich des Themas angenommen. So zum Beispiel die Bürogolf Agentur in Dresden. Deren Geschäftsführer Robert Noack freut sich: "Wir werden 2013 wahrscheinlich erstmals mehr als 100 Turniere ausrichten."

Bei den Kosten unterscheiden sich beide Agenturen nicht. Für eine Runde Bürogolf mit knapp 20 Personen werden um die 800 Euro veranschlagt. "Nach oben hin gibt es allerdings kaum eine Grenze", sagt Noack.

Immer öfter allerdings buchen Unternehmen nicht mehr den klassischen Parcours durch die eigene Kaffeeküche. Sie verbinden das Spiel gerne mit einem Betriebsausflug: "Wir waren schon im Stadion von Dynamo Dresden und auf einem Boot der Sächsischen Dampfschifffahrt zu Gast", sagt Noack.

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Na Klasse!
Altesocke 30.05.2013
"auf einem Boot der Sächsischen Dampfschifffahrt" Erschwerte Bedingungen durch Bewegung der Golfanlage. Wenn das dann mal mit dem 'nirgends gegen' geklappt hat!
2. optional
uschikoslowsky 30.05.2013
wie lange dauert es, bis diese herbeigeschriebene blase wieder platz? nächste woche? nachdem sich keiner mehr an diesen typischen SPON-Artikel erinnert.
3.
pressefreitheit 30.05.2013
Das ist doch gar kein Bürogolf - sondern ein Büro-Alfa!
4.
thomas_gk 30.05.2013
Der Artikel steht unter der Rubrik "Karriere". Was heißt das? Ich mache im Büro nicht Karriere, indem ich als Sachbearbeiter, Planer, Zeichner, Verkäufer........ (alles natürlich auch weiblich) meiner arbeitsvertraglich vereinbarten Aufgabe nachgehe, sondern indem ich meine Bürofreizeit mit dem Chef gemeinsam auf dem Bauch liegend nach einer doofen Gummikugel suchend totschlage. Naja, gut zu wissen
5. ...
Scheidungskind 30.05.2013
Ich fand Wohnzimmertennis immer viel spannender.
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