Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaGründerzeit - KarriereSPIEGELRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Crowdfunding So bekommt man Geld für die skurrilste Idee

Geldgeber lieben ihn: US-Gründer Zach Crain ist Meister im Crowdfunding-Geschäft Zur Großansicht
Freaker USA

Geldgeber lieben ihn: US-Gründer Zach Crain ist Meister im Crowdfunding-Geschäft

Zach Crain kann von gestrickten Flaschenwärmern leben, weil Fans ihm immer wieder Kredite geben. Warum? Er ist ein Crowdfunding-Genie. Ein Buch beschreibt, wie der Charme für den Schwarm funktioniert.

Was haben ein Wandkalender mit Geschichten über eine Hundertjährige, ein Supermarkt ohne Verpackungen und ein Computerspiel aus dem Jahr 1988 gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts, auf den zweiten sehr viel: Ohne Crowdfunding würde es sie nicht geben.

Geld sammeln im Netz: Vor vier Jahren zeigten die Macher der TV-Serie "Stromberg", wie es geht. Als ihnen eine Million Euro für einen Kinofilm fehlte, organisierten sie eine Kampagne im Internet. Über 3000 Kleinanleger finanzierten das Projekt und kassierten nach dem Kassensturz eine satte Rendite. Es war ein Bilderbuch-Coup.

Aufruf starten, Geld sammeln, loslegen - hört sich einfach an, ist es aber nicht. Ein Gründer muss nicht nur eine zündende Idee und ein gutes Konzept haben. Wer seine Idee mithilfe der Crowd finanzieren will, muss zunächst Geldgeber finden und diese dann auch bei Laune halten. Wie das geht, steht im Crowdfunding-Handbuch "Ideen gemeinsam finanzieren", soeben erschienen bei orange-press.

Es gibt vier Crowd-Modelle

Crowddonating

Eine moderne Form, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Doch während klassisch-humanitären Organisationen in der Regel verschiedene Projekte unterstützen, fließen Crowddonating-Spenden nur in konkrete Hilfsaktionen – etwa in den Bau einer Solarstromanlage in einem afrikanischen Dorf. Über die Internetseiten betterplace.org und helpedia.de. können die Geldgeber anschließend verfolgen, wie die Anlage entsteht.

Crowdlending

Wer früher einen Kredit benötigte, ging zur Bank seine Vertrauens. Heute geht es auch über Crowdlending: Über eine Internet-Plattform erhalten Privatpersonen, aber auch Unternehmen ein Darlehen von der Crowd. Schwarmkredit-Anträge können in Deutschland unter anderem auf auxmoney.com und lendico.de eingestellt werden. Doch genauso wie bei einer Bank müssen die Kreditnehmer das gesammelte Geld auch dort zurückzahlen – meist plus Zinsen. Der Vorteil für die Geldgeber: Sie erhoffen sich Renditen. Auf Crowdlending-Plattformen wird Geld für nahezu alles gesammelt – für den Kauf eines Neuwagens oder für die Tilgung von Altschulden. Die Plattform kiva.org vermittelt Mikrokredite für Hilfs- und Bildungsprojekte in ärmeren Regionen.

Crowdinvesting

Hier können Gründer ihre Ideen vorstellen und Investoren finden, die sie bei ihren Plänen unterstützen (Gründungs- bzw. Wachstumsfinanzierung). Während die österreichische Plattform greenrocket.com vorwiegend ökologisch ausgerichtete Projekte im Portfolio hat, richtet sich seedmatch.de an Start-ups im Internet. Plattformen wie deutsche-mikroinvest.de oder bankless24.de finanzieren vor allem Mittelständler. Die Plattform bergfuerst.com bietet Aktien als Investmentoption an. Ein riskantes Geschäft: Scheitert ein Projekt, droht ein Totalverlust.

Crowdfunding mit Gegenleistungen

Bei dieser Variante erhalten die Investoren keine Rendite, sondern zum Beispiel ein Dankeschön in Form von Sachwerten oder Dienstleistungen.

Mit vielen Beispielen, wie eben dem Omi-Wandkalender, dem Retro-Computerspiel, dem Supermarkt. Früher hätte niemand Geld in solche Projekte investiert. Ein Bankberater hätte vielleicht durch das Konzept geblättert, mitleidig gelächelt und dann abgeblockt: Gründerkredit? Keine Chance.

Deshalb entschieden sich Oma und Enkel, der Game-Designer und zwei Unternehmerinnen für den Stromberg-Weg. Im Internet fanden sie Verbündete, die an sie glaubten.

Drei Starter, drei Ideen, ein Ziel: Doch die Werbekampagne im Netz ist nur der erste Schritt auf dem langen Weg vom Traum zum Business. Die vier Autoren sagen: Mit einer Crowdfunding-Gemeinschaft ist es ähnlich wie mit einem Freundeskreis - er muss gepflegt werden. Und sein Vertrauen muss man sich erst verdienen.

Schlecht gelaunte Jungunternehmer, die sich selten melden oder dann pampige Mails schreiben und sowieso immer alles besser wissen, riskieren, dass sie ihre Unterstützer vergraulen.

