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11. Januar 2013, 08:47 Uhr

Praktikant bei Carolina Herrera

Aufstieg zwischen Haarspray-Wölkchen

Von Susanne Koch, New York

Was als unbezahltes Praktikum beginnt, wird manchmal doch noch gut - zumindest war es bei Ludwig Heissmeyer so. Inzwischen arbeitet er als Design-Director bei Carolina Herrera in New York. Auch wenn er täglich Glamour erlebt, die Tage im Prekariat hat er in lebendiger Erinnerung.

Es ist ein Montagmorgen im September und der offizielle Beginn der New York Fashion Week. Hinter den Kulissen reiht sich Haute Couture, Meter an Meter. Models, Designer und Stylisten wuseln durcheinander. Haarspray-Wölkchen stehen im Raum.

Ludwig Heissmeyer blickt nervös durch seine kugelrunden Brillengläser. Er sagt: "Jetzt kann man nur noch beten, dass alles gut geht." Der 36-jährige ist Design Director von Carolina Herrera und ein Nachwuchsstar in der New Yorker Modeszene. Und er hat geschafft, wovon Viele träumen: den Durchbruch in Manhattan.

Nicht nur hinter den Kulissen herrscht Aufregung. Auch vor dem Laufsteg wird es hektisch. In einer langen Schlange drängeln sich die Besucher, die Show von Carolina Herrera ist eine der Hauptattraktionen der Fashion Week. Boris Becker und Ehefrau Lilly sind gekommen, die gefürchtete Vogue-Chefredakteurin Anna Wintour nimmt ein paar Stühle weiter Platz.

Dann das Zeichen: Helfer ziehen die Folie vom blendend weißen Laufsteg. Die Show beginnt. Die Models scheinen zu schweben, präsentieren die fließend leichten Seidenstoffe, weiche Farben. "Das ist der Moment auf den man die ganzen letzten Monate hingearbeitet hat. Jetzt hofft man nur noch, dass keines der Models fällt", wird Heissmeyer später in seinem Büro erzählen. Die Outfits basieren teilweise auf seinen Ideen. "Natürlich in Zusammenarbeit mit Ms. Herrera."

Seit zehneinhalb Jahren arbeitet Heissmeyer bei Carolina Herrera. Angefangen hat er als Praktikant. Nach der Schule zog er zunächst von Hamburg nach Florenz, begann dort ein Modedesign-Studium, wechselte dann 1998 nach New York ans Fashion Institute of Technology und erwarb dort 2002 einen Bachelor of Fine Arts.

Vorteil, aus Deutschland zu kommen

Ein Praktikum bei Oscar de la Renta, Vera Wang oder eben Carolina Herrera - davon träumte fast jeder, der mit ihm studierte. Auch Heissmeyer. Zwar war sein Englisch gut, doch ob er als Fremder in den USA überhaupt eine Chance hatte, bezweifelte er damals. Umso größer dann die Überraschung, als die Zusage für die Praktikantenstelle kam. Es half sogar, Deutscher zu sein, wie sich nun herausstellte. "Wir Deutsche haben einen guten Ruf, denn die Amerikaner mögen deutsche Präzision und Zuverlässigkeit", sagt Heissmeyer. Außerdem gab es im Design-Team schon eine Münchnerin und eine Stuttgarterin. "Das war ein ganz guter 'Fit'."

Was dann kam, entspricht dem typischen Klischee eines Praktikums in New York: Lange Arbeitszeiten, selbstverständlich unentgeltlich, eingepferchtes Wohnen, schlechtes Essen. "Es gibt nur wenige Stellen in New York und man muss sich schnell bewähren", so der Designer. Zeit und Geld sind immer ein Problem, für Ausländer zudem die Aufenthaltsgenehmigung: Sie müssen nicht nur einen Job finden, sondern auch einen Arbeitgeber, der das Visum finanziert und organisiert. "Das war meine ständige Sorge, dass am Ende kein Job und damit auch kein Visum herausspringt", erinnert er sich.

Gut, wenn dich die Chefin mag

Heissmeyer arbeitete Tag und Nacht. Seiner Chefin gefiel das. Nach zwei Monaten wurde der Praktikantentraum wahr: Herrera stellte ihn als Assistenz-Designer ein. Mittlerweile, zehn Jahre später, ist der Deutsche Design Director. "Mode hat viel mit Glück zu tun", sagt er heute. "Das Gute war für mich, dass Ms. Herrera mich mochte."

Doch so aufregend, wie man sich das Leben eines Modedesigners bei einem weltweit bekannten Luxus-Label vorstellt, ist Heissmeyers New Yorker Alltag trotz steiler Karriere nicht. Er lebt in einer kleinen, geschmackvoll eingerichteten Zwei-Zimmer Wohnung mitten in Soho mit den typischen New Yorker Herausforderungen wie pfeifender Dampfheizung und quietschenden Badezimmerarmaturen. Ins Büro fährt er mit der U-Bahn. Die Büroräume von Carolina Herrera sind puristisch, liegen nur wenige Schritte vom Times Square entfernt.

Und auch den Kampf um eine dauerhafte US-Aufenthaltsgenehmigung hat Heissmeyer gewonnen: "Seit August 2012 habe ich endlich eine Greencard, nach 15 Jahren in der Stadt", erzählt er, "seitdem habe ich das Gefühl, angekommen zu sein."

Mit der Greencard würde ein Jobwechsel auch leichter fallen. Doch da winkt Heissmeyer nur ab.

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