ThemaBüroalltagRSS

Alle Kolumnen


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Das Vortrags-Einmaleins Jetzt rede ich!

Zur Großansicht
Corbis

Alle Augen sind auf Sie gerichtet. Sie sollten jetzt mit Ihrer Rede anfangen. Ja, genau jetzt. Aber wie fängt man das Publikum ein und verhindert, dass es nach wenigen Minuten wegdämmert? Management-Berater Rüdiger Klepsch hat einige Tipps parat.

Wer gut reden kann, erfreut, überzeugt, begeistert und erobert Sympathien. Chancen dafür gibt es genug. Häufig kann man sich drücken - manchmal jedoch gibt es kein Entrinnen. Sei es, dass man neu in der Verantwortung für ein Team ist, Mitarbeiter von einem Projekt überzeugen muss oder einfach Ergebnisse klar darstellen möchte.

Es lohnt sich einfach, dabei eine gute Figur abzugeben. Ein paar Tricks genügen - hier kommt das kleine Vortrags-Einmaleins.

Zunächst einmal: keine Präsentation, kein Statement, keine Rede ohne Ziel! Nur die Erfahrensten können aus dem Stand ohne Vorbereitung eine gute Rede halten. Aber selbst sie machen sich kurz vorher klar, was ihr Ziel ist und wie sie es erreichen. Darauf konzentrieren sie sich, während sie sprechen.

Weniger erfahrene Redner brauchen mehr Zeit zur Vorbereitung und Planung der "Dramaturgie". Das gilt selbst für den langweiligsten Projektbericht.

Bloß keine Floskeln

Am wichtigsten sind die ersten Sekunden, denn da entscheidet sich, ob Ihr Publikum sich für Ihren Vortrag interessiert. Wer eine Rede beginnt mit langatmigen Begrüßungen oder Floskeln wie: "Ich freue mich, dass Sie so zahlreich …", vergibt sich die Chance auf Zuhörer. Auch Aussagen, mit denen Sie sich selbst herabsetzen ("Entschuldigen Sie bitte mein ungeübtes Auftreten…") sind ein No-No.

Die bewährteste Form ist, Fragen zu stellen. Aber bitte kurz und kompakt. Fragen Sie auf provokante oder ungewöhnliche Weise - und vermeiden Sie ähnliche Formulierungen. Ausnahme: wenn Sie am Anfang und am Ende des Vortrags bewusst denselben Akzent setzen wollen, um dem Publikum etwas vor Augen zu führen.

Besser ist es, Sie machen deutlich, was Ihr persönlicher Bezug zum Thema ist, etwa wie es sich entwickelt hat: "Ich bin froh und stolz, hier die Projektergebnisse darstellen zu können. Ich erinnere mich an den Anfang des Projekts und an die vielen Zweifel und Widerstände…". Setzen Sie in diesen Fällen Ihre Stimme (Betonung, Geschwindigkeit, Lautstärke), Ihre Gestik und Ihre Mimik ein. Aber Achtung: Es muss zu Ihrer Person passen, sonst wirkt es aufgesetzt - und stört.

Kontakt schaffen und halten, kein Radarblick

Jetzt heißt es Kontakt halten: Erst wenn Sie jemandem mindestens zwei, drei Sekunden in die Augen blicken, entsteht eine Verbindung. Also kein "Radarblick", der ohne Unterbrechung über das Auditorium schweift - verharren Sie beim ersten Zuhörer, schwenken weiter und verharren, zum nächsten...

Sehr aktivierend ist immer Interaktion mit den Zuhörern. Das ist zwar nicht bei jeder Rede möglich, doch wo immer es angebracht ist: Sprechen Sie direkt mit einzelnen im Publikum. Lassen Sie auch Zwischenfragen zu. Sie können das Publikum zudem aktivieren, indem Sie etwa um Handzeichen bitten oder eine kleine Übung am Platz integrieren. Je besser Sie das Publikum einbinden, desto enger wird der Kontakt. Allerdings gilt auch hier: Derlei Aktionen müssen zum Thema passen. Falls Sie Gefallen daran finden: Mehr als drei solcher Elemente sollte Ihr Vortrag keinesfalls enthalten.

Manche Menschen sind fähig, schier endlose Sätze fehlerfrei zu sprechen. Vermeiden Sie diesen Thomas-Mann-Stil und kultivieren Sie den Ernest-Hemingway-Stil: Schonen Sie Ihre Zuhörer. Sprechen Sie in kurzen Sätzen - und Hauptsachen in Hauptsätzen.

Einfache Worte erzeugen mehr Bilder als komplexe, zusammengesetzte oder aus Fach- und Fremdsprachen stammende. Und Sie wollen schließlich mentale Bilder hervorrufen. Bildhaftigkeit hilft, Informationen zu bündeln und abzuspeichern. Wollte man all dies in Worten ausdrücken, bräuchte man nicht nur mehr Zeit - es würde auch viel mehr Konzentration seitens der Zuhörer verlangen.

Fall es nicht gelingt, die Aufmerksamkeit zu halten, falls zunehmend Gemurmel und Nebengespräche entstehen: niemals versuchen, gegen eine plaudernde Masse anzureden; besser pausieren, bis alle still sind. Ebenfalls hilfreich: Etwas Rätselhaftes auf das Flipchart malen oder sogar das Gemurmel in das Thema einbauen - "mir ging es im Projektverlauf wie Ihnen jetzt: Alles lief, es wurde langweilig, wir wurden nachlässig und verloren den Fokus. Aber genau dann geschah es…".

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Noch etwas ganz wichtiges für die geplagten Zuhörer
lizard_of_oz 08.08.2011
Bei einer Power Point Präsentation hat der Vortragende stets die noch folgende Anzahl an Folien anzugeben, also etwa so: Folie 1/20. Das macht es besonders bei langweiligen Vorträgen einiges erträglicher zu wissen, wie lange man es noch aushalten muss. Es gibt bei langweiligen, etwa formelüberfrachteten, Vorträgen nichts schlimmeres, als wenn bei Folie 40 kein Ende abzusehen ist. Das sind dann wie gefühlte 120 Folien und jede weitere sind wie gefühlte fünf Folien. Ich habe es schon erlebt, dass die Leute (alles Akademiker, also mit Selbstbeherrschung) nach 20 oder 30 Folien zu grummeln beginnen oder aber bei spannenden Präsentationen auch nach 180 Folien (F&E) noch zuhören und mitschreiben, ich als Präsentierender war allerdings danach mehr tot als lebendig.
2. Auswendig lernen!
Hamberliner 08.08.2011
Zitat von sysopAlle Augen sind auf Sie gerichtet. Sie sollten jetzt mit Ihrer Rede anfangen. Ja, genau jetzt. Aber wie fängt man das Publikum ein und verhindert, dass es nach wenigen Minuten wegdämmert? Management-Berater Rüdiger Klepsch hat einige Tipps parat. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,778476,00.html
Bei Fachvorträgen ist die Zeit ja üblicherweise auf genau 20 Minuten begrenzt. Ich kann deshalb nur raten, den schriftlich formulierten Vortragstext inkl. Wechsel der Folien vorher mit der Stopuhr zu üben, bis es sitzt. Damit habe ich bei meinem Rigorosum und danach im weiteren Berufsleben immer gute Erfahrungen gemacht, die Leute waren immer begeistert. Tut man dies nicht, akkumulieren sich ganz schnell kleinste Verzettelungen oder äh, öh zu einem Zeit-Defizit, oder man lässt sich aus dem Konzept schmeißen wenn jemand lacht und man weiß nicht warum. Welche Formulierungen sich gar nicht flüssig sprechen lassen erkennt man im schriftlichen auch nicht unbedingt, das merkt man erst, wenn man es mündlich ausprobiert. Und dann bei der Konferenz kurz vorher sich nochmal irgendwohin ins Freie verdrücken, egal ob die Leute denken man führe Sebstgespräche, und aus dem Kopf mit dem Blick auf die Uhr eine letzte Generalprobe murmeln. Das Gegenteil ist ein Spielchen namens Powerpoint-Karaoke. Der Kandidat bekommt eine Powerpoint-Präsentation zu einem völlig überraschenden Thema, die er vorher noch nie gesehen hat, und soll hierzu improvisiert etwas vortragen.
3. Kraftpunkt
hman2 08.08.2011
Zitat von lizard_of_ozBei einer Power Point Präsentation hat der Vortragende stets die noch folgende Anzahl an Folien anzugeben, also etwa so: Folie 1/20. Das macht es besonders bei langweiligen Vorträgen einiges erträglicher zu wissen, wie lange man es noch aushalten muss. Es gibt bei langweiligen, etwa formelüberfrachteten, Vorträgen nichts schlimmeres, als wenn bei Folie 40 kein Ende abzusehen ist. Das sind dann wie gefühlte 120 Folien und jede weitere sind wie gefühlte fünf Folien. Ich habe es schon erlebt, dass die Leute (alles Akademiker, also mit Selbstbeherrschung) nach 20 oder 30 Folien zu grummeln beginnen oder aber bei spannenden Präsentationen auch nach 180 Folien (F&E) noch zuhören und mitschreiben, ich als Präsentierender war allerdings danach mehr tot als lebendig.
