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Burgenblogger gesucht Tausche Büro gegen Schlosszimmer

Burg Sooneck am Mittelrhein: Ihre neue Bloggerstube? Zur Großansicht
GDKE Rheinland-Pfalz/ Pfeuffer

Burg Sooneck am Mittelrhein: Ihre neue Bloggerstube?

Als Burgherr am Rhein leben und dafür auch noch bezahlt werden? Geht, sagen die Vermarkter des Mittelrheins. Sie suchen einen Burgenblogger, der über die Region schreibt. Vorausgesetzt, er ist trinkfest und lärmresistent.

Falls Ihr Lieblingsfilm "Braveheart" heißt und Sie am Wochenende bevorzugt Mittelalterfeste besuchen, ist dieser Job vielleicht etwas für Sie: Die Generaldirektion Kulturelles Erbe, die Rhein-Zeitung und die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz suchen einen

  • Burgenblogger, der ein halbes Jahr auf der Burg Sooneck lebt und von dort über das Mittelrheintal schreibt.

Von März bis Oktober 2015 wohnt er in einem Schlosszimmer der früheren Raubritterburg. Dort soll er über das Leben auf der Burg und das Mittelrheintal berichten, "eine der schönsten Landschaften in Deutschland", wie es in der Ausschreibung der Rhein-Zeitung heißt: "Über 65 Kilometer windet sich der Rhein zwischen Rüdesheim und Koblenz durch ein Tal, vorbei an mehr als 40 Burgen und Burgruinen, romantischen Orten und steilen Weinbergen". Ein Traumjob in Top-Lage mit einer für Blogger-Verhältnisse fürstlichen Entlohnung: Die Aufwandsentschädigung beträgt 2000 Euro brutto im Monat.

Was man dafür mitbringen muss? Wir haben uns die Anforderungen der Stelle mal genauer angeschaut.

  • "Wir suchen einen Menschen, der sich nicht über das Mittelrheintal erhebt, sondern sich auf diese Gegend einlässt."

Ja, wenn Sie den Job bekommen, sind Sie Burgherr. Falls Sie sich darunter jetzt vorstellen, dass Sie kichernde Burgfräulein durch die Gemäuer jagen oder rauschende Ritterfeste schmeißen: Vergessen Sie's. Bodenständigkeit ist gefragt. Was die Texte angeht, sollten Sie es mit der Bescheidenheit aber nicht übertreiben. Die Organisatoren machen's in der Ausschreibung vor: Der Mittelrhein sei "der deutscheste aller Flüsse", steht da. Superlative sind an den richtigen Stellen also schon erwünscht. Dass der Mittelrhein die alliterationsfreudigste aller Gegenden ist, sollte das Texten im Übrigen erheblich erleichtern: Sie bloggen über Burgen und Burgruinen zwischen Bonn und Bingen, besuchen Bad Breisig und die Brömserburg. Burgenbloggerbingo!

  • "... mit einem Faible für die Thematik und einer Grundsympathie für die Mittelrheiner..."

Wussten wir's doch: Die Sache hat einen Haken. Wer kennt schon einen Mittelrheiner? Als erfahrener Blogger und Rechercheur haben Sie aber auch hierfür eine Lösung: Sie schauen einfach mal, ob Ihnen die Promis sympathisch sind, die aus der Gegend stammen. Bushido zum Beispiel oder Johannes B. Kerner. Nicht? Wie wär's mit Medienmanager Mathias Döpfner oder Ex-Nationaltorwart Bodo Illgner? Nun stellen Sie sich mal nicht so an! Als weltoffener Blogger müssen Sie sympathietechnisch schon ein bisschen flexibel sein.

  • "..., die in dieser ebenso schönen wie strapazierten Region beheimatet sind."

Den mittelalterlichen Burgherren sind Sie eine entscheidende Entwicklung voraus: Sie haben Ohrenstöpsel. Denn mit "strapazierter Region" ist Verkehrslärm gemeint. "Hunderte von Zügen donnern täglich durch das enge Tal", schreibt die Rhein-Zeitungin einem begleitenden Artikel. Die dicken Wände Ihres neuen Zuhauses sind hilfreich, aber gegen den Lärm "riesiger Containerfrachter", die sich "durch die schmale Fahrrinne" quetschen, sind Sie damit längst nicht gefeit.

