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Burnout Auch Sport-Asse brauchen Ruhe

Übertrainiert: Stress muss nicht zum K.o. führen - wenn es genug Erholung gibt Zur Großansicht
Corbis

Übertrainiert: Stress muss nicht zum K.o. führen - wenn es genug Erholung gibt

Jeder Vierte knickt im Job ein, weil er sich ausgebrannt fühlt. Um vorzubeugen, sollte man wie ein Leistungssportler denken, sagt Psychologe Michael Kellmann. Dann wird Erholung zum Teil des Trainings.

Bei Sportlern heißt es Übertraining - ein Zustand, den jeder Trainer verhindern will: Der Sportler hat so viel trainiert, dass es ihm schwerfällt, seine Leistung aufrechtzuerhalten. Er braucht Erholung, manchmal wochenlang. Ähnliches passiert beim Burnout, sagt der Sportpsychologe Michael Kellmann von der Ruhr-Uni Bochum. Wie Sportler sollten auch Berufstätige feste Erholungszeiten einplanen. Das klingt zwar einfach, viele Betroffene schaffen es aber dennoch nicht.

Seine sportwissenschaftliche Sicht auf das Thema Burnout hat Kellmann Ende September auf dem Burnout-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie in Heidelberg vorgestellt. Er kommt damit zur rechten Zeit. Erst diese Woche meldete der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW), dass inzwischen 40 Prozent der Vorruheständler wegen psychischer Probleme aus dem Berufsleben scheiden. Außerdem vernachlässige mehr als jeder vierte Arbeitnehmer seinen Job, weil es ihm seelisch schlecht gehe.

Was hat Kellmann als Hilfe zu bieten? Er versucht es mit einem sportpsychologischen Vergleich. Sportler müssen hart trainieren, sagt er. Nur wenn sie bis an ihre Belastungsgrenze gehen, werden sie besser. Daher lassen ihre Betreuer sie nach ausgeklügelten Plänen trainieren, bis sie erschöpft sind. Im Fachjargon heißt das overreaching - überziehen. Ist ein Sportler aber ständig überlastet, stagniert seine Leistung. "Als Reaktion trainieren die meisten dann noch mehr", erklärt Kellmann. Doch statt wieder besser zu werden, bricht die Leistung ein.

"Untererholung über eine lange Zeit"

Auch Berufstätige kennen das Überziehen: Für viele ist es Alltag. Sie hetzen von einem Meeting zum nächsten, während das E-Mail-Postfach überläuft und sich auf dem Schreibtisch die Arbeit stapelt. Auch das kann zu Höchstleistung anspornen, für kurze Zeit. Als Dauerzustand führt es zum Gegenteil. "Für mich ist Burnout nichts anderes als eine Folge von Untererholung über eine lange Zeit. Das ist ein schleichender Prozess", erklärt Kellmann, der seit 20 Jahren zur Bedeutung von Erholung forscht.

Betriebsärzte-Präsident Wolfgang Panter sieht vor allem die Führungskräfte in den Unternehmen in der Pflicht. Er fordert die Chefs auf, sensibler auf ihre Mitarbeiter zuzugehen und ihnen "bei drohendem Burnout die Hand zu reichen". Konkret heißt das: Mitarbeiter bei den ersten Anzeichen von Überlastung ansprechen und ihnen die Möglichkeit geben, mehr Ruhe einzuplanen. Ein guter Vorgesetzter sollte seinen Mitarbeitern stets sagen können, wer ihnen bei psychischen Problemen Rat gibt.

Er sollte also die Rolle des Trainers einnehmen, auf die Überlastung der Schützlinge reagieren und feste Regenerationszeiten festlegen. Den meisten Beschäftigten fehlt ein solcher Trainer. Umso wichtiger ist es, dass sie selbst für Erholung sorgen. "Es gibt stark beanspruchte Menschen, die hoch erholt sind", sagt Kellmann. "Denen geht es prima."

Doch wie funktioniert Erholung? "Wir haben sehr häufig den Bezugspunkt verloren, was uns eigentlich guttut", sagt Kellmann. Der erste Schritt sei daher zu überlegen, wie man sich erholt, sei es in der Badewanne, beim Joggen oder bei einem Treffen mit Freunden, je nach Typ.