Und weil das Thema Powerpoint schon fiel, mein Tipp, bestens bewährt bei mir und vielen, denen ich diesen Rat gab: Machen Sie am besten *keinen* (gar keinen) Gebrauch von den tausend Effekten in Powerpoint. Es stört nur, selbst animierte Umbrüche. Die sind spätestens dann tödlich, wenn Sie "mal schnell" etwas vor- oder zurück wollen. Keine "reinfliegenden Buchstaben", keine Blättereffekte, nix. Ganz tabu sind Soundeffekte. Wenn Ihre Präsentation andauern "zisch, wumm, peng" macht wird der beste Sachvortrag zur Lachnummer. Am besten: Folien gestalten wie --- Folien. Einfach so wie man früher Overheadfolien baute. Große Schriften, die auch Brillenträger in der letzten Reihe lesen können, maximal 6-10 Zeilen pro Folie. Nicht zu viele Schriftgrade, maximal drei: Folientitel, Überschrift, Fließtext. Nur eine, maximal zwei Schriftfarben: Schwarz, evtl. dunkelblau. Screenshots immer nachbearbeiten! Am besten Screenshots nur schießen, wenn der Rechner vorher auf die Auflösung 800 x 600 gestellt wurde, denn dann kann man verkleinerte Darstellungen davon in der Präsentation noch lesen. Nur dann. Außerdem: keine Hintergründe. Ausschnittvergrößerungen wo sinnvoll, wichtiges mit Kreis oder Pfeil markieren. Eingearbeitete Fotos vorher auf Beamerauflösung (75 bis 100 dpi) runterrechnen, dann lädt die Präsentation schneller, da die Dateigröße drastisch sinkt. Bei Grafiken: Keine Grafiken mit mehr als 10-15 Elementen, mehr sieht sich kein Mensch an. Was auflockernd wirkt: Falls verfügbar ein einzelnes Video, das dann aber bitte formatfüllend vorgetragen wird, und nicht mehr als 2 Minuten. Aber wirklich nur wenn was passendes verfügbar ist.
4. Überschrift + Bilder und Grafiken, ansonsten Text weglassen !
holdenb 08.08.2011
Weil Niemand gleichzeitig geschriebenen und gelesenen Text verarbeiten kann = Modalitätseffekt, siehe Mayer, R. & Moreno, R.: Nine Ways to Reduce Cognitive Load in Multimedia Learning. Educational Psychologist, 2003, 38, 43-52.
5. -
SasX 09.08.2011
[QUOTE=hman2;8456234 Am besten: Folien gestalten wie --- Folien. Einfach so wie man früher Overheadfolien baute. Große Schriften, die auch Brillenträger in der letzten Reihe lesen können, maximal 6-10 Zeilen pro Folie. Nicht zu viele Schriftgrade, maximal drei: Folientitel, Überschrift, Fließtext. Nur eine, maximal zwei Schriftfarben: Schwarz, evtl. dunkelblau. [/QUOTE] Dann noch zwei Hinweise von mir: 1)Eine Folie nicht mit zu vielen Aussagen überfrachten. Sonst hören die Leute nicht zu, sondern lesen erst einmal ihre Folie durch. 2) Mit Hyperlinks arbeiten. Die Ecken der Folien eignen sich gut. Z.B. oben links immer auf jeder Folie einen Hyperlink zum Anfang der Präsentation haben und unten rechts einen zur letzten Seite. Auch eine Art Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks versehen. Grund: Wenn jemand irgendwo in der Präsentation eine Frage zu einer Folie stellt kann man, wenn man die Hyperlinks vernünftig einsetzt, darüber mit 1-3 Klicks zu der gewünschten Folie navigieren. Das wirkt besser, als die Präsentation verlassen zu müssen und in Powerpoint dann die gewünschte Folie zu suchen. Man bleibt die ganze Zeit in der Präsentation. Vielleicht auch mal gar nicht Powerpoint verwenden. Prezi z.B. ist auch mal eine Alternative und sorgt dafür, dass man seine Präsentation schon anders aufbaut.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Büroalltag
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Zum Autor
Rüdiger Klepsch arbeitet seit 1990 als Managementberater ( Dr. Klepsch & Partner ). Er hilft Führungskräften und Mitarbeitern, ihre kommunikativen und sozialen Fertigkeiten zu verbessern.
Verwandte Themen

Fotostrecke
King, Brandt, Reagan: Historische Rednermomente

Fotostrecke
Redenschwinger-WM: Nachfrage? Abgelehnt!

Social Networks