Auf 240 Seiten kommen auch Gründer erfolgreicher Start-ups zu Wort, erzählen von ihren Erfahrungen: Von Stolperfallen, schwarzen Momenten und plötzlichen Überraschungen. Doch auch wenn es manchmal schwierig war - auf dem Weg nach oben hat keiner seine Fans vergessen. Einige Gründer halten seit Jahren Kontakt mit über 2000 Geldgebern. Sechs Tipps, damit ein Schwarm in die richtige Richtung schwimmt:

1. Wer schweigt, gefährdet das Projekt

Nichts lässt eine Kampagne schneller sterben als ein stummer Gründer. Das erste Gesetz des Crowdfundings heißt deshalb: Kommunikation ist alles. Es gilt als unhöflich, auf Vorschläge und Kritik nicht zu reagieren. Und ist auch unklug, da Tipps aus der Gruppe das Projekt weiterbringen können. Mit Kollaborationswerkzeugen, also Programmen, die die Zusammenarbeit erleichtern, kann das Team zum Beispiel gemeinsam Mindmaps erstellen. Haben 50 Leute gleichzeitig Fragen zu einem Thema, sollte man sie sammeln und in einen Blog oder auf einer Pinnwand beantworten. Doch Vorsicht: Niemand liest gern lange Texte.

Start-up Wormworld Saga: Update an festen Tagen Zur Großansicht
Wormworld Saga

Start-up Wormworld Saga: Update an festen Tagen

2. Wer Romane schreibt, schreckt ab

Der Grafiker Jackson Robinson macht regelmäßig Crowdfunding-Kampagnen für Pokerkarten-Sets, die er von Hand zeichnet. Darin diskutiert er neue Designs mit seinen Unterstützern. Anfangs überschüttete er sie täglich mit Mails. Doch seit es einigen Fans zu viel wurde, kommuniziert er wesentlich gezielter, bündelt alle Informationen in einem Update. Daniel Lieske, Autor und Zeichner der Wormworld Saga, eines Webcomics, geht noch einen Schritt weiter, sendet die Updates an festgelegten Wochentagen in seine Crowd. Dabei achtet er immer auf den richtigen Ton.

3. Wer Danke sagt, schafft Vertrauen

Eine nette Mail, eine kurze SMS, eine Nachricht über WhatsApp. Kluge Gründer bedanken sich dann und wann mit einigen persönlichen Zeilen bei jedem einzelnen Unterstützer. Das ist nicht nur höflich, sondern stärkt auch die Geschäftsbeziehung. Denn so lernt der Unternehmer gleichzeitig die einzelnen Investoren kennen. Wer sind sie? Warum unterstützen sie das Projekt? Was kann er von ihnen lernen? Wie man Kontakte pflegt, zeigt das Beispiel "Freaker USA".

4. Wer freundlich grüßt, hat mehr Erfolg

Das Start-up stellt gestrickte Flaschenwärmer her. Neben anderen charmanten Botschaften bedankte sich Gründer Zach Crain am Ende seiner Kampagne bei seinen 2400 Unterstützern mit einem Foto: Darauf hält er grinsend eine gezeichnete, persönliche Danksagung in die Kamera. Auch die 1389 Spender, die sich lediglich mit einem symbolischen Dollar an der Kampagne beteiligt hatten, bekamen einen Gruß. Viele waren vom Einsatz des "Freaker USA"-Teams so begeistert, dass sie erneut spendeten: Insgesamt 62.770 Dollar. Und solange das Produkt auch noch hält, was es verspricht, ist alles gut. Was aber, wenn nicht?

Start-up "Karma Chakhs": Fehler in der Produktion Zur Großansicht
Karma Chakhs

Start-up "Karma Chakhs": Fehler in der Produktion

5. Wer informiert, verhindert Krisen

So kam es bei dem Projekt "Karma Chakhs" zu Fehlern in der Produktion. Obwohl es anders vereinbart war, stellte eine Fabrik in Pakistan Schuhe mit grünen statt mit roten Sohlen her. Starter Van Bo Le-Mentzel reagierte sofort und informierte alle Unterstützer per Mail. Frage in die Runde: Was sollen wir tun? Ergebnis nach heftiger Diskussion: Viele fanden die grünen Sohlen sogar hübscher. Ende gut, alles gut - die Branche ist noch jung, Starter sollten voneinander lernen.

6. Wer andere Gründer beobachtet, vermeidet Fehler

Auch für Starter gilt: Von Erfolgen und Fehlern der anderen kann man lernen. Wie verkaufen Mitbewerber ihr Projekt? Welches Konzept überzeugt und warum? Wie lösen andere Gründer ihre Probleme? Anders als in großen Konzernen gibt es in der Szene kaum Geheimnisse, Ideen werden offen diskutiert. Also: gucken und mitmischen.

hae/sid

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Buchtitel?
culao 06.12.2015
Und wie heißt das Buch? Oder habe ich etwas überlesen?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Deutsche Gründer vs. US-Visionäre: Beim Reibach dabei sein ist alles
Anzeige
  • Ulrike Sterblich, Tino Kreßner, Anna Theil, Denis Bartelt:
    Das Crowdfunding-Handbuch

    Ideen gemeinsam finanzieren.

    orange-press; 240 Seiten; 20,00 Euro.

  • Bei Amazon bestellen.

Verwandte Themen
Fotostrecke
Zehn Erfolgsgeschichten: Gut gegründet


Fotostrecke
Investor auf Start-up-Messe: Zwischen Bauchgefühl und Businessplan

Social Networks