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Carpe noctem Freunde der Nacht

Ein junger Konditor liebt das Naschzeug, da nimmt er Nachtschichten in Kauf. Für die Astronomin ist ein klarer Sternenhimmel ein Glückstreffer, den sie auskostet. Die Polizistin dagegen quälen Migräne-Attacken - sechs Nachtarbeiter erzählen von ihren Jobs, von den Vorzügen und Tücken.

Wenn nur noch Nachtschwärmer unterwegs sind: Nacht, Nebel und eine große Geste Zur Großansicht
Corbis

Wenn nur noch Nachtschwärmer unterwegs sind: Nacht, Nebel und eine große Geste

Stockfinstere Nacht, alles still. Irgendjemand muss ja das Leichenhaus bewachen. Plötzlich ein Geräusch - war da was? Hat sich etwas bewegt? Und warum ist die Tür nur angelehnt?

Die Klischees, die Hollywood zum Begriff "Nachtschicht" bereithält, kann man ganz leicht vor dem inneren Auge abspulen - es reichen ein paar Worte, um das Kopfkino in Gang zu bringen. Aber die Sache hat einen Haken: Diese Nachtschicht-Phantasien sind ganz schön albern.

Die Realität ist nicht annähernd so blutrünstig. Wer nachts arbeitet, hat, flüchtig betrachtet, einen ganz normalen Job. Nur, dass die Uhrzeit nicht dem typischen Biorhythmus der meisten Menschen entspricht.

Etwas besonderes sind die meisten Nachtjobs trotzdem, ganz ohne Horroreffekte. Davon berichteten sechs Nachtschaffende vor ein paar Tagen auf KarriereSPIEGEL. Und hier nun schildert ein weiteres halbes Dutzend, was sie an ihren Spätschichten lieben oder hassen, was sie stolz macht und was sie schlaucht.

Sie können Dinge sehen, die bei Tag unsichtbar sind - wie eine Astronomin. Sie haben öffentliche Plätze, an denen sonst das Leben pulsiert, ganz für sich allein - wie eine Reinigungskraft am Flughafen. Sie können an Süßigkeiten naschen, wenn sie am frischesten sind - wie ein Konditorlehrling.

privat
Die Astronomin: "Wie eine Insel im Alltag"

DPA
Die Polizistin: "Mit 30 bekam ich plötzlich Migräneanfälle"

Mercedes Lauenstein
Der Konditor: "Ich mache das aus Liebe zum Süßzeug"

Mercedes Lauenstein
Der Flughafenreiniger: "Immer noch besser als beim griechischen Militär"

Anne Haeming
Der Tankwart: "Von den Sonnenaufgängen bekomme ich nichts mit"

Deutsche Bahn
Die Schlafwagenschaffnerin: "Bloß keinen Kaffee!"

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Nachtschicht - Die Playlist

Viele Musiker sind selbst Nachteulen - und haben den Nachtarbeitern dieser Welt eigene Songs gewidmet. Hier die wichtigsten:

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D.A.F. - Nacht Arbeit
Franz Ferdinand - Van Tango
Michael Jackson - Working Day and Night
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Rufus Thomas - All Night Worker
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Zu guter Letzt geht es aber auch darum, die Sau rauszulassen - nach der Nachtschicht:

The B-52's - Hot Pants Explosion

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Bei Schichtarbeit über Jahre oder gar Jahrzehnte lauern erhebliche gesundheitliche Gefahren. Die schleichen sich oft langsam an und entfalten erst nach längerer Zeit ihre volle Wirkung. Jeder kann auch selbst dafür sorgen, die Negativfolgen zu mindern.
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Die beiden Hauptmahlzeiten sollten möglichst zur gleichen Uhrzeit mittags und am frühen Abend eingenommen werden. Regelmäßige kleine Zwischenmahlzeiten verhindern ein zu starkes Absinken des Blutzuckerspiegels. Verpflegung während der Nachtschicht sollte leicht bekömmlich sein, weil der Verdauungstrakt nachts auf Ruhe eingestellt ist.
Käffchen? Läuft.
Kaffee lieber vor der Nachtschicht trinken; da Koffein erst nach Stunden seine volle Wirkung entfaltet, stört Kaffee während der Schicht den folgenden Schlaf. Übrigens sollte man für jede Schicht die gleiche Schlafenszeit beibehalten. Dazu Klingel abstellen, Handy ausschalten, Zimmer abdunkeln.
So gesund wie möglich leben
Außerdem raten Experten: regelmäßig im Freien bewegen, Sport und Hobbys betreiben, soziale Kontakte pflegen - auch wenn die Schichtarbeit es nicht leicht macht. Entspannungsübungen wie autogenes Training lernen, einen Rhythmus in die Freizeit bringen, zum Beispiel durch feste Aktivitäten in der Gruppe oder mit der Familie.

Wie wir ticken
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Mit seiner Arbeitsgruppe an der LMU München erforscht Till Roenneberg, wie das Licht den Tagesrhythmus des Menschen beeinflusst und wie die verschiedenen Chronotypen reagieren. "Unser biologischer Rhythmus ist angeboren, und seine Missachtung hat gesundheitliche Folgen", sagt er.
Forschung zum Tag- und Nachtrhythmus
Roenneberg und sein Forscherteam sammeln im Rahmen der Forschungsnetzwerke ClockWORK und EUCLOCK seit über zehn Jahren per Internet-Fragebögen Informationen über menschliche Tagesabläufe. 110.000 EU-Bürger haben bisher mitgemacht, von Kindern bis zu alten Menschen. Online gaben sie Auskünfte über ihre Bettzeit, Schlafdauer, Weckzeit und die Stunden, die sie täglich draußen bei Tageslicht verbringen. Zusammen mit Schlaftagebüchern, -laboren und Aktivitätsmessgeräten liefern all diese Daten weitere Erkenntnisse über die innere Uhr.
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Wer einen der MCTQ-Fragebogen (Munich Chronotype Questionnaire) beantwortet, bekommt als Feedback eine Beurteilung seiner persönlichen Innenzeit. Den Fragebogen gibt es hier: www.imp-muenchen.de. In seinem neuen Buch "Wie wir ticken" erklärt Till Roenneberg an vielen Fallbeispielen alle Fragen rund um die innere Uhr.

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