Jury-Tag vier, Samstag, 8.30 Uhr. Zum ersten Mal sitzen alle 25 Juroren an einem Tisch: USA, Italy, Russia, India, UK, Australia, France, Sweden, Germany, Finland, Belgium, Switzerland, Spain, Brazil, Argentina, Canada, Japan, South Africa, The Netherlands, Asia Pazific, Mexico.
Beeindruckend. Die United Nations der Werbung. Ihr Auftrag: die vorliegende Shortlist anschauen, diskutieren und festlegen. Die Shortlist ist die Basis für die am nächsten Tag folgende Löwenvergabe. Ist also wichtig. Ich schalte meinen Computer aus. Und höre auf zu tippen.
Exakt 14 Stunden später schalte ich ihn wieder ein. Die finale Shortlist steht - unter Ausschluss der Öffentlichkeit ("Don't twitter and post stuff out of the juryroom!"), unter ständiger Kontrolle der abgegebenen Stimmen ("Votes for your agency are not allowed. Play fair!") und nach großartigen, aber langen und kraftraubenden Diskussionen. Auch "patriotic votes" sind nicht gern gesehen und nur in Maßen erlaubt. Am kommenden Morgen wird die Liste veröffentlicht und dann in vielen Werbeagenturen gleichermaßen für Begeisterung und Enttäuschung sorgen. Ich erinnere mich an die Worte von Terry Savage, des Festival-Vorsitzenden: "Cannes ist kein Picknick."
Wenn Franzosen einparken
David Lubars von der Agentur BBDO sagte mal, Awardshows seien wie ein Teller Spaghetti. "Wirf ihn an die Wand. Und irgendwas bleibt schon hängen." Gut gesagt. Aber ganz so willkürlich war unsere Entscheidung dann doch nicht.
Was bei mir hängen blieb:
Arbeiten wie diese stehen exemplarisch für alle 251 Arbeiten, die es am vierten Jurytag auf die Shortlist geschafft haben. Das sind rund neun Prozent aller Einsendungen in dieser Kategorie. Immerhin: 27 davon kommen aus Deutschland.
Ganz zum Schluss bekam jeder Juror noch die Möglichkeit, per "Privilege Vote" eine Arbeit, die er auf der Shortlist vermisst, für die Shortlist zu nominieren. Erneut wurde diskutiert, reflektiert, gerungen. Mon dieu! Und dabei ging es heute nur um die Shortlist. Morgen erst geht es ums Ganze: die Löwen.
Sascha Hanke, 37, ist Executive Creative Director bei Kolle Rebbe und verantwortet gemeinsam mit Stefan Kolle und Stefan Wübbe die Arbeit der fast 300 Mitarbeiter starken Werbeagentur. Zuvor arbeitete er zehn Jahre lang bei Jung von Matt. Hanke hat schon säckeweise Medaillen bei deutschen und internationalen Wettbewerben abgeräumt, auch zehn Cannes-Löwen und 2011 den einzigen für Deutschland in der "Integrated"-Königsdisziplin für Kampagnen in neuen und alten Medien (mit einem Spot für das Konzerthaus Dortmund).
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL | RSS |
| alles aus der Rubrik Berufsleben | RSS |
| alles zum Thema Und nun zur Werbung - KarriereSPIEGEL | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH