Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaFlexibel arbeiten - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Geld, Arbeitszeit, Familie Die Problemzonen der Arbeitnehmer

Flexibel arbeiten: Vater mit Baby im Homeoffice Zur Großansicht
Corbis

Flexibel arbeiten: Vater mit Baby im Homeoffice

Höheres Gehalt, bessere Chefs - und mehr Zeit für Kinder. Wie Deutsche sich die Arbeit wünschen, zeigt eine Studie des Bundesarbeitsministeriums. In der Realität sind Überstunden bei vielen die Regel.

"Und, wie geht's beruflich?" Die Frage hat sich Arbeitsministerin Andrea Nahles nun ausführlich beantworten lassen, gerichtet an alle Arbeitnehmer der Republik. Mit den Teilaspekten: "Wie isset?" Und: "Wie hätten Sie's denn gern?"

In der Sprache ihres Ministeriums heißt das: "Gewünschte und erlebte Arbeitsqualität". Und überschreibt eine Befragung von rund 5000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die mindestens zehn Stunden pro Woche arbeiten. Die noch unveröffentlichte Studie liegt SPIEGEL ONLINE vor.

Die gute Nachricht zuerst: Die meisten sind insgesamt ganz zufrieden mit ihrem Job. Aber: Es hakt bei Themen, die gemeinhin als wichtig gelten. Am weitesten liegen Wunsch und Wirklichkeit beim Gehalt auseinander, bei der Führungsqualität und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Gefragt wurde immer nach der Wichtigkeit eines Themas und der Zufriedenheit damit. Die Teilnehmer konnten beides auf einer Skala von 0 bis 100 gewichten. Guter Lohn ist ihnen sehr wichtig (91 Punkte), doch die Zufriedenheit wird nur mit 64 Punkten beziffert. Fast genauso wichtig ist eine gute Führungskultur (90 Punkte), die Zufriedenheit beträgt hier im Schnitt 69 Punkte.

Bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie zeigt sich ein Verhältnis von 87 zu 67 Punkten. Jeder zweiten Frau ist der Aspekt sogar volle 100 Punkte wert. Ein Viertel der Befragten hat Kinder unter 14 Jahren und zeigt sich enttäuscht. Männer reagieren mit durchschnittlich 64 Punkten sogar noch unzufriedener als Frauen, die 69 Punkte vergaben.

"Trend in Richtung Arbeitszeitverlängerung"

Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), reagiert mit Kritik an den Arbeitgebern auf diese Studie. "Die Tatsache, dass jeder Sechste mehr als zehn Überstunden macht, zeigt, dass der Trend eher in Richtung Arbeitszeitverlängerung und Arbeitsstress geht", sagt Buntenbach. Das decke sich mit Erkenntnissen aus dem DGB-Index "Gute Arbeit": Eine Mehrheit der Beschäftigten leidet demnach seit Jahren unter einer hohen Arbeitsintensität, Arbeitshetze und schlechter Führung.

In vielen Punkten könnten die Arbeitgeber die Zufriedenheit der Beschäftigten gar nicht beeinflussen, hält Alexander Gunkel von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) dagegen. So auch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: "Wenn es keine Ganztagsschulen gibt und Kitaplätze fehlen, können Arbeitgeber so viel tun, wie sie wollen - die Probleme für die Eltern bleiben." Damit sieht er vor allem die Politik in der Verantwortung. In den letzten Jahren habe sich mit Homeoffice und flexibleren Arbeitszeiten aber schon einiges getan. Laut einer DIW-Studie ist die Zahl der Heimarbeiter in Deutschland allerdings deutlich gesunken.

Familienbewusstsein der Arbeitgeber wird in der Umfrage nur mit 50 von 100 möglichen Punkten bewertet. Kleinst- und Großbetriebe erhielten je 57 Punkte und schnitten damit am besten ab, bei den mittleren Unternehmen gaben die Beschäftigten bis zu zehn Punkte weniger. In den kleinen und großen Unternehmen werden Arbeitnehmer demnach eher aktiv unterstützt, Lösungen zu finden, wenn sich familiäre und berufliche Pflichten im Weg stehen.

Schlechte Arbeit schlägt auf die Gesundheit

Am schwierigsten sind Job und Familie laut Studie im Gastgewerbe und Dienstleistungsbereich zu vereinbaren - wohl auch wegen der unregelmäßigen Arbeitszeiten. Verwaltung und Verbände wurden in puncto Vereinbarkeit mit 56 Zählern noch am besten bewertet.

17 Prozent der Befragten beklagen außerdem, dass sich Arbeits- und Freizeit immer mehr überschneiden. Unter den Befragten in Führungspositionen waren es sogar 29 Prozent. Wer unter dieser Entgrenzung leide, zeige auch häufiger Burn-out-Symptome.

Die Studie belegt darüber hinaus einen Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und gesundheitlichen Problemen: Nur 14 Prozent der Beschäftigten, die angaben, unter schlechten Bedingungen zu arbeiten, beurteilten ihre Gesundheit als "sehr gut". Unter den Befragten, die ihre Arbeitsbedingungen als gut einschätzten, waren es hingegen 42 Prozent. "Unter guten Arbeitsbedingungen sind Beschäftigte gesünder und damit auch leistungsfähiger", stellt die Studie fest.

Es gehe daher auch weiter darum, "prekäre Beschäftigung durch Leiharbeit oder Werkverträge in 'Gute Arbeit' zu verwandeln", so Gewerkschafterin Buntenbach. Tatsächlich ist den Beschäftigten ein sicheres, unbefristetes und gut bezahltes Arbeitsverhältnis am wichtigsten. Gleichauf ist da nur noch ein Aspekt: nette Kollegen.

Fotostrecke

4  Bilder
Vereinbarkeit Familie und Beruf: Wenn Väter weniger arbeiten

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. I am no man for multitasking - zur Unvereinbarkeit von Beruf und Familie
andreasclevert 03.06.2015
...und ich sag's noch immer mit meinem unvergänglichen Blogbeitrag und einem Augenzwinkern http://wp.me/p4WCtx-4A
2. Leistung unabhängiges Grundeinkommen für jeden!
tomrobert 04.06.2015
Die Arbeitsämter und Jobcenter auflösen bzw. umgestalten , und den Menschen einen finanziellen Backround verschaffen um sie aus der Sklavenhaltung zu befreien und ihnen wirkliche Freiheit der Wahl zu verschaffen! Was die Politik da macht im : Sie agiert wie im neunzehnten Jahrhundert. Und der Wirtschaft ist das recht, weil sie das skrupellos ausnutzt .
3. @tomrobert
kika2012 05.06.2015
Das wird Deutschland relativ schnell in den Bankrott senden. Denken Sie auch an die Zukunft oder nur an sich selbst?
4. 40 Stunden Jahr bei vollem Lohnausgleich
Fricklerzzz 05.06.2015
Dann kommt kein Stress auf. Und nur noch Heimarbeitsplätze, das spart Büromiete. Sollen doch die Chipse arbeiten.
5. Wertschätzung
Leser161 05.06.2015
Das alles ist ein Problem der Wertschätzung. Arbeitgeber versuchen möglichst viel aus dem Arbeitnehmer rauszuholen. Hier noch ne unbezahlte Überstunde da etwas immer erreichbar sein. Ohne Gegenleistung. Das verschafft dem Arbeitnehmer das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden. Ich habe überhaupt kein Problem damit ausser der Reihe irgendeine unangenehme Spezialaufgabe zu übernehmen. Das mach ich sogar gerne, weil ich dadurch zeigen kann, dass ich ein motivierter Mitarbeiter bin, der seinen Job ernst nimmt. Aber für Sonderleistungen meinerseits hätt ich halt gern Sonderleistungen seitens des Arbeitgebers. Ist aber nicht. Das heisst nicht das ich meinen Job im Rahmen meiner normalen Arbeitszeiten nicht absolut ernst nehme und gewissenhaft und motiviert erledige.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen
Fotostrecke
Arbeiten von zu Hause aus: Zehn Regeln für Arbeitgeber

Fotostrecke
Homeoffice - so funktioniert's: Zehn Regeln für Arbeitnehmer


Social Networks