Die Jobs mit Stechuhr werden nach und nach seltener, flexible Arbeitszeitmodelle sind im Kommen. Dennoch gehen Realität und Wunschvorstellungen der Beschäftigten in Deutschland oft sehr weit auseinander. Eine Untersuchung von Forschern der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung bestätigt: Zufrieden ist kaum einer.
Vollzeit arbeitende Menschen würden am liebsten gut fünf Stunden weniger pro Woche arbeiten. Zufrieden wären sie mit 38,7 Stunden, tatsächlich verbringen sie aber durchschnittlich 43,9 Stunden im Büro oder in der Fabrik, im Labor oder hinter der Ladentheke. Vereinbart ist noch einmal etwas ganz anderes: nämlich 39,4 Stunden. Fielen die Überstunden weg, wären die Vollzeitbeschäftigten also schon wesentlich zufriedener mit ihrer Arbeitszeit.
Die Menschen, die weniger arbeiten, wollen genau das Gegenteil: Teilzeitbeschäftigte würden gern jede Woche knapp vier Stunden mehr an ihrem Arbeitsplatz verbringen. Sie arbeiten im Schnitt 21,9 Stunden (und damit etwas mehr als die vereinbarten 20,7 Stunden), möchten aber der Studie zufolge gern auf 25,6 aufstocken.
Frauen zufriedener als Männer
Das haben Forscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut in der Hans-Böckler-Stiftung herausgefunden. Dazu haben sie Daten für das Jahr 2009 aus dem Sozioökonomischen Panel ausgewertet, einer Befragung, mit der seit 1984 jährlich Daten von 20.000 Menschen erfasst werden.
In erster Linie würden viele Teilzeitbeschäftigte gern mehr verdienen, also für mehr Geld auch mehr arbeiten wollen. Mit umgekehrten Vorzeichen gilt das auch für Menschen, die einen Vollzeitjob haben: Sie würden Einbußen hinnehmen, wenn sie dafür mehr Freizeit hätten.
Während Frauen generell zufriedener mit ihren Arbeitszeiten sind als Männer, lässt sich zwischen Ost und West kaum ein Unterschied feststellen: Die Menschen in den neuen Bundesländern sind genauso glücklich - oder eben unglücklich - mit ihren Arbeitszeiten wie die Kollegen in den alten Bundesländern. Auch die Zahl der Überstunden und die Wünsche nach längerer Arbeit auf Teilzeitstellen sind sehr ähnlich.
Die wunderbare Welt der flexiblen Arbeit
Für flexible Arbeitszeiten gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Modellen. Manche werden in vielen Unternehmen, andere nur ausnahmsweise praktiziert. Insgesamt arbeiten gut 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland mit einem solchen Stundenplan. Ein kleines Glossar der modernen Welt der Arbeitszeiten.
Der Klassiker, der kaum Freiräume ermöglicht. Ein Angestellter arbeitet zum Beispiel nur vormittags oder nachmittags. Die Zeitfenster ändern sich nicht.
Eine fast ebenso gängige Variante: Drei- oder Viertagewoche, die übrigen Tage sind frei, und Teilzeitmitarbeiter bestimmen in Absprache mit ihrem Team den freien Tag oft selbst.
Wenig verbreitet: Man verteilt ein Zeitbudget beliebig auf den Kalendermonat. Drei Wochen am Stück arbeiten, eine Woche frei - das geht.
Auch "gleitende Arbeitszeit" genannt, bedeutet, dass Beginn, Ende und Dauer der täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt sind, sondern zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern verabredet werden. Man unterscheidet "einfache" und "qualifizierte" Gleitzeit.
Bei der "einfachen" Gleitzeit wird eine feste "Kernarbeitszeit" und ein "Gleitzeitrahmen" festgelegt, z.B. 7-20 Uhr Gleitzeitrahmen / 10-17 Uhr Kernarbeitszeit.
Bei der "qualifizierten" Gleitzeit wird die "Kernarbeitszeit" noch einmal reduziert oder ganz abgeschafft. Vereinbart wird meist eine bestimmte Stundenzahl in der Woche, im Monat oder im Jahr. Die weitere Planung der Arbeitszeit übernimmt der Arbeitnehmer in eigener Verantwortung.
Viele Unternehmen haben mittlerweile Konten eingeführt, auf welchen die Arbeitszeit laut Vertrag, Tarif oder Vereinbarung mit der tatsächlich geleisteten Arbeit verrechnet wird. Besonders bei Modellen wie Gleitzeit oder bei Schichtarbeit werden sie eingesetzt; zudem gibt es meist Vereinbarungen, wie viel "Guthaben" oder "Schulden" auf einem solchen Konto angesammelt werden dürfen.
Im Sabbatjahr ließen die Bauern Israels, so erzählt das Alte Testament, die Felder ruhen und alle Schulden wurden erlassen. In der Arbeitswelt können Beschäftigte in regelmäßigen Zeiträumen ein bezahltes Sabbatjahr nehmen, wenn sie zum Beispiel Arbeitszeit angespart oder eine Zeitlang Vollzeit für das halbe Gehalt gearbeitet haben.
Streng genommen eine Variante der Gleizeit: Arbeitgeber und Angestellte verteilen in Absprache das Arbeitszeitvolumen eines Betriebs nicht gleichmäßig, sondern flexibel über ein Jahr. Dieses Modell bietet sich dann an, wenn es vorhersehbare saisonale Schwankungen im Arbeitsaufkommen gibt.
Ein recht seltenes Modell: Ein, zwei oder auch drei Kollegen teilen sich eine Vollzeitstelle. Wer wann im Büro sitzt, machen sie unter sich aus. Jeder Jobpartner ist im Prinzip für sich selbst verantwortlich. Eine weitere Variante ist das "Job-Pairing", bei dem mehrere Kollegen ein Team bilden, das die Verantwortung, meist für ein weit gestecktes Arbeitsziel oder Projekt, gemeinsam trägt.
Dieses Arbeitszeitmodell hat kaum noch mit dem genauen Zeitraum zu tun, der für Arbeit aufgewandt werden muss. Es orientiert sich eher an einem bestimmten Arbeitsziel, einem Produkt zum Beispiel, das bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein soll. Bei der Vertrauensarbeitszeit liegt es weitgehend in der Verantwortung des Arbeitnehmers, seine Zeit und seine Arbeit zu organisieren. Überstunden gibt es bei diesem Modell nicht, dafür auch kein Zuspätkommen. Eine vertraglich festgelegte Arbeitszeit aber sehr wohl, sie wird jedoch meist nicht kontrolliert.
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