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Nach Burnout Vom Top-Manager zum Tofu-Verkäufer

Veganz-Gründer Bredack: Alles vegan, selbst die Entenbrust Fotos
DPA

Als Manager bei Daimler hat Jan Bredack Breitling-Uhren getragen, heute verkauft er in seinen veganen Supermärkten Bratlinge. In einem Buch erzählt er von seiner Wandlung und vom "System der Angst" bei seinem alten Arbeitgeber.

Jan Bredacks Xing-Profil zeigt einen Mann, den es so nicht mehr gibt. Sein Haar ist kurz, artig lächelt er in die Kamera. Zum dunklen Anzug trägt er eine rote Krawatte. "Technischer Direktor Daimler AG" steht neben seinem Foto.

Das Profil ist veraltet, es stammt aus Bredacks früherem Leben. Heute geht er im Kapuzenpulli zur Arbeit. Seine Trekkingschuhe sind hinten heruntergetreten, er trägt sie wie Pantoffeln. Der 42-Jährige steht in seinem Supermarkt in Berlin, in der Hand hält er einen grünen Smoothie. Der Obst-Shake ist sein Morgenritual.

Bredack ist Gründer der veganen Kette Veganz, ein Markt für Ökokost und Produkte ohne Fleisch, Milch und Eier. Noch vor ein paar Jahren waren Veganer für ihn "Leute, die nicht alle Latten am Zaun" hatten: Bredack arbeitete sich bei Daimler vom Kfz-Mechaniker zur Führungskraft hoch. 2008 erlitt er einen Burnout und krempelt sein Leben um: Aus dem gehetzten Manager wurde ein Verfechter für vegane Ernährung.

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Food-Branche: Essen ist fertig!
Seine ungewöhnliche Wandlung beschreibt er in seinem gerade erschienenen Buch "Vegan für alle". Es ist eine Mischung aus Autobiografie und Sachbuch über Essen, Ethik, Tierschutz und Umwelt. Bredack erzählt darin, wie er in der DDR "rot bis ins Mark" aufwuchs. Er beschreibt sein späteres Leben als Manager, wo vor allem zählte, welchen Platz der Wagen in der Tiefgarage hat. "Das Leben glich einem Traum, und unsere Nachbarn waren grün vor Neid", schreibt er.

Die Arbeitskultur bei Daimler beschreibt er als "System der Angst": "Es gibt in Konzernen keine Ehrlichkeit, nur Scheinheiligkeit", schreibt er. Daimler will sich auf Anfrage nicht zu dem Buch äußern. "Es könnte auch BMW oder Siemens sein, die Konzerne ticken ja alle gleich", sagt Bredack.

Bredack möchte nie wieder von Geld abhängig sein, sagt er heute. Eine erstaunliche Aussage für einen Unternehmer. Die Märkte laufen nach eigenem Bekunden "sehr gut", die Kette soll dieses Jahr schwarze Zahlen schreiben. Fünf Filialen gibt es derzeit bundesweit, es sollen einmal 20 werden. Auch internationale Franchise-Unternehmen sind geplant. Sich selbst zahlt er nach eigenen Angaben ein Gehalt von 3500 Euro brutto aus, weniger als seinen Geschäftsführern.

Doch in der linken Szene hat das kommerzielle Unternehmen nicht nur Freunde. Es wurden schon Schaufensterscheiben eingeworfen. Den militanten Veganern behagt es nicht, dass ihnen ein Teil ihrer Protestkultur genommen wird, so erklärt es Bredack.

Eine Minderheit sind Veganer allerdings längst nicht mehr: Nach einer Schätzung des Vegetarierbundes gibt es in Deutschland 800.000 Veganer. "Die Sortimente wachsen", sagt Denise Klug vom Handelsinformationsdienst Planet Retail. So verkauft mittlerweile eine Back-Kette vegane Sandwiches, auch Supermärkte haben ihre Auswahl für Veganer vergrößert. Bislang ist der Vegan-Hype für die Expertin aber "fast ausschließlich ein Großstadtphänomen".

Für Bredack gab es zwei Gründe, sich vegan zu ernähren: Den Burnout und seine Freundin, die er nach der Trennung von seiner Frau kennen lernte. Sie war Vegetarierin und überzeugte ihn vom Fleischverzicht. Später beschlossen sie zusammen, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Auch diese Szene beschreibt Bredack in seinem Buch: "Kurz vor Mitternacht stiegen wir in meinen Mercedes-G-Klasse-Geländewagen und fuhren den Berg hinauf. Wir schossen Raketen in die Luft - und begrüßten das neue Jahr 2009 als Veganer."

Caroline Bock/dpa/ant

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 78 Beiträge
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    Seite 1    
1. Und warum ....
webman 15.04.2014
... lässt sich SPON für so eine scheinheilige PR hergeben ??
2.
deepfritz 15.04.2014
In Krisenzeiten suchen die Menschen gerne nach Halt, denen finden sie manchmal, wie hier, im Aberglaube!
3. Aussage?
midastouch 15.04.2014
Irgendwie ist der Artikel nichtssagend. Ein bisschen Burnout, ein bisschen Veganer, aber auf nichts wird wirklich eingegangen. Der Artikel hat keine gute Struktur.
4. Ich habe ja schon immer gewusst, dass Veganer einen an der Waffel haben
habu 15.04.2014
und natürlich, dass es sich dabei um ein Luxusproblem von entwurzelten aber saturierten Wohlstandsbürgern handelt: "Kurz vor Mitternacht stiegen wir in meinen Mercedes-G-Klasse-Geländewagen und fuhren den Berg hinauf. Wir schossen Raketen in die Luft - und begrüßten das neue Jahr 2009 als Veganer."
5. Ohne Fleisch...
ohnefilter 15.04.2014
...wird mir übel. Hat denn niemand Mitleid mit den Pflanzen, die sich diese Ex-Mercedesfahrer da reinziehen?
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