Fernsehen ist erholsam, wenn man rechtzeitig ausschaltet

Auch Fernsehen könne erholsam sein, "solange man die Fernbedienung unter Kontrolle hat", so Kellmann. Er erwische sich immer wieder dabei, Sendungen zu sehen, die er schon vor zwei Jahren nicht mochte. "Ich verpasse es, den Fernseher rechtzeitig auszuschalten. Dann wird die Erholung, die ich angesteuert habe, überlagert von Ärger. Ich ärgere mich über die vertane Zeit. Das ist kontraproduktiv."

Wer nicht weiß, was ihm guttut, sollte verschiedene Aktivitäten ausprobieren, rät Kellmann. "Schauen Sie nach zwei, drei Wochen, was besonders erholsam war." Ist diese Hürde genommen, folgt die zweite: der Kampf mit dem inneren Schweinehund. "Wenn Sie merken, dass Ihnen Joggen gut tut, müssen Sie sich überwinden und loslaufen", sagt Kellmann. "Erholung passiert nicht einfach, man muss sie steuern."

Bei Sportlern stehen Erholungsphasen im Trainingsplan. Berufstätige müssen sich selbst Zeit dafür nehmen. "Erholung muss geplant werden. Sie muss fester Bestandteil der Woche sein", rät Kellmann. Sonst bestehe die Gefahr, dass sie in der Hektik des Alltags untergeht.

Die eigene Regenerationsfähigkeit muss trainiert werden. Die meisten Menschen gingen davon aus, dass man sich nach einer Anstrengung erholen muss, sagt Kellmann. "Ich denke, es ist umgekehrt. Man muss erholt sein, um überhaupt belastbar zu sein."

Mit Material von dapd

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insgesamt 8 Beiträge
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1. optional
bergfluss 24.10.2012
"Ein guter Vorgesetzter sollte also die Rolle des Trainers einnehmen, auf die Überlastung der Schützlinge reagieren und feste Regenerationszeiten festlegen." wird Herr Kellmann in diesem Artikel zitiert. Ein andere Meinung dazu ist... Ein guter Vorgesetzter lässt es nicht zu Überbelastung kommen und setzt niemanden unter Druck. Ein guter Vorgesetzter hält sich aus den Erholungsphasen seiner Mitarbeiter völlig raus.
2. Schön wärs
echtschnell 24.10.2012
Zitat von bergfluss"Ein guter Vorgesetzter sollte also die Rolle des Trainers einnehmen, auf die Überlastung der Schützlinge reagieren und feste Regenerationszeiten festlegen." wird Herr Kellmann in diesem Artikel zitiert. Ein andere Meinung dazu ist... Ein guter Vorgesetzter lässt es nicht zu Überbelastung kommen und setzt niemanden unter Druck. Ein guter Vorgesetzter hält sich aus den Erholungsphasen seiner Mitarbeiter völlig raus.
Druck gehört zum Geschäftsleben dazu. Der Druck fängt an beim Kunden, der viel Geld zahlt und dafür Leistung erwartet. Der Chef hat Verantwortung für das Unternehmen, für seine Mitarbeiter und ggf. die Eigentümer und weiß: Unzufriedene Kunden zahlen nicht und das gefährdet das Unternehmen und die Arbeitsplätze. Und daher muss ein Vorgesetzter auch Druck ausüben. Die Japaner sagen: Geschäft ist Kampf. Und da haben sie recht. Kuscheln kann man zuhause. Richtig ist aber: Man muss seinen Mitarbeitern Erholung ermöglichen.
3. besser ist das
bergfluss 24.10.2012
@echtschnell Durch Druck auf die Angestellten meinen Sie werden aus unzufriedenen Kunden zufriedene? Geschäft sei Kampf? Ich meine, Druck macht kein Produkt/keine Dienstleistung besser und ein auf beiden Seiten zufrieden abgeschlossenes Geschäft zieht neues Business an.
4. Japan
solaris_3001 24.10.2012
Genau und weil die Japaner so schlau sind haben sie auch gleich das passende Wort gefunden, für diejenigen, die zuhause nicht zum Kuscheln kommen: Karoshi - Tod durch Überarbeitung...
5. Gehört Druck wirklich dazu?
Christian Bremer 25.10.2012
Meiner Erfahrung macht Druck klein, weniger kreativ und ist auf Dauer nicht motivierend. Ist Spaß, Freude und Sinn in der Arbeit da nicht besser? Tipps und Hinweise gibt es dazu übrigens auf facebook bei www.facebook.com/gelassenheitgewinnt.
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    Erholung braucht Zeit, sagt der Sportpsychologe Michael Kellmann aus Bochum. Die nehmen sich Menschen immer seltener. Statt drei Wochen am Stück in Urlaub zu fahren, sei es heute Standard, dreimal für eine Woche zu verreisen. "Wir denken, der Urlaub beginnt samstags morgens, wenn wir losfahren. Das stimmt nicht. Er beginnt frühestens, wenn wir angekommen sind", sagt Kellmann. Erholsam sind solche Kurztrips nicht. "Die Vorbereitung des Urlaubs, die Reisezeit und die Nachbereitung der liegengebliebenen Arbeit verhindern eine wirkliche Erholung."
Drucker raus!
  • Belastungswechsel können erholsam sein. Wer sich seine Arbeit frei einteilen kann, sollte versuchen, sie zu variieren. Statt drei Gespräche hintereinander zu legen, sei es besser, zwischendurch ein paar E-Mails zu lesen, sagt der Sportwissenschaftler Michael Kellmann aus Bochum. Er hat den Drucker aus seinem Büro verbannt. "Ich muss aufstehen und hingehen. Damit nehme ich eine andere Körperposition ein und habe zumindest eine indirekte Erholung."