  • "Angedacht ist eine parallele Übertragung des Blogs ins Englische (durch den Blogger selbst oder mit Hilfe) - weil das Mittelrheintal weltweit ein Begriff ist."

Da haben wir's wieder: Zu viel Bescheidenheit ist unangebracht. Weil Menschen auf der ganzen Welt nach Informationen über das Mittelrheintal dürsten, ist Englisch Pflicht. Tipp: Verwenden Sie in Ihren Blogbeiträgen möglichst viele Anglizismen, dann haben Sie bei der Übersetzung nur halbe Arbeit. Machen die Initiatoren schließlich auch: Statt durch stinknormale Felsen windet sich der Rhein laut Ausschreibung durch einen Canyon. Und wieder zehn Sekunden gespart.

  • "Er nimmt sich aber genügend Zeit, um das Tal, seine Menschen [...] kennenzulernen"

Diesen Satz sollten Sie lesen wie eine Hotelbeschreibung im Urlaubsprospekt: Hier geht's eigentlich um die Arbeit am Glas. Die ist nämlich Pflicht. Denn wie lernt man Menschen in ländlichen Regionen kennen? Indem man ihre Produkte probiert. Und was wird am Mittelrhein hergestellt? Wein. Den müssen Sie trinken, vor allem, wenn Sie was aus den Leuten rauskriegen wollen. Falls Sie kein Weinfan sind, hilft nur üben. Na denn: Prost!

  • Anja Tiedge (Jahrgang 1980) arbeitet als freie Journalistin in Hamburg.

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insgesamt 9 Beiträge
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    Seite 1    
1. Bereits 152 Bewerbungen für den Burgenblogger
christian.lindner 15.08.2014
Zahl der Bewerbungen, die bis heute (Freitag, 10.30 Uhr) bei uns für die Stelle des Burgenbloggers / der Burgenbloggerin eingegangen sind: 152. Christian Lindner, Rhein-Zeitung, Chefredakteur
2. Prima
keineschublade 15.08.2014
Ich würde mich auch glatt bewerben, muss aber erstmal die genaue Beschreibung lesen. Kenne jemanden in Oberheimbach, der sich über meine dauerhafte Anwesenheit sicher freuen würde;)
3. The best job in the world
monro 15.08.2014
Zitat von sysopGDKE Rheinland-Pfalz/ PfeufferAls Burgherr am Rhein leben und dafür auch noch bezahlt werden? Geht, sagen die Vermarkter des Mittelrheins. Sie suchen einen Burgenblogger, der über die Region schreibt. Vorausgesetzt, er ist trinkfest und lärmresistent. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/burgenblogger-am-mittelrhein-gesucht-die-aktuelle-stellenanzeige-a-986167.html
Eigentlich ist es eine nette Idee, bekommt allerdings in Anbetracht der Tatsache, dass die ganze Kampagne eine eingedeutschte Kopie der australischen Erfolgsgeschichte "The best job in the world" (http://www.bestjobs.australia.com/) ist, einen bitteren Beigeschmack.
4. very trendy
Herzbubi 15.08.2014
ja das Rheintal ist voll im Trend - warum in die Ferne schweifen wenn das Schöne so nah
5.
rainer zeimentz 15.08.2014
Zitat von monroEigentlich ist es eine nette Idee, bekommt allerdings in Anbetracht der Tatsache, dass die ganze Kampagne eine eingedeutschte Kopie der australischen Erfolgsgeschichte "The best job in the world" (http://www.bestjobs.australia.com/) ist, einen bitteren Beigeschmack.
Süß, statt bitter. Stimmt und haben wir auch genau so mitgeteilt: http://www.rhein-zeitung.de/region_artikel,-Sechs-Monate-fuer-Geld-hier-leben-Mittelrhein-sucht-einen-Burgenblogger-_arid,1191371.html
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