ThemaLeiharbeitRSS

Alle Artikel und Hintergründe


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Urteil zu Tarifverträgen Leiharbeiter erhalten rückwirkend mehr Lohn

Leiharbeiter sind oft zu schlechteren Bedingungen als die Stammbelegschaft beschäftigt Zur Großansicht
DPA

Leiharbeiter sind oft zu schlechteren Bedingungen als die Stammbelegschaft beschäftigt

Es ist eine gute Nachricht für Zeitarbeiter: Zehntausenden Leiharbeitern steht nachträglich höherer Lohn zu, das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Allerdings dürfte es für viele schwer werden, tatsächlich Geld zu bekommen.

Zehntausende Zeitarbeiter können rückwirkend mehr Lohn verlangen. Dies geht aus fünf Urteilen hervor, die das Bundesarbeitsgericht am Mittwoch in Erfurt verkündet hat. Die Entscheidung betrifft Leiharbeiter, die nach Tarifen der Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personalserviceagenturen (CGZP) bezahlt wurden. Sie haben Anspruch auf denselben Lohn wie ihre festangestellten Kollegen. Allerdings müssen Betroffene ihre Ansprüche innerhalb bestimmter Fristen anmelden.

Die CGZP war für Arbeitgeber viele Jahre lang ein bequemer Sparringspartner: Sie schloss mit ihnen sehr günstige Tarifverträge. Die Zusammenarbeit endete im Dezember 2010. Das Bundesarbeitsgericht entschied damals, die CGZP habe zu wenige Mitglieder, um über Tarifverträge zu verhandeln.

Nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz haben Arbeitnehmer, für die es keinen gültigen Tarifvertrag gibt, Anspruch auf gleiche Bezahlung und Arbeitsbedingungen wie die Stammbelegschaften. Allerdings müssen sie das Geld einklagen, wenn der Arbeitgeber nicht reagiert. Einige Zeitarbeiter haben das getan. In fünf dieser Verfahren hat der Fünfte Senat des Bundesarbeitsgerichts nun über die Revisionen entschieden (Az. 5 AZR 954/11).

Fotostrecke

3  Bilder
Leiharbeit: Sprungbrett oder Sklaverei?
Geklagt hatte unter anderem eine ehemalige Zeitarbeiterin aus Brandenburg. Ihr Anwalt sagte, seine Mandantin habe nach CGZP-Tarif 6,15 Euro brutto pro Stunde erhalten, nach ihrer Übernahme durch die Firma seien es für die gleiche Arbeit 12,84 Euro gewesen. Seine Mandantin, die als Montagearbeiterin eingesetzt war, verlangte eine Nachzahlung von 16.285 Euro für den Zeitraum Mai 2009 bis Juni 2010. Ihre Klage blieb allerdings erfolglos - sie hatte eine Verfallsfrist nicht eingehalten.

Arbeitsrechtler halten es deshalb für unrealistisch, dass nun Tausende Zeitarbeiter ihre finanziellen Ansprüche für zurückliegende Jahre durchsetzen können. Den Urteilen zufolge verjährt der Anspruch auf nachträgliche Zahlung nach drei Jahren. "Ein großer Teil der Ansprüche auf Lohnnachzahlungen ist dadurch verloren", kritisiert Arbeitsrechtler Peter Schüren von der Universität Münster.

Die CGZP hatte zwischen 2003 und 2010 Tarifverträge mit bundesweit über 1000 zumeist kleinen Personaldienstleistern geschlossen. Betroffen von den Verträgen waren nach Schätzungen von Arbeitsrechtler Schüren bundesweit etwa 200.000 Zeitarbeiter.

AFP/dpa/vet

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
loncaros 13.03.2013
Wenn du Geld stiehlst, wird es dir auch viele Jahre danach wieder abgenommen Wenn du als Zeitarbeitsfirma Leute um ihr Geld betrügst, musst du nur 2 Jahre aussitzen und der Ansprüch verjährt.
2. eine gute Nachricht
kdshp 13.03.2013
Zitat von sysopAPEs ist eine gute Nachricht für Zeitarbeiter: Zehntausenden Leiharbeitern steht nachträglich höherer Lohn zu, das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Allerdings dürfte es für viele schwer werden, tatsächlich Geld zu bekommen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/bundesarbeitsgericht-nachtraeglich-hoeherer-lohn-fuer-leiharbeiter-a-888688.html
DAS sollte für alle menschen in zeitarbeit so sein sprich GLEICHER lohn für GLEICHE arbeit. Warum reagiert hier die politik nicht?
3. Schade!
widower+2 13.03.2013
Dass wohl nur wenige der Anspruchsberechtigten zu ihrem Recht kommen werden. Ansonsten wäre das der erste wirksame und wohlverdiente Schlag gegen diese asoziale Branche gewesen.
4. Betrug an Ausgestoßenen
derandersdenkende 13.03.2013
Zitat von sysopAPEs ist eine gute Nachricht für Zeitarbeiter: Zehntausenden Leiharbeitern steht nachträglich höherer Lohn zu, das hat das Bundesarbeitsgericht entschieden. Allerdings dürfte es für viele schwer werden, tatsächlich Geld zu bekommen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/bundesarbeitsgericht-nachtraeglich-hoeherer-lohn-fuer-leiharbeiter-a-888688.html
der Spaltungsgesellschaft wird nicht bestraft, eher befördert. Schließlich geht es darum, die noch in normalen Arbeitsverhältnissen befindlichen zusätzlich unter Druck zu setzen. Weitestgehende Alibi-Entscheidungen ändern am genannten Grundsatz nichts!
5. Kassenprüfung?
st2000 13.03.2013
An dem nun positiv beschiedenen Anspruch auf Nachzahlung hängen doch auch Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträge. Man sollte doch erwarten, daß sich Finanzamt und Krankenkassen hier abholen, was ihnen zusteht. Und das erforderte ja eine korrigierte Lohnabrechnung. Und man sollte doch erwarten, daß ein nunmehr unstrittiger Lohnanspruch nach Treu&Glauben unaufgefordert ausgezahlt wird, immerhin sind Geldschulden ja Bringeschulden. Würde das Geld also nicht unaufgefordert abgerechnet und dann eben "gebracht", sollte dann die Arbeitsagentur nicht von der Möglichkeit Gebraucht machen, die Genehmigung nach AÜG zu entziehen? Was muß so eine Leiharbeitsfirma denn noch alles anstellen, damit das passiert? Unterschlagung von Steuern, Sozialabgaben und Arbeitslohn sollte doch wohl reichen... Allen, denen wirklich ihr Restlohn vorenthalten wird, kann man nur raten, auf Kununu usw. klar zu kommentieren, daß erst versucht wurde, den Lohn rechtswidrig zu drücken (ist ja nun Fakt, dank Aktenzeichen des Urteil leicht nachzuweisen) und dann auch noch das Urteil nicht respektiert wurde. Und die Hartz4-Arge und/oder Arbeitsvermittlung sollte das dann auch als Argument akzeptieren, bei solchen Firmen KEINE Bewerbung einzureichen. Zuviel ist dann auch mal zuviel.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Leiharbeit
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH