Von Peter Ilg
Berufskleidung, das klingt nach Blaumännern und Kittelschürzen, nach Warnschutzwesten und Arbeitsstiefeln mit Stahlkappe. Dass eine Dienstkluft auch elegant sein kann, will Modedesignerin Simone Plitzko mit ihren Kreationen beweisen. Die 41-Jährige hat sich auf Firmenmode spezialisiert, sie stattet Mitarbeiter von Hotels in ganz Europa aus und kleidet die Besatzung von Passagierschiffen ein. "Man muss dabei anders denken, weil die Anforderungen an diese Kleidung ganz andere sind", sagt sie. "Das Design soll nicht nur gut aussehen, es muss auch funktional sein."
Bei Arbeitskleidung, neudeutsch "Corporate Fashion", kommt es auf langlebige Materialien an, hochwertige Verarbeitung, damit sie möglichst lange halten, exakte Schnitttechniken für unterschiedliche Größen und Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. "In russischen Hotels darf der Schlitz im Rock fast bis zur Hüfte gehen, der Ausschnitt möglichst tief sein." Für viele Hotels in Dubai wäre das völlig ausgeschlossen, weil auch Muslime dort arbeiten. Am liebsten in bodenlangen Kleidern. Klamotten und Arbeitgeber müssen zusammenpassen und sich die Mitarbeiter darin wohlfühlen. Alle. Das ist die Kunst des Uniformen.
Entwürdigende Kittel im Supermarkt
Berufskleidung zu designen sei genauso kreativ wie das Entwerfen von Haute Couture, behauptet die Modeschöpferin. Sie kennt beides: Nach ihrem Designstudium, für das sie sich gegen knapp 1000 Mitbewerber durchsetzen musste, arbeitete sie freiberuflich, unter anderem für Swarovski. "Ich habe spektakuläre Show-Kleider entworfen, an denen neue Steine, Farben und Effektschliffe der Kristallsteinchen präsentiert wurden."
Daneben arbeitete Plitzko als Modegrafikerin für bekannte Marken. Sie zeichnete Trendkollektionen und nähte Ballkleider für die Reichen und Schönen. Damals lernte sie, sich an modische Maßgaben zu halten: Trendinstitute gaben Farben, Formen und Schnitte der Kleider vor. Heute sind es die Unternehmen, die genaue Vorstellungen von der Arbeitskleidung ihrer Mitarbeiter haben. An die muss Plitzko sich halten.
Ihren ersten Auftrag für Berufskleidung erhielt sie im Jahr 2000: Bei einer Modenschau fragte sie der Direktor des Arabella Sheraton in Frankfurt, ob sie für das Hotel eine Kollektion entwerfen wolle. Heute entwirft die Designerin ihre Kollektionen in ihrem Haus in Frankfurt. Gezeichnet wird von Hand. "Ich bin noch ohne Computer durchs Studium gerutscht." Eine Herausforderung für sie wäre es, die Mitarbeiter von Supermarktketten einzukleiden. "Keiner der Verkäufer kann mir erzählen, dass er sich in seinem Kittel wohlfühlt." Solche Art Berufskleidung hält Plitzko teilweise für entwürdigend. Gute für motivierend.
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