Burn-out: Zahlen und Fakten
Die neue Zivilisationskrankheit
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Erschöpfungssyndrom, Anpassungsstörung, Depression, Belastungsstörung, Burn-out - die Volksleiden der modernen Gesellschaft haben viele Namen. Die WHO hat beruflichen Stress zu "einer der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts" erklärt. Bis 2030 könnte die Depression die wichtigste Ursache von Krankheitsbelastungen sein - in reichen Ländern ist sie es bereits.
Erschöpfung - ein Massenphänomen
Eine repräsentative Studie von Techniker-Krankenkasse (TK), "FAZ"-Institut und Forsa macht deutlich, welche Ausmaße das Problem inzwischen in Deutschland angenommen hat: Acht von zehn Deutschen empfinden demnach ihr Leben als stressig. Jeder Dritte steht unter Dauerstrom, jeder Fünfte bekommt die Folgen gesundheitlich zu spüren - von Schlafstörungen bis hin zum Herzinfarkt. Stress bestimmt den Alltag in Deutschland immer stärker.

Alarmierend ist der TK zufolge die hohe Zahl von Burn-out-Patienten. 2008 sind demnach "ausgebrannte" Berufstätige fast zehn Millionen Tage krankgeschrieben worden. Damit fehlten rund 40.000 Menschen das ganze Jahr über am Arbeitsplatz. Dies entspricht einer Zunahme von 17 Prozent verglichen mit 2003.
Job ist Stressfaktor Nummer eins
Stressfaktor Nummer eins ist der Job. Das haben die 1014 befragten Personen zwischen 14 und 65 Jahren zu Protokoll gegeben. Jeder Dritte arbeitet am Limit, getrieben von Hektik, Termindruck und einem zu hohen Arbeitspensum. Ein Drittel der Beschäftigten leidet darunter, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen und von Informationen überflutet zu werden.

Berufstätige Eltern geraten der Studie zufolge besonders häufig an ihre Belastungsgrenze. Ihre größte Sorge sei, dass die Familie zu kurz kommt. Doch auch 90 Prozent der Schüler klagen über Stress. Jeder Dritte steht nach eigener Aussage permanent unter Leistungs- und Prüfungsdruck.
Kosten für das Gesundheitssystem
Auch für das Gesundheitssystem ist die Dauerbelastung der Menschen ein ernstzunehmender Kostenfaktor. Mit knapp 27 Milliarden Euro im Jahr stehen die Ausgaben für die Behandlung stressbedingter psychischer Erkrankungen an dritter Stelle der Kostentabelle. Hinzu kommen massive Aufwendungen für Herz-Kreislauf-Krankheiten, unter denen Dauergestresste mehr als doppelt so häufig leiden wie ihre weniger unter Druck stehenden Zeitgenossen.


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