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Reparieren vs. Kreieren Bitte nicht wegwerfen

Sie verkaufen Möbel: Marco Modrow für wenige Euro, Sören Jungclaus für ein Vermögen. Der eine leitet ein Sozialkaufhaus, der andere designt Edelmobiliar. Ihre Kunden könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber vom Wegwerfen halten beide nichts.

Sören Jungclaus hat für 50.000 Euro den teuersten Bürostuhl der Welt entworfen, ein ergonomisches Kunstwerk aus Gold und Seide. Marco Modrow bietet im Sozialkaufhaus "Möbilé" ganze Schränke für 50 Euro an, Stühle reparieren er und seine Mitarbeiter schon für 75 Cent. Doch beide sind sich einig: Durch ihre Möbel wird weniger weggeworfen. Beim einen, weil alte Möbel eine neue Verwendung finden, beim anderen, weil die teuren Luxusgüter zu begehrten Erbstücken werden. Wie ihr Berufsalltag zwischen DDR-Schränken von gestern und Bürostühlen von morgen aussieht, erzählen sie hier:

  • Sozialkaufhauschef Marco Modrow, 37: "Es landen zu viele gute Sachen auf dem Müll"
Marco Modrow leitet in Weimar das Sozialkaufhaus "möbiLé" Zur Großansicht
Marco Modrow

Marco Modrow leitet in Weimar das Sozialkaufhaus "möbiLé"

"Im Sozialkaufhaus verkaufen wir gespendete Waren: Geschirr, Kleidung, Bücher, Spielzeug, Möbel. Von der kleinen Tasse bis zur großen Schrankwand ist alles dabei. Mir ist es wichtig, mit einfachen Dingen etwas Gutes zu tun und der Wegwerfgesellschaft entgegen zu wirken. Deshalb reparieren wir auch Möbel, Stühle zum Beispiel schon für 75 Cent. Heute landen viele Sachen, die noch gut sind, auf dem Müll.

Ich habe Sozialpädagogik studiert und schon im Praxissemester im Obdachlosenheim der Caritas und der Diakonie in Weimar gearbeitet. Anschließend betreute ich soziale Bildungsprojekte. Als ich 2011 das Angebot bekam, im Sozialkaufhaus die Leiterstelle zu übernehmen, habe ich sofort Ja gesagt. Viele der Mitarbeiter kannte ich schon aus meinen vorherigen Jobs: Sie galten vorher als Langzeitarbeitslose.

In meinem Arbeitsalltag erfülle ich Managementarbeiten. Wir haben 22 Mitarbeiter, zehn arbeiten ehrenamtlich, die anderen werden vom Staat gefördert. Nach den Regeln der Marktwirtschaft würde unser Geschäft nicht funktionieren. Ein Beispiel: Es wird ein Schrank gespendet. Zwei Mitarbeiter fahren hin, demontieren ihn, tragen die Bretter aus der dritten Etage nach unten und transportieren sie ins Kaufhaus. Dann folgen Reparatur, Zusammenbau und Verkauf - für 50 Euro. Davon könnte ich keine regulär Angestellten bezahlen.

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Arbeiten im Sozialkaufhaus: Von der Tasse bis zur Schrankwand
Besonders häufig werden uns Couchgarnituren, Tische und Stühle gespendet. Marke und Alter sind uns egal. Hauptsache, sie sind gut erhalten. Nur Röhrenfernseher nehmen wir nicht an; wir werden damit überschüttet, weil sich so viele Menschen Flachbildschirme kaufen. Und wir nehmen auch keine Möbel, die völlig aus der Mode sind, zum Beispiel DDR-Schrankwände. Die würden uns unsere Kunden nicht abnehmen. Dafür sind Möbel aus den Siebzigern im Trend.

Als Sozialkaufhaus richten wir uns an Menschen mit geringem Einkommen, wir verlangen aber keinen Nachweis der Bedürftigkeit. Niemand will beim Einkaufen seine Notlage offenbaren müssen. Mir selbst hat es dank familiärer Umstände nie an etwas gemangelt. Die Arbeit mit und für Menschen, denen nicht die gleichen Bedingungen vergönnt waren, gibt mir die Möglichkeit, etwas zurück zu geben. Meinen Job würde ich deshalb nicht gegen eine Stelle bei einer Nobelmarke tauschen wollen."

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Typisch
kronk 20.03.2013
Typisch deutsche Sensationsgiermedien: Ein 3000€-Bürostuhl wird für eine Messe gepimpt, und schon hat der Herr den teuersten Bürostuhl der Welt entworfen - nein, liebe "Journalisten", hat er nicht. Er hat einen 3000€-Stuhl entworfen und den rein zu Showzwecken mit funktionsunabhänigen Edelmaterialien versehen, die den Preis so astronomisch werden ließen. Aber das klingt nicht so toll, das kann nicht so stehen bleiben. Furchtbare Medienwelt!
2. Wo ist der dritte Teil?
pheb62 21.03.2013
... bzw., worin besteht er??
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