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Ein ungewöhnlicher Job Von Beruf Burgherrin

Teures Erbe: Arbeiten auf der Burg Fotos
DPA

Ein Schloss als Zuhause, das klingt nach einem Märchen. Doch der Unterhalt ist teuer: Tausende Euro jeden Monat allein für Wasser, Heizung, Strom. Prinzessin von Hohenzollern spricht von einem harten Geschäft.

Als kleines Mädchen huschte Anna durch die zugerümpelten, unrenovierten Zimmer in der alten Burg. Sie waren vollgestellt mit Habseligkeiten aus vergangenen Jahrhunderten: verschnörkelten Möbeln, düsteren Adelsgemälden und Jagdtrophäen. Das war Annas Abenteuerspielwiese. Bis heute ist der Ort ein Abenteuer geblieben.

Nun trägt die 32 Jahre alte Anna Prinzessin von Hohenzollern zusammen mit Mutter Heide, 72, die Verantwortung für das Gemäuer aus dem 14. Jahrhundert: Schloss Burg Namedy im rheinland-pfälzischen Andernach bei Koblenz. Beide müssen monatliche Fixkosten für Wasser, Heizung und Strom von 8000 Euro erwirtschaften - hinzu kommen Instandhaltungs- und Renovierungskosten.

"Es ist ein hartes Geschäft, dafür muss man sich entscheiden", sagt Anna von Hohenzollern. Das Traditionsbewusstsein allein sei nicht der Grund für den Einstieg in den Betrieb vor fast sechs Jahren gewesen. "Ich hatte das Glück, dass mich keiner aus der Familie gezwungen hat, das zu machen." Schloss Burg Namedy dient als Veranstaltungsort für kulturelle Events, aber auch für Hochzeiten oder Tagungen.

Häufig gelingt ein Generationswechsel bei Burgen und Schlössern, die sich in Privatbesitz ehemaliger Adelsfamilien befinden, nicht so fließend wie in diesem Fall. Der hohe finanzielle Aufwand, Denkmalschutzauflagen und ein Leben in der Provinz schrecken den Nachwuchs ab.

Manche Burg wird zur Ruine

"Das ist eine massive Gefahr für das kulturelle Erbe, wenn es nicht gelingt, den Familiennachwuchs zu überzeugen", sagt der Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Hartmut Dorgerloh. Wenn sich kein Investor findet und das Land nicht einspringt, verfallen die Anwesen, von denen es in Deutschland Tausende gibt. "Die öffentliche Hand tut schon viel, und dafür sind wir sehr dankbar. Doch bleibt sie eben auch weiter in der Pflicht und sollte Anreize setzen, damit privates, aber auch öffentliches Gut erhalten bleibt", sagt Dorgerloh.

"Es ist ein ständig nagender Zahn: Von Generation zu Generation gehen immer mehr Objekte für die private Seite verloren", sagt auch der Ehrenpräsident der Deutschen Burgenvereinigung, Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, 71. Im Schloss Sayn, wenige Kilometer von Namedy entfernt, hat er immer noch das Sagen.

Die für eine Nachfolge infrage kommenden Söhne leben in europäischen Großstädten und arbeiten in interessanten Berufen, sagt Sayn-Wittgenstein-Sayn. "Eine Betriebsübernahme würde einen Umzug mit der Familie in die "Provinz" bedeuten, sie müssten den Gürtel enger schnallen und die Ärmel hochkrempeln, um den wirtschaftlich komplizierten historischen Besitz zu erhalten. Da wartet man gerne, bis die ältere Generation nicht mehr kann."

Vor allem im Osten Deutschlands zeigt sich das Problem: Wegen der Enteignungen 1945 wurde die Erbfolge unterbrochen. Nach der Wende versuchten viele ehemalige Besitzer, die Herrenhäuser zurückzukaufen. Den umliegenden Grundbesitz durften sie aber nicht erwerben - die Landwirtschaft als Ertragsquelle ging verloren. Auch viele private Investoren kauften die alten Gemäuer, aber verkauften sie auch wieder schnell. "Jedes Mal geht es den Objekten schlechter", sagt Sayn-Wittgenstein-Sayn. "Es ist immer ein Problem, wenn man keine historisch gewachsene Bindung zu den Häusern hat."

Aller Anfang ist schwer

In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Hessen sind Burgen und Schlösser zum Großteil immer noch mit dem landwirtschaftlichen Grundbesitz verbunden. Im heutigen Rheinland-Pfalz seien diese Bindungen wegen der wiederholten Besetzung durch Frankreich und Zerstörungen im 17. Jahrhundert vielerorts aufgehoben worden. Deshalb werden hier Anwesen wie Sayn und Namedy auch häufig kommerziell genutzt.

Vor dem Metier "Burgenerbin" ließ sich Anna von Hohenzollern nicht abschrecken. Doch: "Ein Familienunternehmen zu führen ist nie einfach", sagt Heide von Hohenzollern. Am Anfang sei man schon häufig aneinandergeraten. Anna hatte gerade frisch ihr Diplom in Medienwirtschaft in der Tasche und wollte eigentlich zum Film, als sie vor fast sechs Jahren einstieg. Mit im Gepäck: eine Menge Ideen. "Bis ich allein die neue Homepage durchgesetzt habe", scherzt sie heute. Beide lachen.

Mit großem Stolz führen die beiden Prinzessinnen durch das Haus. Der lichtdurchflutete Spiegelsaal erinnert an Zeiten, als Prinzessinnen noch mit Reifröcken durch ihr Anwesen schritten und 40 Bedienstete für Ordnung sorgten. Die Baustellen, die immer wieder auftauchen, sind kaum zu entdecken. "Ich sage immer, es ist eine alte Dame", erklärt Heide von Hohenzollern. Sie berichtet von Wassereinbrüchen und der falsch konstruierten Dachterrasse, die immer mal wieder Sorgen macht. "Aber zu 99 Prozent ist es eine große Freude."

Katharina Hölter, dpa/asc

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